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VR-Präsidenten: Wer wie viele Firmen-Aktien hortet

Von üppig bis mickrig: Die einen VR-Präsidenten trennen sich nie von Aktien ihres Arbeitgebers, andere verkaufen sie im grossen Stil. Welche Unternehmen finden wohl eher das Vertrauen der Investoren?

Von Harry Büsser
23.08.2016

Jörg Wolle, der designierte Verwaltungsratspräsident des Handelsunternehmens DKSH, hat dieses Jahr Aktien seines Arbeitgebers für rund 40 Millionen Franken verkauft. Der Wert seiner Beteiligung beträgt zwar immer noch fast 30 Millionen Franken, aber der Verkauf setzt ein grosses Fragezeichen hinter sein Vertrauen in die weitere Entwicklung des Aktienkurses. Kein Wunder: 2013 notierten die DKSH-Titel noch bei fast 90, jetzt unter 70 Franken.

Die Verwaltungsratspräsidenten sind die Hüter der Aktionärsrechte. Für sie ist die eigene Beteiligung am Unternehmen ein wichtiger Anreiz, sich anzustrengen. Darüber hinaus ist sie ein Vertrauens­signal an die anderen Aktionäre. «Ein ­zusätzliches finan­zielles Engagement sehe ich als Investor sehr gerne», bemerkt Urs Beck, Fondsmanager bei EFG Asset Management.

Nie eine Aktie verkauft

Dabei gibt es gewaltige Unterschiede. Während Peter Brabeck über 280 Millionen Franken ­eigenes Geld in Nestlé investiert hat, sind es bei Beat Hess vom Zementkonzern LafargeHolcim nur etwas über 300'000 Franken. Nestlé-Präsident Brabeck scheint also deutlich mehr Vertrauen in seinen Arbeitgeber zu haben als Hess.

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Hess erst dieses Jahr zum Zementkonzern stiess, während Peter Brabeck seit 1968 beim Nahrungsmittelgiganten aus Vevey VD beschäftigt ist. Über ein gesamtes ­Arbeitsleben häuft sich natürlich eine ­höhere ­Beteiligung an. Bei Brabeck ist diese allerdings so hoch, dass Aktionäre sich fragen könnten, ob es eigentlich gerechtfertigt sei, solche Summen in einem Angestelltenleben zu verdienen. Die Aktien sind ja als Lohnbestandteil ins Depot von Brabeck gelegt worden. Mit anderen Lohnbestandteilen dürften noch einmal 100 Millionen hinzugekommen sein.

Immerhin hat der langjährige Nestlé-Patron nicht nur sein Privatvermögen in neue Höhen geführt, sondern auch den Aktienkurs seines Arbeitgebers. Daran, dass er das schafft, scheint Brabeck nie gezweifelt zu haben, denn Nestlé-Titel hat er nie verkauft.

Kurse auf neue Höchststände gehievt

Viele Präsidenten haben einen ähnlich starken Glauben an die eigene Firma und besitzen mehr Titel ihres Arbeitgebers als je zuvor. Einige unter ihnen haben es auch geschafft, deren Kurse auf neue Höchststände zu hieven. Dazu gehört Ernst Tanner, welcher in seiner Laufbahn den Aktienkurs von Lindt & Sprüngli und gleichzeitig sein Privatvermögen vervielfachen konnte. Seine Beteiligung am Schoggifabrikanten ist 262 Millionen Franken wert.

Im grossen Stil Aktien des eigenen ­Arbeitgebers verkauft haben neben Jörg Wolle auch Jörg Reinhardt bei Novartis und Rolf Dörig bei Swiss Life. Reinhardt veräusserte 2014 netto 91'560 Novartis-Titel für rund 7,6 Millionen Franken. Der Verkauf fand zu einem geschätzten Durchschnittskurs von rund 83 Franken statt. Danach stiegen die Papiere zuerst zwar noch bis auf über 100 Franken, stürzten inzwischen aber auf unter 80 Franken ab. Rolf Dörig trennte sich 2013 netto von 8382 Swiss-Life-Aktien. Er hätte sie besser behalten, denn heute notieren die Titel bei rund 240 Franken, während er damals nur etwa 180 Franken dafür lösen konnte.

Titel halten – auch bei Kursrückgang

Aus Anlegerperspektive können vor allem die Aktien von jenen Firmen kaufenswert sein, bei denen das Vertrauen der Präsidenten in die Wertpapiere ungebrochen erscheint, obwohl die Kurse weit unter Höchstständen notieren. Das gilt etwa für Walter Kielholz bei Swiss Re. Auch bei Julius Bär, UBS, Adecco, Syngenta, SGS, Zurich Insurance, ABB, Roche und LafargeHolcim scheint das präsidiale Vertrauen in die eigenen Aktien trotz Kursschwäche ungebrochen – wobei die geringe Beteiligung von Beat Hess bei LafargeHolcim wenig aussagekräftig sein dürfte. Ähnlich geringe Aussagekraft haben die Positionen von Christoph Franz (Roche) und Peter Voser (ABB), die beide erst seit kurzem im Amt sind.

Anders präsentiert sich die Situation bei Julius Bär und Zurich Insurance. Sowohl Daniel Sauter bei der Privatbank wie auch Tom de Swaan beim Versicherer haben ihre Positionen in den vergangenen Jahren ausgebaut. Sie scheinen das Vertrauen nicht verloren zu haben, obschon die Aktienkurse gelitten haben.

Auffällige Positionen

Auffällig in der Tabelle sind die Positionen von Urs Rohner, Credit Suisse, und Sergio Marchionne, SGS. «Relativ zu seinen drei anderen Positionen bei italienischen Firmen, die jeweils über 70 Millionen Franken liegen, ist Marchionnes Beteiligung bei SGS sehr klein», sagt Fondsmanager Urs Beck. «Sogar bei Philip Morris, wo er nur gewöhnlicher Verwaltungsrat ist, hält er Aktien im Wert von sieben Millionen Franken.»

Immerhin hat Marchionne sein SGS-Depot im vergangenen Jahr um 450 Titel aufgestockt. Ein gutes Geschäft: Damals noch rund 1800 Franken wert, tendieren sie nun gegen 2200 Franken.

Viel verdient, aber wenig beteiligt

Ein Spezialfall ist Urs Rohner. Seine Beteiligung an der Credit Suisse ist seit 2013 fast unverändert, weil er wegen schlechten Geschäftsverlaufs auf Lohnbestandteile in Form von Aktien verzichtete. 2013 baute er seine Position leicht um 19'981 Titel ab, die er damals zu rund 26 Franken das Stück verkaufen konnte. 2015 erhöhte sich seine Position wieder um 15'376 Titel, die dannzumal 22 Franken kosteten und heute nur noch rund halb so viel wert sind.

Trotz des Verzichts auf Aktien hat Rohner gut verdient: Seit 2010 wurde er mit insgesamt 24,2 Millionen Franken in Cash entlohnt. Dafür hat der Schweizer Hedge-Fund-Manager Rudolf Bohli kein Verständnis. Er ist generell kritisch gegenüber einer hohen Entlohnung von Verwaltungsräten: «Eigentlich wären sie für die Strategie verantwortlich, engagieren dafür aber meist eine angesehene Unternehmensberatung und nicken deren Strategie einfach ab.»

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