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Industrie 
Viktor Vekselbergs viele Verpflichtungen

Der russische Milliardär investiert seit über zehn Jahren in der Schweiz. Doch die Absichten hinter den finanziellen Engagements bleiben nebulös. Immer wieder gibt es hohe Verluste.

Seit fast zehn Jahren ist der Industriekonzern Sulzer in der Hand des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg. Seither gibt es immer wieder stürmische Zeiten mit Machtkämpfen und Konzernumbauten. Dasselbe Bild zeigt sich auch bei den anderen Schweizer Beteiligungen von Vekselberg.

Es war ein Paukenschlag: Am 20. April 2007 wurde bekannt, dass Vekselberg gemeinsam mit österreichischen Investoren über Nacht 32 Prozent am Winterthurer Industriekonzern Sulzer übernommen hatte.

Das hatte weitreichende Folgen: So rollten Köpfe in der Führungsriege der Zürcher Kantonalbank. Diese hatte Schützenhilfe beim heimlichen Aufbau der Beteiligung geleistet. Vekselberg selbst kam später für die Verletzung der Meldepflicht mit einer Wiedergutmachungszahlung von 10 Millionen Franken an das Finanzdepartement davon.

Unklare Absichten

Wegen des Deals fürchtete Sulzer um seine Unabhängigkeit. Als Investor in der Schweiz war Vekselberg erstmals 2004 in Erscheinung getreten, als er sich an der Immobiliengruppe Züblin beteiligte. Im selben Jahr zog er nach Zürich. Zwei Jahre später stieg er beim Technologiekonzern Unaxis ein, der heute Oerlikon heisst. Sulzer fürchtete deshalb, Vekselberg könnte eine Fusion der beiden Unternehmen anstreben. Überhaupt herrschte Unklarheit über die Absichten Vekselbergs.

Der Verwaltungsrat von Sulzer konnte Vekselberg schliesslich Zugeständnisse abringen: Unter anderem sollte er ohne Einvernehmen mit dem Sulzer-Verwaltungsrat kein Zusammengehen von Sulzer mit Oerlikon anstreben. Zunächst sah es so aus, als könnte es nur bergauf gehen. Vekselberg betonte, er wolle seinen Beteiligungen helfen, in Russland stärker Fuss zu fassen.

Reges Sesselrücken in der Chefetage

Heute sind Sulzer und Oerlikon weiter zwei separate Konzerne. Zur Ruhe gekommen sind sie aber beide nicht. Vekselberg hat sich zwar als langfristig ausgerichteter Investor erwiesen – aber nicht unbedingt als ein geduldiger. Dazu kommt, dass die Unternehmen schon bald nach seinem Einstieg in stürmisches Fahrwasser gerieten, was vor allem auch durch das äussere Marktumfeld bedingt war.

Seit Vekselberg Einstieg bei Oerlikon vor zehn Jahren gab es allein drei neue Chefs – die Interims-CEO nicht mitgezählt. Zuletzt löste Roland Fischer im März Brice Koch ab. Auch im Verwaltungsrat gab es rege Wechsel. Währenddessen wurde der Konzern stark umgebaut: Nachdem Oerlikon im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise bereits 2008 in die roten Zahlen rutschte, wurden 1000 Stellen abgebaut. Bis Ende 2015 wurde die Konzernbelegschaft um 5500 auf rund 13'723 Mitarbeitende abgebaut.

Ein Jahr nach Oerlikon traf es auch Sulzer. Das Unternehmen kündigte die Streichung von weltweit 1400 Stellen an. Seither gab es mehrere Restrukturierungen. Der tiefe Ölpreis erfordert zur Zeit weiter schmerzhafte Einschnitte beim Personal. Auch bei Sulzer gibt es wenig Kontinuität in der Führungsriege. Zuletzt musste Konzernchef Klaus Stahlmann seinen Sessel räumen – nach nur rund drei Jahren an der Spitze.

Wertminderungen

Immer wieder kämpfen Vekselbergs Beteiligungen mit Verlusten. Sie sind damit nicht gerade eine Stütze für Vekselbergs Vermögen, das bereits massiv unter den Wertminderungen seiner russischen Investments – bedingt durch den tiefen Rubelkurs – leidet. Noch 2007 meldete die «Bilanz», Vekselbergs Vermögen belaufe sich auf 14 bis 15 Milliarden Franken. 2015 schätzte die «Bilanz» Vekselbergs Vermögen noch auf rund 8,5 Milliarden Franken.

Zuletzt änderte Vekselberg offenbar seine Anlagetaktik: Im Gegensatz zu Züblin, Oerlikon und Sulzer befand sich seine neueste Schweizer Eroberung bereits in Schwierigkeiten, als er einstieg: Vor drei Jahren übernahm Vekselberg Anteile des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach. Hier besteht wohl die Hoffnung, dass es mit dem Unternehmen dieses Mal nach dem Kauf bergauf geht – und nicht vorher. Der Aufschwung lässt bisher aber auf sich warten: In den ersten neun Monaten 2015 rutschte der Stahlkonzern tief in die roten Zahlen.

(sda/jfr/gku)

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