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Postauto-Skandal 
Viel mehr kann man nicht falsch machen

«Kollektives menschliches Versagen»: die Schweizer Post.

Die Führungsmannschaft der Post krallt sich an ihren Ämtern fest. Dabei spricht alles für einen kollektiven Rücktritt.

Philipp Albrecht
Kommentar  
Von Philipp Albrecht
11.06.2018

Die Schweizer Post beschäftigt 62’000 Menschen und löst mit ihren vielen Dienstleistungen acht Milliarden Franken pro Jahr. Die Post ist für den Staat so wichtig, dass er sie nicht in private Hände geben will.
 
Die Post wird aber derart schlecht geführt, dass ihre Postauto-Tochter über mindestens zwölf Jahre viele Millionen Franken an Subventionen einnahm, die ihr nicht zustanden. Privat bereichern wollte sich dabei niemand. Das Geld war einfach da, bezahlt von der öffentlichen Hand. Man schob es hin und her und tat so, als wäre das kein Problem. Und als man es schliesslich als Problem erkannte, wusste man nicht, ob und wie man es lösen sollte. Das zeigen Untersuchungen des Bundesamts für Verkehr und es wurde nun von externen Anwälten bestätigt.

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Es gibt keine einleuchtende Begründung dafür, warum der Bund als Besitzer der Post nicht alle sieben Mitglieder der Geschäftsführung und alle neun Verwaltungsräte per sofort entlassen sollte.

Wer kontrolliert, trägt Verantwortung

Sie alle sind dazu verpflichtet, einzuschreiten, sobald sie vom Missstand erfahren. Der einzige, der das schon vor Jahren getan hat, war Ex-Postauto-Chef Daniel Landolf. Er wurde entlassen – gleich nachdem die Sache im Februar publik wurde.
 
Wenn man Urs Schwaller zuhört, Verwaltungsratspräsident seit Juli 2016, wie er jetzt vor Journalisten das Resultat des externen Berichts kommentiert, stellen sich einem die Nackenhaare auf. Er sei «erschüttert» darüber, wie «Kontrollmechanismen versagt» hätten. Das sei ein «inakzeptabler Vertrauensbruch», findet er, der selber seit zwei Jahren Teil des «Kontrollmechanismus» ist.

Urs Schwaller
VR-Präsident Urs Schwaller äussert sich an der Medienkonferenz über die Ergebnisse der Postauto-Affäre.
Quelle: Keystone

Über Jahre hätte man «zahlreiche Hinweise» gehabt und sei dennoch «nicht eingeschritten», stellt Schwaller fest. Der Bericht bestätigt, was vom «Blick» publizierte Dokumente schon im Februar zeigten: Konzernleitung und Verwaltungsrat wussten seit 2012 von den illegalen Machenschaften im Konzern. Das Sinnbild der drei Affen kämen einem in den Sinn, schrieb meine Kollegin Florence Vuichard in der BILANZ: «Nichts sehen, nichts hören und nichts sagen».
 
Das Unrechtsbewusstsein sei irgendwann verloren gegangen, erklärt Schwaller. Die illegale Handlung wird zum Alltag. Serge Gaillard, Finanzchef des Bundes, spricht von einem «kollektiven menschlichen Versagen».

Susanne Ruoff trägt nicht die alleinige Schuld

Jetzt, da die Berichte vorliegen, müssten alle, die von den Machenschaften wussten, ihre Konsequenzen ziehen. Und wenn sie nicht von sich aus zurücktreten, müsste sie der Bundesrat abwählen. Alles andere ist bei einem Staatskonzern unglaubwürdig. Doch nur CEO Susanne Ruoff und die Leiterin der internen Revision, Martina Zehnder, müssen gehen.

Susanne Ruoff, Konzernleiterin Post, Mitte, spricht an der Seite von Ulrich Hurni, Leiter PostMail, links, und Frank Marthaler, Leiter Swiss Post Solutions,
Susanne Ruoff ist als Post-CEO zurückgetreten.
Quelle: Keystone

Verwaltungsrat Adriano Vassalli, der den Prüfungsausschuss leitete und von allen am meisten wusste, darf noch bis zur Pensionierung im Frühling 2019 bleiben. Dabei sagte Bundesrätin Doris Leuthard, die Sache sei «unentschuldbar». Man krallt sich an den Ämtern fest und erhält noch Rückendeckung vom Bundesrat.
 
Selbst Ruoff, die sonst einen sehr guten Job gemacht hat, glaubte bis am Schluss, sie könne sich durchwursteln. Erst als ihr Schwaller verdeutlichte, dass «die Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit fehlt», reichte sie die Kündigung ein.
 
Die Schweizer Post wird von Managern geführt, die komplett versagten. Die meisten von ihnen dürfen weitermachen. Und das bei einem vom Staat kontrollierten Konzern.

Chronik: Der Postauto-Skandal

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Bekannt wird der Postauto-Skandal im Februar 2018. Die Vorfälle selbst reichen jedoch viel weiter zurück: Von 2007 bis 2015 hat die Postauto AG im subventionierten Geschäftsbereich Gewinne erzielt und diese Erträge umgebucht und in anderen Sparten versteckt. In Folge hat die Post-Tochter zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen. Insgesamt geht es um 78,3 Millionen Franken. Wie wurden die Vorfälle schliesslich aufgedeckt?
Quelle: Keystone .