Der Jahrestag des Todes von Sergio Marchionne war Fiat-Chrysler-Präsident John Elkann (43) eigens eine Pressemeldung wert. Darin erin­nerte er an den Automanager, jenen «erleuchteten Leader», der mit ­seiner «Kultur der Exzellenz» die Firma nachhaltig geprägt habe.

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Die überschwänglichen Worte zeigen nicht nur, wie tief Elkann der Verlust seines Lehrmeisters immer noch plagt, sie deuten auch an, ­welche überaus grosse Bedeutung ­Marchionne für Fiat Chrysler gehabt haben muss. Jahrelang hat der Agnelli-Enkel auf ihn gesetzt beim Umbau des Autoriesen, Marchionne dominierte den Konzern total, was bei Kritikern zur Einschätzung geführt hatte, das Unternehmen habe ein «Key-Man Risk».

Sergio Marchionne, chief executive officer of Fiat Chrysler Automobiles NV, poses for a photograph in London, U.K., on Friday, May 27, 2016. Marchionne received a special cash payment of $35 million last year as compensation for the Fiat-Chrysler merger, he is also entitled to a $12 million payout when he retires. Photographer: Chris Ratcliffe/Bloomberg via Getty Images

Unvollendete Mission: Der im Juli 2018 verstorbene Sergio Marchionne.

Quelle: Bloomberg via Getty Images

Hilfloser Autobauer

Ein Jahr nach dem Tod von Marchionne beweist sich das – der Autobauer wirkt hilflos. Das zeigt sich auch daran, dass Elkann weiter auf die Strategie von Mar­chionne baut, in der Umsetzung aber nicht vorankommt. Marchionne hatte immer betont, Fiat sei ­alleine zu schwach. Nur mit Massenproduktion könnten die Kosten begrenzt und der Gewinn gesichert werden, so Marchionne. Die Fusion mit Chrysler von 2014 war nur ein erster Schritt, doch es brauche mehr: eine weitere Grossfusion.

Noch diesen Frühling sah es so aus, als ob Elkann diesen Partner gefunden hätte: Renault. Der französische Autobauer unter Präsident Jean-Dominique Senard steht vor den gleichen Herausforderungen. Doch nicht nur der französische Staat, der 15 Prozent an Renault hält, auch der japanische Partner Nissan, der 15 Prozent der Anteile besitzt, warfen den Fusionswilligen Knüppel zwischen die Beine oder verzögerten die Gespräche – beide Grossaktionäre würden im neuen Konstrukt erheblich an Einfluss verlieren.

Als ihm die Sache zu bunt wurde, zog Elkann seinen Fusionsvorschlag zurück. Senard wiederum machte an der Generalversammlung vom Juni deutlich, dass er enttäuscht über die geplatzte Fusion sei – er wisse nicht, was die Zukunft bringen werde.

YOKOHAMA, JAPAN - MARCH 12: (CHINA OUT, SOUTH KOREA OUT) Renault SA Chairman Jean-Dominique Senard speaks during a joint news conference on March 12, 2019 in Yokohama, Kanagawa, Japan. They announced on Tuesday that Senard will act as Chairman of the new operating board of the three companies' alliance, with the CEOs of Nissan, Renault, and Mitsubishi Motors also joining the board.  (Photo by The Asahi Shimbun via Getty Images)

Enttäuscht über die geplatzte Fusion: Renault-Präsident Jean-Dominique Senard.

Quelle: The Asahi Shimbun via Getty Image

Nimmt Fusion zweiten Anlauf?

Nun aber sieht es so aus, als ob die Sache eine zweite Chance bekäme: Laut italienischen Medien soll Fiat Chrysler mit Renault weiterhin über eine Fusion diskutieren.

Fiat-CEO Mike Manley, der nach dem Tod von Marchionne die operative Führung von Fiat Chrysler übernommen hatte, goss Anfang August Öl ins Feuer, indem er betonte, er sei immer noch interessiert, von den Franzosen zu hören. Die «industrielle Logik» sei unverändert, sollten sich die Umstände ändern, «dann können Träume zusammenkommen und Dinge geschehen».

Nun wartet die Branche gespannt darauf, ob Senard erneut in den Ring mit den eigenen Grossaktio­nären steigen wird.

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