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Valentinstag: So kommt die Rose in die Schweiz

Blumenhändler machen am Valentinstag das grosse Geschäft. Vor allem Rosen sind bei den Liebenden gefragt. Doch bis die hübsche Blume die Schweiz erreicht, hat sie eine lange Reise hinter sich.

Von Gabriel Knupfer
10.02.2016

Für Blumenverkäufer ist der Valentinstag der schönste Tag im Jahr. Nicht einmal am Muttertag gibt es mehr Umsatz für die Floristen. Besonders beliebt bei den Liebenden ist die Rose – kann man doch mit der «Königin der Blumen» kaum etwas falsch machen. Rote Rosen sehen nicht nur gut aus, sie senden auch keine versteckten Botschaften aus, für die sich die Schenkenden womöglich schämen müssen (siehe Bildergalerie oben).

Am Valentinstag verkauft beispielsweise Coop rund 50 Prozent mehr Rosen als an einem normalen Tag. Und auch die Migros bestätigt auf Anfrage, dass Rosen neben Schokolade die beliebtesten Valentinstagsgeschenke sind. Mehrheitlich stammen die Blumen bei beiden Detailhändlern aus Kenia, die Stadt Naivasha im Zentrum des Landes gilt als Afrikas Hauptstadt der Rosen. In der Schweiz verkaufte Blumen legen also erstmal eine Wegstrecke von rund 6000 Kilometern hinter sich. Für die Region selbst sind die Rosen ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.

Fairtrade sind fast alle

Die Zahlen sind eindeutig: 65 Prozent der verkauften Rosen kämen aus Afrika, sagt die Migros. Fast alle davon seien aus Kenia, könnten aber mit geringen Mengen aus Tansania ergänzt werden. Bei Coop beträgt der Anteil an afrikanischen Rosen sogar 95 Prozent des gesamten Sortiments. Die Blumen werden per Flugzeug nach Europa transportiert und danach von Schnittblumenlieferanten in die Schweiz gebracht.

Leuten, die im globalen Schnittblumenhandel einen sozialen und ökologischen Irrsinn vermuten, widerspricht Coop vehement. «Mittlerweile sind 98 Prozent der bei Coop verkauften Rosen Fairtrade-zertifiziert», schreibt der Detailhändler. 50'000 Angestellte in Kenia würden dank Fairtade von geregelten Arbeitszeiten, sozialer Vorsorge und Schutzkleidung profitieren. Bei der Migros sei der Anteil an Max-Havelaar-Rosen nahe bei 100 Prozent, sagt eine Sprecherin. Nur falls die eingekaufte Menge nicht ausreiche, nehme man bis zu 5 Prozent Rosen aus anderer Produktion.

Rosen aus Ecuador werden meist verschenkt

Die Medienstelle des Blumenhändlers Fleurop war für eine telefonische Stellungnahme nicht zu erreichen. Viele andere Schweizer Händler, wie zum Beispiel die Rosenbörse, kaufen die Blumen in Ecuador. Man setze dabei ausschliesslich auf Familienbetriebe und lege grossen Wert auf menschen- und umweltfreundliche Produktion, so die Firma auf ihrer Website. Die Schattenseite dabei ist natürlich die lange Reise der Rosen um den halben Globus.

Rosen aus Ecuador kriegt man auch in der Migros. Sie machen rund 35 Prozent des Angebots aus. Die kurzstieligen Rosen aus Afrika seien günstiger und würden vermehrt für den «Heimgebrauch» gekauft, so die Migros-Sprecherin. «Die teureren grossköpfigeren Ecuador-Rosen werden vielfach als Geschenkartikel gekauft».

Umweltbilanz als Kritikpunkt

Doch auch bei der Umweltbilanz ist die Sache nicht schwarz-weiss. «Studien, unter anderem der ETH und von Myclimate, belegen, dass Rosen aus europäischen Gewächshäusern rund vier mal mehr Energie benötigen, als solche, die per Luftfracht in die Schweiz gelangen», heisst es bei Coop.

Auch die deutsche Zeitung «Zeit» rechnete 2010 vor, dass Rosen aus Kenia trotz des langen Fluges mit Lufthansa Cargo eine viel bessere CO2-Bilanz aufwiesen, als Rosen aus Holland. Dies, weil die Gewächshäuser in Afrika weder beheizt, noch beleuchtet werden müssten.

Trotzdem sind gekaufte Schnittblumen natürlich nicht wirklich umweltfreundlich. Der Wasserbedarf ist hoch und ebenso der Benzin- und Treibstoffverbrauch beim Transport. Wer also am Valentinstag ein ganz reines Gewissen haben will, sollte auf einheimische Blumen setzen und diese auch selber pflücken.

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