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US-Steuerreform 
Warum US-Banken jetzt plötzlich vor hohen Verlusten warnen

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Goldman Sachs: Auch wenn die Banken auf längere Sicht profitieren dürften, belasten die neuen Steuergesetze zunächst die Bilanzen. Quelle: Keystone

Die US-Steuerreform kommt und bei Goldman Sachs und Co. sollten eigentlich die Korken knallen. Stattdessen warnen die Finanzriesen vor Milliardenlasten. Denn: Vor der Sause kommen die Abschreibungen.

Veröffentlicht 12.01.2018

Die Finanzindustrie zählte zu denjenigen Branchen, die am stärksten auf eine Steuerreform in den USA drangen. In Donald Trumps Regierung sitzen zudem einflussreiche Lobbyisten der Wall Street. Dennoch warnen grosse Banken jetzt vor hohen Verlusten durch das neue Gesetz.

Die Banken und Donald Trump - das schien von Anfang an zu passen. Die Wahl des Immobilien-Moguls zum US-Präsidenten liess die Aktien der Geldhäuser kräftig steigen, Trump scharte Grössen der Wall Street um sich und kündigte an, die Regeln an den Finanzmärkten zu lockern. Die grosse Hoffnung der Branche war aber von Anfang an eine massive Steuersenkung. Die ist nun da - bei Goldman Sachs und Co. sollten also eigentlich die Korken knallen. Stattdessen warnen die Finanzriesen vor Milliardenlasten. Wie passt das zusammen?

Auch wenn die Banken - wie die meisten US-Unternehmen - auf längere Sicht profitieren dürften, belasten die neuen Steuergesetze zunächst die Bilanzen. So warnte Goldman vor schwachen Zahlen im Schlussquartal, weil eine Sonderlast von rund fünf Milliarden Dollar wegen der Steuerreform verbucht werden müsse.

Abschreibung von 20 Milliarden bei Citigroup

Die Citigroup stellte gar eine Abschreibung von 20 Milliarden Dollar in Aussicht. Die grösste US-Bank JPMorgan Chase, die am Freitag den Zahlenreigen eröffnet, rechnet mit rund zwei Milliarden Dollar.

Experten bleiben jedoch gelassen mit Blick auf die Zumutungen, vor denen Banken und andere Finanzkonzerne wie der Kreditkarten-Gigant American Express warnen. «Anleger sollten sich einfach nur auf das Kerngeschäft konzentrieren», rät Ken Leon vom New Yorker Analysehaus CFRA. Bei den Abschreibungen handelt es sich um buchhalterische Einmaleffekte, die das Geschäft nicht direkt beeinflussen und nicht zahlungswirksam sind. Börsianer interessieren sich in der Regel viel mehr für Zahlen, die um solche Sonderfaktoren bereinigt sind.

Und auf längere Sicht müsse sich sowieso niemand Sorgen machen, meint Leon: «Wir werden 2018 blendende Ergebnisse sehen.» Zudem würden die Banken durch die Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent ohnehin massiv profitieren. Für Aktionäre zähle letztlich nur, was die Gesetzesreform für die künftigen Renditen bedeute - und hier gebe es allen Grund zum Optimismus. An der Börse liess man sich von den Gewinnwarnungen bislang denn auch nicht aus der Ruhe bringen - die Aktien der US-Banken reagierten kaum.

Deutsche Bank rechnet mit 1,5 Milliarden

Wie kommen die enormen Abschreibungen zustande? Zum einen können Banken US-Steuern nicht mehr so stark durch frühere Verluste - etwa aus der Finanzkrise - drücken. Das trifft die Citigroup sehr stark, aber auch Rivalen wie die Bank of America, Barclays, Credit Suisse oder die Deutsche Bank. Deutschlands grösstes Geldhaus rechnet mit einer Abschreibung von 1,5 Milliarden Euro.

Zum anderen werden Gewinne, die bislang im Ausland geparkt und so dem US-Fiskus entzogen wurden, mit einer einmaligen Sondersteuer zwischen 8 und 15,5 Prozent belegt. Das dürfte Goldman und JPMorgan die Bilanzen verhageln.

Auch UBS und CS betroffen

Von Milliarden-Abschreibern betroffen sollen auch die Credit Suisse und UBS sein. Die Grossbanken bestätigen keine Zahlen. Die UBS sagte bezüglich latenter Steueransprüche in den USA im Herbst: Es werde eine Abschreibung der Ansprüche von rund 200 Millionen Franken je 1 Prozentpunkt tieferem Steuersatz erwartet. Die US-Steuerreform sieht eine Senkung der Unternehmenssteuer von 35 auf 21 Prozent vor.

Fest steht: Die Quartalszahlen der internationalen Grossbanken werden diesmal deutlich unübersichtlicher ausfallen als sonst. Denn die Steuerreform lädt zu allen möglichen Bilanzkniffen ein. So könnten Banken beispielsweise die Gelegenheit nutzen, auf den letzten Drücker Ausgaben geltend zu machen, die 2017 noch zu einem höheren Steuersatz abgeschrieben werden können.

(sda/ccr)

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