Noch vor einem Jahr hätte kaum jemand ernsthaft einen Gedanken an die Möglichkeit verschwendet, ein arabischer oder asiatischer Staatsfonds könnte eine namhafte Beteiligung an der UBS erwerben. Damals hätte aber auch kaum jemand die Frage gestellt, ob die UBS noch über ausreichend Eigenkapital verfüge. Tempi passati. Durch die Erschütterungen der Kreditkrise schrumpfte die Börsenkapitalisierung der grössten Schweizer Bank vorübergehend auf noch knapp 100 Milliarden Franken. Damit ist die UBS zu einem möglichen Übernahmeziel geworden.

Allein Adia, der Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate, ist mit 875 Milliarden Dollar fast zehnmal so gross. Und auch im Vergleich mit dem dieses Jahr gegründeten Staatsfonds Chinas macht der Börsenwert der UBS bloss ein Drittel aus. Hinzu kommen weitere Devisenreserven in Asien und den Ölstaaten von rund sieben Billionen Dollar, wie McKinsey schätzt. Bevorzugt investieren die Staatsfonds in Finanzdienstleister. Bei Temasek aus Singapur beispielsweise machen die Beteiligungen mit 38 Prozent mit Abstand den grössten Anteil aus.

Aufgrund ihrer pekuniären Macht wäre es für die Finanzgiganten ein Leichtes, im grossen Stil bei der UBS einzusteigen, zumal deren Bewertung äusserst attraktiv ist. Allein das Wealth Management, also die Vermögensverwaltung, ist laut Analystenberechnungen 58 Franken pro Aktie wert – fast 10 Franken mehr, als die Börsennotierung am Tiefstpunkt erreichte. Den fairen Wert der gesamten UBS veranschlagt Vontobel-Analystin Claudia Meier auf 70 Franken und liegt damit eher am unteren Rand der Analystenschätzungen. Noch Ende 2006 setzten die Steuerbehörden den Wert der Aktie auf 74 Franken fest.

Vor allem müsste ein Investor längst nicht die ganze Bank übernehmen, um die Kontrolle zu erlangen.

Ein Viertel reichte aus, um die Generalversammlung zu dominieren, ist dort im Normalfall doch höchstens die Hälfte der Aktienstimmen vertreten. Und wie wenig es letztlich braucht, um einen Bankriesen zerschlagen zu können, zeigte sich bei ABN Amro, die vom Hedge Fund TCI mit nur einem Prozent des Aktienkapitals in die Arme eines Bankentrios um die Royal Bank of Scotland getrieben wurde.

Professor Hans Geiger vom Bankeninstitut der Universität Zürich hält die Möglichkeit, dass ein Staatsfonds bei der UBS einsteigt, durchaus für bedenkenswert, wenn auch primär als Planspiel. Ein solcher Fonds könnte kaum ein strategisches Interesse an einer Bank wie der UBS verfolgen, da damit das Vertrauen von Kunden und Mitarbeitern sowie folglich der Wert der Bank gefährdet würden, relativiert Geiger. Zudem müsste ein Einstieg offen gelegt werden, was den Aktienkurs sogleich in die Höhe triebe. Das Interesse an einer solchen Beteiligung könnte bloss ein finanzielles sein, ohne strategische oder gar politische Einflussnahme. Bei der UBS wird diese Schwelle bei der geltenden Stimmrechtsbeschränkung von fünf Prozent erreicht. Diese Begrenzung ist jedoch nicht explizit in den Statuten festgeschrieben. Sie liegt im Ermessensspielraum des Verwaltungsrates.

Wie rasch solche Planspiele Realität werden können, zeigte sich soeben beim amerikanischen Finanzkonzern Citigroup. Dort müssen infolge der Kreditkrise insgesamt bis zu 18 Milliarden Dollar in den Kamin geschrieben werden. Damit ist das Eigenkapital ernsthaft gefährdet und muss durch eine Kapitalspritze verstärkt werden. Das nötige Kleingeld von 7,5 Milliarden Dollar steuert der Staatsfonds von Abu Dhabi bei, der damit knapp fünf Prozent an Citigroup erwirbt. Schon Anfang der neunziger Jahre musste der saudische Prinz al-Walid Bin Talal Citigroup aus dem Sumpf ziehen und war bis anhin der grösste Aktionär der Bank.

Der Einstieg der Araber bei Citigroup hat den Aktienkurs der UBS sogleich in die Höhe getrieben. Und nur Tage später hat der chinesische Versicherer Ping An der belgischen Finanzgruppe Fortis für 1,8 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen und über vier Prozent der Aktien erworben.

Bei der UBS ist das Eigenkapital zwar intakt. Mit 48 Milliarden Franken ist es jedoch nur wenig grösser als die gesamten Positionen der Bank im Geschäft mit riskanten Subprime-Hypotheken. Diese belaufen sich noch immer auf 45 Milliarden Dollar, nachdem im dritten Quartal weitere 5 Milliarden abgeschrieben worden sind. Die Auswüchse des Kreditderivategeschäfts bei anderen Asset Backed Securities oder aus speziellen Anlagevehikeln wie Conduits sind darin noch gar nicht enthalten. Selbst wenn diese Beträge minim sind, wie die Bank betont, ist das Ausmass der weiteren Abschreibungen noch ungewiss.

Anders als bei Finanzhäusern wie Citigroup oder Fortis, betont Nationalrat und Unternehmer Johann Schneider-Ammann, könne nicht egal sein, wer bei der UBS das Sagen hat. Für ihn ist klar: «Die UBS darf nicht zu einem Spekulationsobjekt werden.» Schliesslich hängt in der Schweiz ein Drittel der Volkswirtschaft direkt oder indirekt von der Grossbank ab. Ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer hat eine Bankverbindung mit der UBS. Darüber hinaus nimmt sie eine bedeutende Rolle bei der Platzierung und beim Handel der Bundesobligationen wahr. Auf dem internationalen Parkett zählt sie die Notenbanken zu ihren grössten Kunden im Asset Management, und neben Goldman Sachs ist sie die einzige westliche Bank mit Broker-Lizenz in China.

Bedarf es somit zusätzlicher Schutzwälle, um die UBS vor unliebsamen Investoren zu bewahren? Klar nein, schreibt Bankier Konrad Hummler in einem Artikel der «Weltwoche». Die Behörden hätten untätig zuzuschauen. Ständerat Eugen David ist überzeugt, dass ihr Status als Schweizer Bank allein Schutz genug ist. Offensichtlich besinne man sich bei der UBS auf die Bedeutung der Swissness zurück, indem wichtige Führungspositionen wieder mit Schweizern besetzt würden. Zudem bestehen über die banken- und börsenrechtlichen Bestimmungen bereits weit reichende Instrumente, welche die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) als Aufsichtsbehörde einsetzen kann. Überhaupt, führt die Bankiervereinigung ins Feld, sind bereits drei von zehn Banken in der Schweiz in ausländischem Besitz. Bei der UBS sind übrigens schon heute fast 80 Prozent der Aktionäre Ausländer.

Beteiligungen

Die Macht der EBK

In erster Linie überprüft die Eidgenössische Bankenkommission (EBK), ob ein Investor die Meldepflicht eingehalten hat, wenn er etwa bei der UBS eine Beteiligung von mehr als drei Prozent eingeht. Ab zehn Prozent gilt eine Beteiligung als qualifiziert. Gemäss Bankengesetz prüft die EBK in diesem Fall, ob die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftsführung sichergestellt ist. Bestünden Zweifel daran, könnten die Mitwirkungsrechte des Aktionärs suspendiert und eine Umplatzierung der Aktien erzwungen werden.

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