Der EV Zug muss sich nach einem neuen Finanzchef umsehen. Nicht dass der 44-jährige Patric Keller schlecht gewirtschaftet hätte, im Gegenteil. Der Innerschweizer NLA-Eishockeyverein steht finanziell gesund da, und auch sportlich läuft es dem EVZ in der laufenden Saison gut. Das Problem: Keller arbeitet seit diesem Jahr bei der UBS Zug als Vermögensverwalter im Wealth-Management. Und die Grossbank hat Angst vor einem Imageschaden, wie er etwa beim FC Wil entstanden ist.

Für sich selber und den Fussballclub hatte der UBS-Vizedirektor Andreas Hafen ingesamt 51 Millionen veruntreut. Vergangenen Herbst wurde er zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Vorgesetzten hatten ursprünglich nichts gegen das Nebenamt von Hafen einzuwenden gehabt.

Mittlerweile aber ist der Bank das potenzielle Reputationsrisiko im Spitzensport zu gross geworden. NLA-Finanzchef und UBS-Mitarbeiter – das gehe nicht zusammen. So entschied die Konzernzentrale im Fall des EVZ-Finanzchefs. «Das Kassieramt beim örtlichen Tennis- oder Boccia-Club muss man weder melden, noch erscheint uns dies problematisch», sagt UBS-Pressesprecher Axel Langer. Für Verwaltungsratsmandate oder wichtige Funktionen bei Proficlubs aber gibt es bei der grössten Schweizer Bank eine zentrale Meldestelle. Dabei entschieden bisher die Linienvorgesetzten über ein Einverständnis.

Bei den direkten Vorgesetzten von Patric Keller war das Engagement beim lokalen sportlichen Aushängeschild sogar erwünscht, schliesslich lebt das Private Banking von persönlichen Beziehungen. Er nehme das nicht persönlich und schliesslich habe er auch genug Zeit erhalten, um einen Nachfolger zu suchen, sagt Keller auf Anfrage.

Der Fall Hafen / FC Wil war nur ein Fall von finanziellen Problemen bei Sportvereinen. Beim FC Servette laufen diverse Verfahren gegen die Verantwortlichen des Konkurses, und auch beim Langnauer Eishockeyverein SCL Tigers wurde mit Marketing- und Sponsorengeldern gemauschelt. Es gehe nicht nur um das Reputationsrisiko, sondern man müsse auch die Arbeitsbelastung durch solche Nebenämter berücksichtigen, heisst es bei der UBS.

Andere Banken sind weniger strikt, wenn es um sportliche Nebenämter ihrer Mitarbeiter geht. Die möglichen Interessenkonflikte müsse man in jedem Einzelfall genau anschauen, heisst es beim Verband der Raiffeisenbanken: Es gibt kein generelles Verbot, und exponierte Ämter müssen dem örtlichen Verwaltungsrat gemeldet werden. Bei der Credit Suisse müssen die direkten Vorgesetzten über neben- und ehrenamtliche Tätigkeiten informiert werden. Bei Pictet braucht es die Genehmigung der Geschäftsleitung. Dies gilt insbesondere für «Ämter, die Risiken bergen, das heisst politische Ämter, Nebenerwerb oder intensive Tätigkeiten». SW

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