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Glasfaserangebot 
Trotz Kampfpreisen: Für Salt wird die Rechnung aufgehen

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Salt: Zu einem überschaubaren Monatspreis bekommen die Kunden einen Glasfaser-Anschluss bereitgestellt.Quelle: Keystone

Der Kampfpreis von Salt für das Glasfaserangebot schüttelt die Branche durch. Doch die Rechnung wird aufgehen – weil der Markt bisher nicht funktioniert.

Marc Kowalsky
Von Marc Kowalsky
04.04.2018

Es war keine echte Überraschung, als Salt-Chef Andreas Schönenberger am 20. März den Einstieg des Mobilfunkbetreibers Salt ins Fixnetzgeschäft verkündete. Überraschend aber war der Preis für das Glasfaserangebot: 49.95 Franken, für Mobilfunkkunden noch einmal 10 Franken weniger.

Von einer «tektonischen Plattenverschiebung im Markt» spricht Bea Knecht, deren Softwarefirma Zattoo für die Fernseh-App von Salt verantwortlich ist. 120 000 Haushalte, so wissen gut informierte Kreise, wolle Salt bis Ende Jahr als Kunden gewinnen.

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Ohne eigene Hardware

Der Kampfpreis verrät einiges über die Dysfunktionalität des Schweizer Glasfasermarktes. Aktuell sind knapp eine Million Haushalte ans Glasfasernetz angeschlossen. Platzhirsch ist die Swisscom mit rund 70 Prozent der verlegten Leitungen, der Rest verteilt sich auf eine Vielzahl lokaler Anbieter.

Leitungen der Swisscom
Visualisierung des Swisscom Breitband-Netz in Goldiwil im Kanton Bern.
Quelle: Keystone

«Das Problem liegt in der Auslastung», sagt Jörg Halter von der Telekomberatung Ocha: «Die allermeisten Glasfasernetze sind zu deutlich weniger als zehn Prozent der Anschlüsse genutzt.» Davon profitiert Salt: Die Firma verzichtet auf eigene Hardware und mietet die Infrastruktur in 30 Städten zu.

Die Rechnung geht auf

Üblicherweise liegen die Preise dafür pro Monat und Anschluss zwischen 12 Franken bei den günstigeren Elektrizitätswerken und 29 Franken bei der Swisscom. Dass gerade die EWs ihre Anschlüsse verschleudern, ist kein Zufall: Sie haben beim Glasfaserausbau die Nachfrage massiv überschätzt und stehen nun unter politischem Druck ihrer Gemeinden und Kantone, wenigstens einen Teil der Investitionen wieder einzuspielen.

Andreas Schönenberger
Zielgrösse 120 000: Salt-CEO Andreas Schönenberger.
Quelle: ZVG

Weil Salt hingegen nur die einmaligen Projektkosten zu tragen hat, geht die Rechnung für Firmenbesitzer Xavier Niel auch beim Kampfpreis von 49.95 auf.

Zumal jeder gewonnene Kunde Gold wert ist: Bei der Übernahme des Kabelnetzanbieters UPC Austria im Dezember wurde jeder aktive Haushalt mit 2900 Euro bewertet, in den USA sind Bewertungen von 3000 bis 5000 Dollar üblich. Und Niel zwingt die Konkurrenz von Swisscom & Co., die Preise zu senken, und reduziert so ihre Ertragskraft.

Xavier Niel
Salt gehört der Investment-Firma NJJ Capital des französischen Unternehmers Xavier Niel.
Quelle: Kestone

Zattoo und Apple freuen sich

Hat Salt mit dem Angebot Erfolg, profitieren noch zwei andere Firmen: zum einen natürlich Zattoo, für die der Deal «technisch ein «Kompetenzbeweis und wirtschaftlich wichtig» (Knecht) ist. Zum anderen Apple: Salt liefert eine Settop-Box mit; für jedes weitere angeschlossene TVGerät benötigt der Kunde eine weitere Apple-4K-TV-Box zum Listenpreis von knapp 188 Franken.