Transocean zieht sich von der Schweizer Börse zurück. Der heutige Entscheid war nicht erwartet worden, ganz überraschend kommt er dennoch nicht. Denn der Börsenwert des Ölbohrkonzerns war zuletzt so stark geschrumpft, dass ihm der Rauswurf aus dem wichtigsten Schweizer Börsenindex SMI drohte.

Sieben Jahre nach seiner Ankunft in der Schweiz räumt Transocean aus freien Stücken den Platz im Leadindex. Und somit beginnt die Suche nach dem Kandidaten, der für den schweizerisch-texanischen Konzern nachrutschen kann. Klar scheint aus heutiger Sicht: Der Nachfolger wird im Gegensatz zu Transocean ein hierzulande verwurzeltes Unternehmen sein. Und die eindeutig besten Karten hat Swiss Life.

Transocean verdrängte Swiss Life

Der Versicherungskonzern ist gemessen an den beiden Kriterien der Six derzeit am besten platziert, wie ein Six-Sprecher handelszeitung.ch sagte: Die Börsenbetreiberin bestimmt anhand des Handelsumsatzes und der Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien (Free Float), wer zu den 20 grössten Unternehmen im SMI gehört. Beide Faktoren haben das gleiche Gewicht, die Six betrachtet sie über den Zeitraum von einem Jahr.

Für Swiss Life wäre die Aufnahme in den Index eine Comeback: Denn just das Versicherungsunternehmen schied 2010 wegen Transocean aus dem SMI aus. Noch hat das Versicherungsunternehmen den Platz aber nicht sicher. Ob es zum Zug kommt, klärt sich spätestens nächsten September: Dann entscheidet die SIX normalerweise über die Zusammensetzung des Indexes. Die Börsenbetreiberin kann den Entscheid aber auch früher fällen – der Fahrplan steht noch nicht fest.

Sonova auf Platz zwei

Statt Swiss Life könnte also auch ein anderes Unternehmen aufgenommen werden. Am zweitbesten platziert ist aktuell Sonova. Zuletzt hatte der Konzern an der Börse aber wenig Erfolg – in diesem Jahr hat der Titel über 10 Prozent nachgegeben. Auch mit den letzten Geschäftszahlen enttäuschte das Zürcher Unternehmen.

Auf dem dritten Rang der Kandidaten ist Lonza: Der Pharmazulieferer war schon 2010 ein heisser Kandidat für den SMI, das Rennen machte aber schliesslich Transocean. Im Gegensatz zu Sonova verläuft das Börsenjahr für den Basler Konzern äussert erfolgreich, der Titel hat seit Januar über 40 Prozent zugelegt.

Ebner würde profitieren

Jeder dieser drei Spitzenkandidaten wäre im SMI aber ein Leichtgewicht: Von Anfang Juli bis Ende September 2015 betrug die Free-Float-Marktkapitalisierung der drei Unternehmen lediglich je zwischen 0,55 und 0,57 Prozent des Swiss Performance Index. Die Schwergewichte Novartis und Nestlé kamen hingegen auf je fast 20 Prozent.

Neben den genannten Grössen haben Clariant und Galenica immerhin noch Aussenseiterchancen, der Chemiekonzern und die Apothekenkette sind zurzeit auf Platz vier beziehungsweise fünf klassiert. Ein bekannter Investor würde an einer Aufnahme von Galenica Freude haben: Financier Martin Ebner hat seine Beteiligung am Berner Konzern in den vergangenen Monaten von 4 auf über 16 Prozent ausgebaut. Sein Paket ist rund 1,3 Milliarden Franken wert. Bei einer Mitgliedschaft im SMI dürfte der Betrag noch deutlich zulegen.

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