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Top 300 Konzerne: Schweiz hängt Europa ab

Roche und Nestlé gehörten 2013 zu den zehn profitabelsten Firmen Europas.  Keystone

Schweizer Top-Unternehmen legen bei Umsatz und Gewinn zu. Der Rest von Europa droht dagegen den Anschluss an die USA zu verlieren. Dies ist das Ergebnis einer Studie von EY.

Veröffentlicht 26.05.2014

Die US-Unternehmen lassen ihre europäischen Konkurrenten immer weiter hinter sich: Während die 300 umsatzstärksten europäischen Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr beim Umsatz nur geringfügig - um 0,5 Prozent – zulegten und einen Gewinnrückgang um 3 Prozent erlitten, können die Konzerne jenseits des Atlantiks ein robustes Wachstum vorweisen: Die Umsätze stiegen 2013 um 4 Prozent, die Gewinne sogar um 5 Prozent.

In Europa konnte nur gut die Hälfte der Top-300-Unternehmen (57 Prozent) eine positive Umsatzentwicklung verzeichnen - in den USA waren es hingegen drei Viertel (75 Prozent) der Unternehmen. Vor allem aber bei der Profitabilität driften die Kontinente auseinander: Die durchschnittliche Gewinnmarge der europäischen Konzerne sank im Jahresvergleich von 9,3 auf 9,0 Prozent. Die US-Konzerne verzeichneten hingegen einen Margenanstieg von 11,7 auf 11,9 Prozent.

Glencore Xstrata und Nestlé sind vorne dabei

Der Unterschied drückt sich auch in absoluten Zahlen aus: Insgesamt erwirtschafteten die Top-Unternehmen Europas einen operativen Gewinn von 643 Milliarden Euro, die US-Konzerne kamen auf umgerechnet 831 Milliarden Euro - bei etwas niedrigerem Umsatz.

Die umsatzstärksten Unternehmen sind in Europa wie im Vorjahr die Energieriesen Royal Dutch Shell und BP - die Schweiz folgt mit Glencore Xstrata und Nestlé auf den Plätzen 5 und 18. Bei den US-Unternehmen schob sich der Handelskonzern Wal-Mart vom zweiten auf den ersten Platz, gefolgt von Exxon Mobil und Chevron.

Energiekonzerne mit hohen Gewinnen

Im europäischen Gewinn-Ranking haben ganz klar die Energiekonzerne die Nase vorn:
 Die ersten vier Plätze gehen an sie. Mit 22 Milliarden Euro Gewinn liegt BP an erster Stelle (Plus 67 Prozent). Mit Roche und Nestlé schafften es zwei Schweizer Konzerne in die Top-Ten.

Deutlich abwechslungsreicher gestaltet sich das Bild in den USA: Auf den Ölkonzern Exxon Mobil (57 Milliarden Dollar) und den IT-Konzern Apple folgen der Telekommunikations-Konzern Verizon und die Holding Berkshire Hathaway.

Schlechtes Jahr für Europa, aber nicht für die Schweiz

Für die Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (ehemals Ernst & Young), wurden die Bilanzzahlen der jeweils 300 umsatzstärksten börsennotierten Unternehmen in Europa und den USA (ohne Banken und Versicherungen) analysiert.

«2013 war kein gutes Jahr für die europäischen Top-Konzerne», stellt Markus Thomas Schweizer, Managing Partner des Bereichs Advisory bei EY Deutschland, Schweiz und Österreich, fest. «Sie konnten beim Umsatz nur knapp das Vorjahresniveau übertreffen und mussten einen weiteren Gewinnrückgang hinnehmen.» Die Gründe seien vielfältig, so Schweizer: «Die europäische Wirtschaft kommt nur mühsam in Fahrt und bietet derzeit wenig Wachstumspotenzial. Zudem haben viele international aufgestellte Unternehmen massiv unter negativen Wechselkurseffekten gelitten.»

Besonders bedenklich sei, dass die US-Unternehmen mit weniger Umsatz deutlich mehr Gewinn erwirtschaften, so Schweizer: «Bei der Marge haben die US-Konzerne eindeutig die Nase vorn - sie wirtschaften profitabler und können ihren Vorsprung noch ausbauen.» Ihre Marge lag durchschnittlich bei 11,9%, während sie im europäischen Durchschnitt 9,0% betrug. Grosse Ausnahme in Europa waren allerdings Schweizer Konzerne mit einer Marge von 11,1%, was sogar einer leichten Steigerung gegenüber dem Vorjahr (10,9%) entspricht. Sie lagen damit im europäischen Vergleich klar in Führung und nur knapp hinter den USA.

Starker Euro als Bremsfaktor

Nicht nur die schwache Konjunkturentwicklung auf dem europäischen Heimatmarkt bremste die europäischen Konzerne, auch der Höhenflug des Euro wirkte sich bei vielen Unternehmen negativ aus.

Eine Vielzahl von Währungen hat im Jahr 2013 gegenüber dem Euro zum Teil deutlich an Wert verloren. Im Jahresdurchschnitt verlor der US-Dollar 3 Prozent, das britische Pfund 5 Prozent und der japanische Yen sogar 26 Prozent. Der Schweizer Franken hielt sich 2013 gegenüber dem Euro stets stabil über dem gesetzten Mindestkurs von 1.20, ohne dass die Schweizer Nationalbank durch Devisenkäufe eingreifen musste. Gegenüber 2012 fiel der Kurs leicht um knapp 2 Prozent. Besonders stark werteten die Währungen vieler Schwellenländer ab: der brasilianische Real fiel um 20 Prozent, die türkische Lira um 26 Prozent und die indonesische Rupie sogar um 32 Prozent.

Für die Unternehmen aus der Eurozone, die in diesen Auslandsmärkten Geschäfte machen, stellen solche Abwertungen der lokalen Währungen eine erhebliche Belastung dar: Denn der deutlich gestiegene Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen. Umgekehrt profitieren die US-Unternehmen von ihrer relativ schwachen Währung, weil in Europa erzielte Umsätze durch die Umrechnung aufgewertet werden.

Die Attraktivität der Schweiz

Obwohl der Franken gegenüber dem Euro stabil blieb verzeichneten die Schweizer Unternehmen 2013 ein starkes Wachstum von 4 Prozent. Doch die Attraktivität der Schweiz als Unternehmensstandort illustriert auch folgender Vergleich: Trotz relativ geringer Einwohnerzahl stammen 23 der 300 grössten europäischen Unternehmen aus der Eidgenossenschaft, womit sie direkt hinter Deutschland (38 Unternehmen), Grossbritannien (52 Unternehmen) und Frankreich (51 Unternehmen) liegt.

Beim kumulierten Umsatz rangieren Schweizer Top-Unternehmen mit umgerechnet 537 Milliarden Euro auf Platz fünf (siehe Grafik unten). Hier erreichten deutsche Unternehmen den Spitzenwert: Sie erwirtschafteten 2013 insgesamt 1400 Milliarden Euro, etwas mehr als die französischen (1394 Milliarden Euro) und deutlich mehr als die britischen Unternehmen (1209 Milliarden Euro).

Digitale Wirtschaft in Europa weit zurück

Aber auch die unterschiedlichen Branchenschwerpunkte erklären die insgesamt bessere Performance der US-Unternehmen, so Schweizer: «In Europa dominiert nach wie vor die 'Old Economy', also Industrie- und Rohstoffkonzerne. Jenseits des Atlantiks hingegen hat sich die IT-Branche zu einer neuen Leitbranche entwickelt - und legt dabei eine bemerkenswerte Dynamik an den Tag.»

So können sich 31 IT-Unternehmen in der Liste der 300 umsatzstärksten US-Unternehmen platzieren. In Europa finden sich gerade einmal 12 IT-Unternehmen unter den 300 umsatzstärksten Konzernen. Und unter den zehn gewinnstärksten Unternehmen können sich in den USA immerhin drei IT-Konzerne (Apple, Microsoft, IBM) positionieren - in Europa kein einziges.

(gku)

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