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Bedrohung 
Teure Imitate bereiten LVMH & Co. Kopfzerbrechen

Louis Vuitton: Plagiate sind im Internet schwer auszumachen.  Keystone

Die Luxusgüterhersteller haben etwa ein Jahrzehnt benötigt um zu erkennen, dass das Internet für sie eine Chance darstellt. Mittlerweile haben sie erkannt, dass es auch eine Bedrohung sein kann.

Veröffentlicht 28.07.2015

Unternehmen von LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton SE bis Kering SA verkaufen immer mehr ihrer Produkte im Netz - und verstärken gleichzeitig ihre Bemühungen gegen den Handel mit Fälschungen und Graumarktgütern. Der Gucci-Besitzer Kering hat Chinas grösste E-Commerce-Betreiber verklagt und wirft ihm vor, den Verkauf verdächtiger Güter zu fördern. Der britische Luxus- Handtaschenanbieter Mulberry Group Plc und andere aus der Branche nutzen mittlerweile Technologien, um Links zu Websites zu löschen, auf denen Imitate verkauft werden.

Eine neue Generation Verbraucher greift für Käufe auf soziale Medien zurück und nutzt sie gleichzeitig, um sich mit dem Erstandenen zu präsentieren. Diese Kunden wollen sich die Luxuskonzerne nicht durch die Lappen gehen lassen, Kriminelle visieren die Gutgläubigen allerdings auch an. In diesem Jahr dürften den Luxuskonzernen 82 Milliarden Dollar an Umsatz durch Eigentumsrechtsverletzungen verloren gehen, schätzt Frontier Economics.

Plagiate im Internet schwer auszumachen

«Das Internet ist zu einem Ort geworden, an dem Käufer Uhren für 5000 Pfund (7000 Euro) und Handtaschen für 2000 Pfund erstehen», sagt Charlie Abrahams, Senior Vice President bei MarkMonitor, einem Anbieter von Anti-Fälschungs-Technologie. «Die Herausforderung besteht darin, dass es für den Kunden im Internet nur sehr schwer auszumachen ist, ob er das echte Produkt kauft.» MarkMonitor gehört zu Thomson Reuters, einem Konkurrenten von Bloomberg LP, der Muttergesellschaft von Bloomberg News, bei der Bereitstellung von Nachrichten und Informationen.

Twitter Inc. hat im September eine «Kaufen»-Taste eingeführt, sodass Markenanbieter ihre Waren direkt über den Internetkonzern verkaufen können. Neun von zehn verdächtigen Links befinden sich auf sozialen Medien, geht aus Informationen des französischen Startups Data & Data hervor.

Gefälschte Produkte werden besser und teurer

Bislang war es eher die Menge von Verstössen im Internet, die den Luxuskonzernen zu schaffen machte, die Fälschungen selbst waren recht einfach auszumachen, da sie für Preise angeboten wurden, die meist zu gut waren, um wahr zu sein. Mittlerweile produzieren die Fälscher allerdings höherwertige Produkte und verlangen mehr dafür - so können sie die Verbraucher leichter täuschen und stellen eine grössere Gefahr für den Ruf der Hersteller der echten Produkte dar.

‘«Eine Louis-Vuitton-Handtasche für 50 Dollar war typisch für solche Fälschungen», sagt Louise Nash, Managing Partner bei der Anwaltskanzlei Covington & Burling LLP in London. «In den vergangenen Jahren haben die Fälscher erkannt, dass sie Tausende damit machen können, wenn sie etwas produzieren, das einer Mulberry-Tasche wirklich ähnelt.»

3321 Websites vom Netz genommen

Mulberry bedient sich der Software von MarkMonitor, um das Internet nach Fälschungen zu durchforsten, und hat in den 24 Monaten bis März 2015 rund 3321 Websites vom Netz genommen, über die Imitate verkauft wurden. Mit etwa 30 Luxusmarken arbeitet Data & Data zusammen, sagt Unternehmensgründer Zouheir Guedri. Auch LVMH und Kering haben bereits Interesse an der Software des Unternehmens wegen seiner Schnelligkeit und Bandbreite bekundet und sich mit Guedri getroffen.

Wenn erst einmal ein faules Ei gefunden wurde, können die Besitzer der Markenrechte die Marktplätze oder sozialen Medien darüber unterrichten. Meist führe dies dazu, dass die Links sofort heruntergenommen oder rechtliche Schritte eingeleitet werden, sagt Guedri.

«Unser Ziel ist es, schlauer, schneller und effizienter als die Fälscher zu sein», sagt Guedri, der seine Technologie im vergangenen Monat im Pariser Museum für Fälschungen vorstellte, zusammen mit gefälschtem Chanel-Parfüm und falschen Tag-Heuer-Uhren. «Wenn wir den unautorisierten Verkauf ans Dark Web oder kleine Gruppen eindämmen können, dann können wir uns als Gewinner betrachten.»

(bloomberg/ccr)

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