Jüngst hat Tesla mit dem Modell X den ersten elektrobetriebenen Geländewagen präsentiert. Der SUV hat Flügeltüren, bietet Platz für sieben Erwachsene und soll mit einer vollen Batterie bis zu 450 Kilometer weit fahren.

Für die Präsentation des neuen Autos hat sich Tesla lange Zeit gelassen – denn zum ersten Mal stellte Firmenchef Elon Musk den Luxus-Geländewagen bereits im Februar 2012 vor. Damals sprach Musk von einem Verkaufsstart im Herbst des gleichen Jahres. Dieser Termin wurde immer weiter nach hinten verschoben – Kunden dürfen mit einer Lieferung in der zweiten Jahreshälfte 2016 rechnen.

Bereits viele Bestellungen

Mit Blick auf den Preis bleibt Tesla beim neuen Modell bislang ebenfalls vage. Nur bei der Spezialversion ist klar, wie viel Käufer mindestens auf den Tisch legen müssen: 132'000 Dollar. In der Standardausführung koste das Modell X etwa 5000 Dollar mehr als das Vorgängermodell Tesla S, gab Elon Musk kürzlich via Twitter bekannt – in den USA zahlen Käufer im Schnitt 100'000 Dollar für die S-Limousine.

Viele Kunden lassen sich von der ungeklärten Preisfrage und der langen Lieferfrist nicht abschrecken: Schätzungen zufolge hat Tesla per Anfang Oktober bereits rund 30'000 Bestellungen erhalten. Auch viele Kunden aus der Schweiz dürften sich auf der Warteliste eingetragen haben. Für das US-Unternehmen ist die Schweiz eines der wichtigsten europäischen Länder, im ersten Halbjahr waren die Kalifornier Marktführer bei den Oberklasse-Limousinen.

Analysten zweifeln an Teslas Versprechen

Skeptischer indes sind viele Anleger: Seit der Vorstellung des neuen Autos hat Tesla an der Börse deutlich verloren. Stand die Aktie am Tag vor der Lancierung am 29. September in der Spitze noch bei 260 Dollar, schloss das Papier an der New Yorker Börse gestern bei rund 208 Dollar – ein Rückgang um 20 Prozent innert zwei Wochen. Das ist ein Indiz dafür, dass Analysten Tesla in Zukunft weniger zutrauen. Das Analystenhaus Robert W. Baird senkte in der vergangenen Woche das Kursziel für Tesla von 335 auf 282 Dollar.

Experten nennen verschiedene Gründe für Teslas Kurssturz. So ist fraglich, ob Tesla wie versprochen in diesem Jahr 55'000 Autos verkaufen kann – das sind 20'000 Autos mehr als im 2014. Auch der wohl stolze Preis und der möglich Lieferengpass für das Modell X lassen Anleger an Tesla zweifeln. Zwei Modelle gleichzeitig zu produzieren, werde für Tesla eine Herausforderung, schrieb etwa Analyst Brian Johnson von der Bank Barclays.

Den Massenmarkt im Blick

Tesla muss inzwischen also mehr als ein erfolgreiches neues Auto lancieren, um die Wall Street zufriedenzustellen: Der Aktienkurs des US-Unternehmens ist innert zwei Jahren um über 500 Prozent gestiegen, weil Anleger hoffen, dass Firmenchef Musk den Automarkt revolutioniert – und irgendwann statt roten Zahlen Gewinne vorweist. «Um Millionen von Autos zu verkaufen, wie es im Aktienkurs eingepreist ist (...), haben sie noch einen weiten Weg vor sich», zitierte der Sender CNN den Hedge-Fund-Manager Jim Chanos.

Statt 55'000 will Musk in zehn Jahren jährlich 500'000 Autos verkaufen. Um das zu schaffen, muss das Unternehmen aber Fahrzeuge für den Massenmarkt produzieren. Dieses Kunststück will Tesla mit dem Model 3 schaffen. Das neue Auto soll 35'000 Dollar kosten und ab 2017 erhältlich sein. Musk will das Fahrzeug im nächsten März vorstellen. Wer die langwierige Entstehungsgeschichte des Modell X im Kopf hat, wird hinter diesen amtbitionierten Zeitplan ein Fragezeichen setzen.

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