Elon Musk plant die Revolution. Wieder einmal. Der Milliardär und Firmengründer baut neben dem schicken Elektrowagen Tesla mit Space X bereits an einem Raumschiff, um vor der Nasa zum Mars zu fliegen. Nun will er der Energiewende zum Durchbruch verhelfen. Beide Projekte sind ähnlich ehrgeizig.

Um erneuerbare Energien erschwinglich zu machen, will Musk eine Lücke schliessen. Als Antwort auf das Speicherproblem bei Solarstrom stellte er kürzlich die Tesla-Batterie vor. Mit ihr kann Sonnenenergie aufbewahrt werden und sie ist wesentlich günstiger als alles, was derzeit an Batterien auf dem Markt ist.

Fabrik für fünf Milliarden Dollar

Tesla geht das Vorhaben gewohnt ambitioniert an: Bisher produzierte das Unternehmen strombetriebene Nobelkarossen, jetzt baut es eine fünf Milliarden Dollar teure Batteriefabrik in Kalifornien. Sie soll zum Jahr 2020 eine halbe Million Batteriepakete pro Jahr produzieren können.

Der Start ist noch für dieses Jahr geplant, Zielgruppe sind Privatkonsumenten mit Solaranlage auf dem Dach und Firmen. Elon Musk zielt auf die breite Masse und will weltweit grosse Stückzahlen absetzen. Auch in der Schweiz soll es Ende 2015 soweit sein. Das Musk auf eine Batterie für den Massenmarkt setzt, sei schlau, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. «Sowohl im Automobilbereich als auch im Gebäudebereich stellt die Stromspeicherung eine wichtige Komponente dar, um die Schwankungen erneuerbarer Energien auszugleichen.»

Batterie für ein Drittel des bisherigen Preises

Die «Powerwall» wird es in zwei Grössen geben, mit sieben und zehn Kilowattstunden. Derzeit kostet eine Batterie über zehn Kilowattstunden in der Schweiz um die 10'000 Franken. Diese reicht, um ein Einfamilienhaus mit Strom zu versorgen. Die «Powerball»-Speichereinheit dieser Grösse soll bereits für 3500 Dollar zu haben sein, das sind rund 3250 Franken.

Der Vorstoss könnte in der Schweiz auf offene Ohren stossen, 77 Prozent der Bevölkerung stehen der Energiewende offen gegenüber. Das ergab eine aktuelle Umfrage des WWF. 44 Prozent erwarten sich sogar wirtschaftliche Vorteile von der Entwicklung. Die Frage ist allerdings, wie die Umsetzung in der Schweiz erfolgt, denn die Schweiz hat in Sachen Sonnenenergie Nachholbedarf.

Umsetzung in der Schweiz offen

In Deutschland etwa betrug der Anteil an Solarstrom 2014 knapp 6 Prozent. In der Schweiz ist dieser in der Gesamtenergiestatistik des Bundes Solarenergie nicht einmal einzeln aufgeführt. Für 2013 betrug der Anteil an «übrigen Erneuerbaren Energien», zu denen neben Sonnenstrom auch Wind- und Biogas zählt, 1,4 Prozent. Nur wer im Kleingedruckten sucht, findet den Sonnenstrom-Anteil in der Schweiz: Er wird mit 0.23 Prozent angegeben.

ETH-Professor Anton Gunziger hatte in einer Berechnung für die «Schweiz am Sonntag» kalkuliert, dass mit der Tesla-Batterie der Sonnenstrom erstmals günstiger sein könnte als herkömmlicher. Der Naturwissenschaftler, der selbst einen Tesla fährt, ist von dem Nutzen von Solarstrom überzeugt. Schon in einem Parlamentspapier von 2013 schrieb Gunziger, durch Stromversorgung mit dezentralen Batterien kann auf den Ausbau des heutigen Netzes weitgehend verzichtet werden.

Kooperationspartner fehlt

Was allerdings fehlt, ist ein Plan für die Praxis. In Deutschland etwa ist Tesla eine Kooperation mit Lichtblick eingegangen, einem der grössten Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien. In der Schweiz ist ein Kooperationspartner derzeit nicht in Sicht. Tesla selbst plant, die Batterien über diverse Partner zu vertreiben. «Wir sind dabei, verschiedenen Kanäle auszubauen», heisst es von Unternehmensseite. Wer das genau sein sollte, das wäre noch zu diskutieren.

Das Smartgrid-Projekt Tiko der Swisscom etwa – ein denkbarer Partner – ist noch mit der Kundenakquise beschäftigt. «Längerfristig ist eine Erweiterung des Tiko-Systems möglich, wichtig ist dabei auch die Frage der Speicherung und damit der Batterie», sagt Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Aber: «Eine mögliche Kooperation mit Tesla steht derzeit nicht im Fokus.»

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