Bis anhin hat Apple von jedem neuen iPhone jeweils so viele Geräte verkauft, wie von allen vorangegangenen iPhone-Generationen zusammen. Dies zumindest haben Apple-Manager beim monströsen Patente-Prozess gegen Samsung kürzlich scherzhaft vor Gericht behauptet.

Auch beim neuen iPhone 5, das mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit heute Abend in San Francisco vorgestellt wird, kann man davon ausgehen, dass das exponentielle Wachstum im gleichen Stil weitergehen wird. Der Grund: Sehr viele Käufer hielten sich in Erwartung auf einen baldigen Upgrade in den letzten Monaten mit dem Kauf eines neuen Gerätes zurück. Noch wichtiger ist aber: Das neue iPhone wird endlich mit dem Netz von China Mobile kompatibel sein - immerhin der weltweit grösste Mobilfunkanbieter mit über 640 Millionen Kunden. Investoren dürfen sich demnach auf explodierende Ergebnisse freuen.

Nicht spektakulär anders

Das neue iPhone, das diese Rekordergebnisse generieren soll, dürfte jedoch nicht spektakulär anders ausfallen als die letzten beiden Generationen. Natürlich mit grösserem Bildschirm, etwas dünner, länger, schneller und mit einem verbesserten Betriebssystem.

Dies ist dennoch für Viele ein grosser Vorteil, denn das iPhone funktioniert einfach und ist benutzerfreundlich mit seiner iTunes-Integration. Und im Gegensatz zu den Konkurrenz-Produkten mit Google-Android-Betriebssystem muss sich auch niemand mit dem ganzen Versionen-Wirrwar und unterschiedlichen Release-Daten herumschlagen.

Doch das Festhalten am bewährten Design und nur evolutionäre Funktionsfortschritte bergen auch die Gefahr, dass die Konkurrenz mit neuen Funktionen und besseren Komponenten das iPhone hinter sich lässt. So dürfte etwa das neue Windows Phone 8 mit seinen Kacheln die Informationen schneller auf den Bildschirm bringen und Nokias neuste Kamera diejenige vom iPhone klar in den Schatten stellen.

Der Vorteil Apples liegt in seinem riesigen Ökosystem aus iTunes und den Apps, da liegt das Windows-Phone wohl abgeschlagen im Hintertreffen. Benutzer, die bereits ansehnliche Summen für Apps und Medieninhalte ausgegeben haben, sind schlicht nicht bereit, nochmals Geld für gleiche oder ähnliche Produkte auf anderen Systemen auszugeben - umso mehr, wenn diese noch umständlicher zu handhaben sind.

Nokia und Blackberry schienen unbezwingbar

Doch wenn sich Apples iPhone nur noch evolutionär entwickelt, besteht die Gefahr, dass die Konkurrenz mit einzelnen Killerfeatures hervortritt und das iPhone hinter sich lässt. Fünf Jahre ist es erst her, als das iPhone den Mobilfunk-Markt betreten hatte und bezeichnenderweise von Microsofts Chef Steve Ballmer mit Hohn und Spott überschüttet wurde. Zu der Zeit schienen auch Nokia und Blackberry beinahe unbezwingbar.

Heute jedoch steht der Blackberry-Hersteller Resarch in Motion kurz vor dem finanziellen Ruin und Nokia musste sich in die Arme von Microsoft werfen - seinem letzten Strohhalm.

Apple hatte damals mit dem iPhone den Mobile-Markt revolutioniert, indem es die Handys in leicht bedienbare und funktionierende Computer verwandelte. Jetzt hat die Konkurrenz nachgezogen. Apples Ökosystem wird das Unternehmen vor einem ähnlichen Schicksal bewahren, dennoch sollte es sich nicht auf seiner evolutionären Weiterentwicklung ausruhen und die Konkurrenz vorbeipreschen lassen.

Steve Ballmer zum iPhone