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Swisscom: Das Zittern der Heimatschützer

Wird die Konzernspitze noch einmal durchschütteln: Carsten Schloter.

Carsten Schloters Personalentscheide nehmen die neue Konzernstruktur vorweg. Jens Alders Seilschaften zerfallen.

Von Marc Kowalsky
28.03.2006

Der neue Swisscom-Chef Carsten Schloter nimmt mit seinen Personalentscheiden die zukünftige Konzernstruktur vorweg. Die Berufung von Ex-Fixnetzchef Adrian Bult zum Leiter Mobile deutet darauf hin, dass langfristig die Mobil- und die Fixnetzdienste in einer Sparte zusammengefasst werden. Angesichts der technischen Konvergenz ein längst fälliger Schritt. Die Sparte wird, nach Kundengruppen segmentiert, die höherwertigen Dienste erbringen. Dazu kann sie auf eine Netzwerksparte zurückgreifen, welche die reinen Transportdienste über Leitungen und Funk liefert – nach dem Verlust des Monopols auf der letzten Meile auch an die Konkurrenz. Für das nötige Kostenbewusstsein wird Ex-CFO Ueli Dietiker sorgen, der als ehemaliger Cablecom-Chef zudem Erfahrung mit dem Netzgeschäft hat.

Zwar hat Schloter mit Urs Schaeppi einen Vertrauensmann zum neuen Chef der Dienstleistungssparte Solutions ernannt. Dennoch verlässt sich der Deutsche klar weniger auf Seilschaften als sein Vorgänger Jens Alder. Stattdessen weht in der Konzernleitung ein neuer, rauer Wind. «Was zählt, ist Performance, Performance, Performance», sagt ein Kadermann. Als Erster zu spüren bekommen hat das Konzernleitungsmitglied René Fischer, bisheriger Solutions-Chef und ein Gegner der Fixnetz-/Mobilfunk-Integration: Er musste das Unternehmen verlassen. Unter Fischer hatte Solutions während Jahren an Umsatz verloren. Gleichzeitig räumte auch Fischers Verkaufschef Markus Thomet seinen Schreibtisch. Ihn hatte Alder von seinem ehemaligen Arbeitgeber Alcatel mitgebracht. Kaum fehlt die schützende Hand, muss er gehen.

Er dürfte nicht der Einzige bleiben. «Die Konzernspitze wird in den nächsten Monaten noch einmal gehörig durchgeschüttelt werden», erwartet ein Mitglied der zweiten Führungsebene. Angesichts des neuen Leistungsdrucks besonders gefährdet sind die alten Seilschaften von Jens Alder, intern «Friends of Jens» genannt. «Unter den Heimatschützern ist das grosse Zittern ausgebrochen», sagt ein anderer hoher Kadermann.

Ungewiss ist allen voran die Zukunft von Christoph Brandt. Im New-Economy-Hype wurde der damalige Bluewin-Chef noch als Senkrechtstarter gefeiert. Inzwischen ist sein Stern verblasst und Brandt intern umstritten: Als Leiter Wholesale verlor er wichtige Kunden (Green, Via Networks). Im Herbst machte Jens Alder seinen Protégé zum Strategiechef. «Trotzdem hat er die Strategie nicht geprägt», sagt einer, der direkt mit Brandt arbeitet.

Auch Brandts Vorgänger Michael Shipton hat in seinen fünf Jahren Amtszeit als Strategiechef weder eine erfolgreiche Strategie entwickeln noch einen einzigen strategischen Deal unterzeichnen können. Shipton, von manchen als begabter Selbstverkäufer bezeichnet, hat Alder rechtzeitig vor seinem Abgang auf den Chefposten der Informatiktochter IT Services verschoben. Der Bereich verzeichnet hohes Wachstum, besonders im Bankenbereich. Doch branchenweit bekannt ist, dass sich die Swisscom dieses Wachstum durch Dumpingpreise erkauft hat. Shiptons grosse Herausforderung wird sein, diese Deals profitabel zu machen. Gelingt ihm das nicht und halten die Probleme beim Grosskunden SBB an, ist er akut gefährdet. Gleiches gilt wohl für Holger Herbst: Der war als rechte Hand von Shipton für die Akquisitionen bei der Swisscom zuständig und wechselte mangels Daseinsberechtigung ebenfalls in die IT Services. Marcus Roth, linke Hand von Shipton und ebenfalls ein Friend of Jens, hat das Unternehmen bereits verlassen.

Unsicher auch die Position von Jürg Rötheli: Als Chefjurist sperrte sich der Alder-Vertraute vehement gegen die Integration von Fix- und Mobilnetz. Jetzt steht der Stabsmann der Einheit Related Businesses vor – einem Sammelsurium von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten wie den Rundfunkantennen in Ungarn oder der Gebühreneintreiborganisation Billag.

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