Anfang Oktober schritt David Blumer (44) zur Tat: Wie aus heiterem Himmel eröffnete der Chief Investment Officer der Swiss Re seinen Chefs, CEO Michel Liès und Präsident Walter Kielholz, er wolle aufhören. Dann informierte er sein Team, er wolle eine Auszeit nehmen, um sich neu zu orientieren. Einen Job habe er noch nicht in Aussicht. Er wolle etwas Neues machen, wahrscheinlich wieder in der Finanzindustrie – sprachs und räumte sein Büro.

Bei der Swiss Re rieb man sich die Augen. Schliesslich hatte der Rückversicherer ihm nach schwierigen Zeiten bei der Credit ­Suisse, wo er von 2006 bis 2008 mit wenig Fortune das Asset Management leitete, zu einem Neustart verholfen. Im Gegensatz zur CS soll er bei der Swiss Re einen guten Job gemacht haben, verlautet aus dem Konzern. Er habe «hervorragende Returns on Investment» erwirtschaftet, wand ihm Kielholz ein Kränzchen.

In der Vergangenheit hatte Blumer immer wieder für Polemik gesorgt, etwa mit seinem hohen Salär. Zum Amtsantritt bei der Swiss Re hatte es ein Golden Hello von sieben Millionen Franken gegeben, dazu kam sein Salär in gleicher Höhe. Das machte ihn zum bestbezahlten Angestellten der Swiss Re überhaupt.

Kielholz war zu jener Zeit als Präsident der CS und Vize der Swiss Re in beiden Konzernen tonangebend, geholt hat ihn aber der damalige CEO Jacques Aigrain. Gute Referenzen abgegeben hatte sein ehemaliger Mentor bei der CS, Oswald Grübel, als dessen persönlicher Assistent Blumer einst gewirkt hatte. Mit der Promotion zum Chef des CS-Asset-Managements überforderte er seinen Ziehsohn allerdings: Blumer bekam die traditionell von einem Seilziehen zwischen Amerikanern und Schweizern geprägte Sparte nicht in den Griff.

Bei der Swiss Re zeigte er mehr Durchsetzungskraft, jüngst etwa bei dem massgeblich von ihm gepushten Verkauf des US-Geschäfts der Sparte Admin Re. Dieses Business war nach 1998 vom damaligen CEO Kielholz aufgebaut worden. 

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