Es ist der grösste Börsengang (IPO) seit über acht Jahren: Aktionäre können in den kommenden Wochen Aktien des Telekom-Konzerns Sunrise für bis zu 1,94 Milliarden Franken kaufen, wie der zweitgrösste Schweizer Anbieter am Dienstag mitteilte. Anlocken will der Konzern die Anleger vor allem mit dem Versprechen einer hohen und stabilen Dividende. Als ersten Handelstag peilt Sunrise den 6. Februar an.

Bei den Titeln der Kabel- und Telekomgesellschaften greifen die Anleger vor allem zu, weil das Geschäft nur geringen Schwankungen unterworfen ist. Der Finanzinvestor CVC, der derzeit über 90 Prozent der Sunrise-Anteile hält, wagt mit Sunrise daher trotz des durchwachsenen Umfelds den ersten Börsengang in der Schweiz im laufenden Jahr. Der Finanzinvestor stellt nur einen Teil der Aktien zum Verkauf, der überwiegende Teil der angebotenen Papiere stammt aus einer Kapitalerhöhung.

Schulden sollen abgebaut werden

Sunrise will rund 1,35 Milliarden Franken einsammeln und damit vor allem Schulden abbauen. Schon für das laufende Jahr sollen die Aktionäre Dividenden von mindestens 135 Millionen Franken einstreichen können. Ein starkes Umsatz- und Gewinnwachstum verspricht das Unternehmen dagegen nicht.

Sunrise bietet die Aktien in einer Preisspanne von 58 bis 78 Franken pro Titel an. Werden die Aktien zum Maximalpreis platziert, kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von bis zu 3,3 Milliarden Franken.

Swisscom fast zehn Mal mehr wert

Swisscom ist fast zehn Mal mehr wert, denn der Marktführer ist deutlich profitabler. Sunrise erzielte im Geschäftsjahr 2013/14 bei einem Umsatz von zwei Milliarden Franken einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 621 Millionen Franken. Bei den Marktanteilen liegen die beiden deutlich näher zusammen als bei der Bewertung. Der frühere Monopolist kontrolliert 54 Prozent des Mobilfunkmarktes und 80 Prozent des Breitbandmarktes. Für Sunrise nennt die Aufsichtsbehörde ComCom Marktanteile von 27 beziehungsweise 14 Prozent.

Die Nummer drei, Orange, wurde Ende 2014 vom französischen Telekom-Milliardär Xavier Niel für mehr als zwei Milliarden Euro gekauft. Eine Fusion von Sunrise und Orange war 2010 am Widerstand der Schweizer Kartellwächter gescheitert. Branchenvertretern zufolge könnte ein erneuter Versuch bei den Behörden inzwischen eher Zustimmung finden.

«Wir verhandeln mit niemandem»

Ein kurzfristiger Verkauf statt eines Börsengangs, wie das der Schweizer Kabelnetzbetreiber Cablecom vor einigen Jahren durchexerziert hatte, ist CVC zufolge aber praktisch ausgeschlossen. «Wir verhandeln mit niemandem», erklärte CVC-Partner Lorne Someville am Rande einer Pressekonferenz.

Der letzte grössere Börsengang ging in der Schweiz 2006 über die Bühne. Damals nahm der inzwischen pleitegegangene Raffineriebetreiber Petroplus knapp drei Milliarden Franken ein. Der Sunrise-IPO wird von der Deutschen Bank und der UBS organisiert.

(reuters/ccr)

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