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Sonova: Aktionäre entlasten Rihs und Co.

Andreas Rihs (r.) mit Verwaltungsrat Roland van der Vis an der GV in Zürich. (Bild: Keystone)

Niederlage für Anlegervereinigungen: Die Aktionäre von Sonova haben ihrem Verwaltungsrat für das Geschäftsjahr 2010/11 Entlastung erteilt. Auch Ex-Verwaltungsratspräsident Andy Rihs erhält somit die Décharge.

Veröffentlicht 21.06.2011

16'762'349 von 26'515'804 Stimmen -  mit diesem Ergebnis haben Aktionäre des Hörgeräteherstellers Sonova ihrem Verwaltungsrat an der Generalversammlung in Zürich Décharge für das Geschäftsjahr 2010/11 (Ende März) erteilt. Die bekannten Aktionärsgruppen Actares und Ethos hatten zuvor zur Verweigerung der Entlastung aufgerufen, weil sie der Ansicht sind, der Verwaltungsrat habe seine Aufsichtspflicht im möglichen Insiderskandal vielleicht nicht richtig wahrgenommen.

Ex-Verwaltungsratspräsident Andy Rihs steht wie Ex-Unternehmenschef Valentin Chapero und der ehemalige Sonova-Finanzchef Oliver Walker im Zentrum eines möglichen Aktienhandelsskandals. Das Unternehmen wird von der Frage erschüttert, ob Topleute der Sonova vor Monaten unerlaubterweise mit Wissen um tiefere Gewinnprognosen Aktienpakete verkauft hatten.

Nur kurz bevor Sonova wegen des Rückrufs von Hörimplantaten am 16. März für das Geschäftsjahr 2010/11 die Gewinnprognose senkte, verkauften Top-Manager für über 47 Millionen Franken Aktien. Etwa 37 Millionen verkaufte Rihs, der die Papiere seitdem aber wieder zurückgekauft hat.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich ermittelt in diesem Fall laut früheren Aussagen gegen Chapero und Walker. Laut Sonova-Verwaltungsratspräsident Robert Spoerry steht auch Rihs unter Insiderverdacht. Das Gremium sei aber überzeugt, dass Rihs eine reine Weste habe, so Spoerry.

Zudem ermittelt die Schweizer Börse wegen möglicher Verletzung der Offenlegungsvorschriften gegen Sonova. Actares bemängelt auch, dass Sonova einen Bericht des Verwaltungsrates zu den Vorgängen im März nicht zugänglich macht. Auch die Behörden erhalten diesen Bericht nicht. Verwaltungsratspräsident Spoerry sagte dazu, die Börse und die Staatsanwaltschaft müssten ihre Arbeit unabhängig vom Sonova-Bericht machen.

Spoerry entschuldigt sich

Der Entschädigungsbericht, über den Sonova nicht bindend abstimmen liess, fand die Zustimmung eines Grossteils der anwesenden stimmberechtigten Aktien.

Vor den Abstimmungen hatte Spoerry gesagt, die Krise bei Sonova habe zu einem Vertrauensverlust bei Aktionären und Mitarbeitenden geführt. Es seien vorgegebene Abläufe und Weisungen nicht immer eingehalten worden. «Ich möchte mich für die inakzeptablen Vorgänge entschuldigen», sagte Spoerry.

Kritik am Verwaltungsrat, wie sie von einigen Aktionären am Rednerpult geäussert wurde, wies er hingegen zurück. «Wir haben nicht geschlafen», sagte Spoerry.

Die Richtlinien zum Insiderhandel und der Entscheid über die Herausgabe von börsenrelevanten Informationen lägen beim Unternehmens- und beim Finanzchef. Sonova gebe den Behörden alle nötigen Informationen, beteuerte der Verwaltungsratspräsident.

(tno/sda)

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