Zumindest buchhalterisch hat die Post nun einen Strich unter den Postauto-Skandal gezogen: Die illegale Buchungspraxis drückt den Gewinn um fast einen Viertel auf 420 Millionen Franken. Für die Jahre 2007 bis 2015 muss die Post 78,3 Millionen Franken an Bund und Kantone zurückzahlen, was bei Postauto zu einem Betriebsverlust von 69 Millionen Franken führt. Zudem stellt die Post 30 Millionen Franken zurück – für den Fall, dass auch zwischen 2016 und 2017 getrickst wurde.

Viel länger wird es nun dauern, das verspielte Vertrauen zurückzugewinnen. Dazu sei eine schonungslose Aufklärung elementar, sagte Post-Präsident Urs Schwaller an der heutigen Bilanzmedienkonferenz. Damit die Untersuchung unabhängig erfolgt, hat Schwaller nun ein Experten-Gremium zusammengestellt.

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Es besteht aus dem ehemaligen Direktor der Eigenössischen Finanzkontrolle Kurt Grüter sowie den beiden Rechtsprofessoren Andreas Donatsch und Felix Uhlmann. Sie begleiten die externe Untersuchung der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard und dem Wirtschaftsprüfer EY. «Wichtig ist mir, dass die Untersuchung komplett losgelöst vom Konzern erfolgt», sagt Schwaller. «Ich möchte nicht dem geringsten Verdacht ausgesetzt sein, die Post wolle irgendetwas vertuschen.»

Schwere Zeiten: Urs Schwaller und Susanne Ruoff sprechen an der Bilanzmedienkonferenz.

Post wird Untersuchung veröffentlichen

Schwaller gibt damit dem politischen Druck nach – verschiedene Parlamentarier forderten, dass nicht der Post-Präsident selbst die Untersuchung leiten soll. Zudem versprach er, die Ergebnisse der Anwälte und Wirtschaftsprüfer sowie das Gutachten des Experten-Trios im Frühling vollständig zu publizieren.

Danach sollen Köpfe rollen. «Ich bin nicht jemand, der aus der Hüfte schiesst», sagt Schwaller. Erst auf Basis der beiden Berichte wolle er personelle Schlüsse ziehen. Und das noch in diesem Halbjahr. Post-Chefin Susanne Ruoff, die womöglich von den Tricksereien wusste, ist somit nicht aus dem Schneider.

Anfang Februar sprach ihr Schwaller vorerst das Vertrauen aus. Er sagte damals: Ruoff freizustellen, sei keine Option gewesen. Es gelte die Unschuldsvermutung. «Wir können nicht die Konzernleitung freistellen und dann nach zwei Monaten wieder zurückbringen.»

Bonus eingefroren

Will die Post jedoch tatsächlich das Vertrauen zurückgewinnen, wird sie auf den Skandal reagieren müssen – und zwar personell und organisatorisch. Das ist sich Schwaller bewusst. Gehen musste bis jetzt nur der CEO und Finanzchef von Postauto. Zudem wurden die Boni eingefroren. Für Ruoff heisst das: 2017 bekommt sie ihr Grundgehalt von 610’000 Franken – den zusätzlichen Leistungsanteil von 310’000 Franken hingegen wird erst nach Abschluss der Untersuchung freigegeben, wie aus dem Finanzbericht hervorgeht.

Mit dem Skandal abschliessen kann Schwaller aber kaum so schnell wie er hofft. Und schon gar nicht bis zum Sommer. Indessen ermittelt auch das Bundesamt für Polizei, das jüngst eine Strafuntersuchung eingeleitet hat. Wie lange das Fedpol dafür braucht, ist ungewiss. Bis letztlich ein rechtskräftiger Entscheid steht, können Jahre vergehen.