1. Home
  2. Unternehmen
  3. So profitiert Glencore vom Öl-Überangebot

Rohstoffe 
So profitiert Glencore vom Öl-Überangebot

Öllager auf St. Lucia: Glencore stockt auf.  Flickr/CC

Ölhändler machen sich das längste Öl-Überangebot in drei Jahrzehnten zu nutze, indem sie Öl mit Profit zwischenlagern. Auch Glencore hat das Geschäftsmodell für sich erkannt.

Veröffentlicht 18.09.2015

Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie Ölhändler vom längsten Öl-Überangebot in drei Jahrzehnten profitieren, sollte einen Blick auf die winzige Karibikinsel St. Lucia werfen. Glencore Plc hat Öltanklager im einzigen Öl-Terminal der Insel angemietet, um Öl zu lagern - und folgt damit Vitol Group, wie Bloomberg aus informierten Kreisen erfuhr.

Die beiden Unternehmen reagieren damit auf den sich vertiefenden Kontango-Effekt. Dabei handelt es sich um eine Situation, in welcher die heutigen Preise niedriger sind als jene in künftigen Monaten. Das erlaubt es Händlern, Öl mit Profit zwischenzulagern. Ob auf St. Lucia, in Rotterdam oder in Südafrika - sie machen sich die aktuelle Lage zu nutze.

Profitaussichten für nächstes Jahr wachsen

«Kontango-Chancen entwickeln sich», erklärte Ian Taylor, Chef von Vitol, dem weltgrössten unabhängigen Ölhandler, in einem Interview mit Bloomberg diesen Monat. Zwar existiert der Kontango-Effekt auf dem Ölmarkt bereits seit August 2014. Doch in den vergangenen Monaten haben sich die Preise in eine Richtung bewegt, in der die Transaktionen sogar noch profitabler geworden sind.

Der Preisunterschied zwischen einem Brent-Öl-Kontrakt für die sofortige Auslieferung und für einen Kontrakt zur Lieferung in einem Jahr betrug beispielsweise am Dienstag dieser Woche minus 7,82 Dollar je Fass. Damit ist die Differenz doppelt so gross wie noch Mitte Juli.

Zwei Millionen Fass pro Tag im Überschuss

Hinter der Ausweitung steht unter anderem der Beginn der Instandhaltungssaison von Raffinerie-Unternehmen vor dem Start des Winters in der nördlichen Hemisphäre - das heisst, sie nehmen weniger Rohöl an. Zur gleichen Zeit ist das Angebot aus dem Atlantikbecken von Produzenten in der Nordsee und Westafrika auf das höchste Niveau in drei Jahren gestiegen. Das zwingt Händler dazu, Lager zu finden.

Nach Berechnungen von Goldman Sachs Group Inc. übersteigt das Angebot von Rohöl global die Nachfrage um fast 2 Millionen Fass pro Tag. Das erhöht den Druck auf die Kapazitäten von Lagerstätten in aller Welt.

Glencore hatte am 9. September einen mittelgrossen Tanker, die Everglades, nach St. Lucia geschickt, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Beladen war er mit Rohöl aus der Nordsee. Bereits am 25. August schickte Vitol den Supertanker Front Ariake, gefüllt mit Rohöl aus Nigeria, nach Südafrika.

Lagerung von Öl rechnet sich

Bei den heutigen Preisen können Firmen mit der Lagerung von Öl an Land, etwa auf St. Lucia oder Südafrika, Geld machen. Der Kontango-Effekt ist Händlern zufolge aber derzeit noch nicht gross genug, damit die Nutzung von Öltankern als schwimmende Lagerstätten einen Profit abwirft.

Wie dem auch sei: Es gibt Anzeichen dafür, dass schwimmende Lagerstätten schon bald ins Spiel kommen könnten. Paddy Rodgers, CEO of Euronav, einem der weltgrössten Besitzer von Supertankern, wird Öl wahrscheinlich in den kommenden vier bis fünf Monaten auch auf See gelagert werden.

Wenn nicht jetzt im Herbst, dann im Frühjahr

«Falls es nicht in diesem Herbst passiert, dann wird es im kommenden Frühjahr passieren - es sei denn, es ändert sich etwas bei Angebot-Nachfrage», sagte Seth Kleinman, Chef für Energie- Strategie bei Citigroup Inc. in London, in einem Gespräch mit Bloomberg.

Laut Prognosen von E.A. Gibson Shipbrokers Ltd. nähert sich der Kontango-Effekt einem Punkt, der es für einige Sorten an Rohöl aus dem Nahen Osten - etwa aus dem Oman - erlaubt, schwimmende Lagerstätten zu nutzen.

Mit Blick auf drei Monate liegt der Kontango-Effekt für Rohöl aus dem Oman bei nahezu 3 Dollar je Fass. Dieses Niveau reicht bereits fast aus, um jene 3,10 Dollar je Barrel abzudecken, welche die Anmietung eines Tankers zur Lagerung nach Berechnungen des Unternehmens kosten würde.

(bloomberg/ccr)

Anzeige