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Studie 
So nachhaltig lebt und wirtschaftet die Schweiz

Die Schweiz gehört zu den nachhaltigsten Industriestaaten der Welt: Sie ist ökonomisch stark und arbeitet energieeffizient. Doch das ist nicht in jedem Bereich so. Wo die Schweiz Nachholbedarf hat.

Von Julia Fritsche und Mathias Ohanian
09.09.2015

Die Schweiz gehört einer Studie zufolge zu den nachhaltigsten Industriestaaten der Welt, in einigen Bereichen ist aber noch viel Luft nach oben. In einer internationalen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung kam die Schweiz auf Platz fünf von 34 OECD-Staaten.

Ende des Monats sollen bei einem UN-Gipfel in New York die sogenannten Nachhaltigkeitsziele verabschiedet werden. Deshalb verglichen die Wissenschaftler für die Studie 34 Staaten anhand von 34 Kriterien miteinander. Für jedes der 17 UN-Ziele zur nachhaltigen Entwicklung sind das zwei Indikatoren. Besser platziert als die Schweiz sind Spitzenreiter Schweden, direkt dahinter Norwegen, Dänemark und Finnland. Gleich hinter der Schweiz belegt Deutschland Platz sechs. Am schlechtesten schnitten Griechenland, Chile, Ungarn, die Türkei und Schlusslicht Mexiko ab.

Widersprüchliche Ziele anpeilen

Die Studie dient als Bestandaufnahme, wie gut oder schlecht die einzelnen Staaten für die Erfüllung der UN-Nachhaltigkeitsziele 2030 gerüstet sind. Kein Land überzeugte über alle Indikatoren hinweg, alle haben irgendwo Aufholbedarf. Für die Zukunft besteht die Schwierigkeit für die Länder darin, sich in allen unterschiedlichen Bereichen zu verbessern. Manche Ziele – etwa Wirtschaftswachstum und der Umweltschutz – stehen sich in der Regel sogar ausschliessend gegenüber.

Für die Schweiz indes gilt das nicht: Sie ist ökonomisch stark und arbeitet gleichzeitig energieeffizient. Doch gut klassierte Länder wie die Schweiz, so die Erhebung, stünden zusätzlich in der Verantwortung, auch jenseits ihrer Grenzen die gesetzten Ziele voranzubringen.

Schweiz macht zu viel Müll

Die Studie offenbart, dass auch die Schweiz in Sachen Nachhaltigkeit in so manchem Bereich Aufholbedarf hat, etwa mit Blick auf die Feinstaubbelastung: Im Vergleich der 34 Staaten belegt die Schweiz nur Rang 28. Demnach leiden fast drei von zehn Schweizern (28 Prozent) unter der zu hohen Belastung. OECD-weit sind es hingegen nur 12,5 Prozent.

Erschreckend hoch ist die produzierte Abfallmenge: 712 Kilogramm Müll pro Person im Jahr bedeuten den 32. Platz. Nur die USA (725 Kilo) und Dänemark (751 Kilo) häufen noch mehr Abfall an. Die Schweiz ist damit weit entfernt vom OECD-Durchschnitt in Höhe von 483 Kilo. Zum Vergleich: Spitzenreiter Estland kommt auf nur 293 Kilo, das sind gerade mal rund 40 Prozent des Schweizer Werts. Wo die Schweiz besonders gut oder schlecht abschneidet, zeigt die Bildergalerie (oben).

Dem Planeten schulden

«Unsere Untersuchung ist der erste Stresstest für die Industriestaaten zu den neuen Zielvorgaben. Danach können wir uns als die reichen Länder mit unserer wachsenden sozialen Ungleichheit und Ressourcenverschwendung nicht mehr länger als die Lehrmeister der Welt darstellen», sagte Stiftungschef Aart De Geus. Die Studie zeige, wo Industriestaaten bereits heute Gefahr liefen, die neuen Nachhaltigkeitsziele zu verfehlen.

Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan mahnt im Vorwort des Gutachtens denn auch: «Diese Studie wird hoffentlich Reformdebatten über Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in vielen Industriestaaten entfachen. Wir schulden dies unserem Planeten und seinen Menschen.»

(mit Material von awp)

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