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Strategie 
So besiegt Mibelle den starken Franken

Mibelle beschäftigt in Buchs AG und im britischen Bradford rund 1000 Angestellte. PR

Die Migros beliefert die deutsche Drogerie-Kette DM mit Kosmetik- und Hygieneprodukten, die in der Schweiz produziert werden. Dank guter Vorbereitung und etwas Glück auch noch nach dem Frankenschock.

Von Philipp Albrecht
25.02.2016

Eigentlich sollten bei Mibelle alle Alarmglocken läuten: Auf einen Schlag wird am 15. Januar 2015 der Franken um 15 Prozent teurer. Doch in Buchs AG bleiben alle auf ihren Stühlen sitzen. Die Migros-Industrietochter macht zwar 43 Prozent ihres Umsatzes im Ausland, doch aus mehreren Gründen konnte die Aufhebung der Franken-Euro-Untergrenze durch die Nationalbank dem Unternehmen nichts anhaben.

An der Präsentation der Jahreszahlen diese Woche, erläuterte M-Industrie-Chef Walter Huber gegenüber der «Bilanz», warum man auf einen solchen Währungsschock vorbereitet war und mit welchen Mitteln man einen Umsatzrückgang verhinderte. «Wir verschoben einen Teil der Produktion an unseren Standort im englischen Bradford», sagte Huber. Neben den 17 Produktionsanlagen und 14 Abfülllinien in Frenkendorf BL betreibt Mibelle dort zwölf Abfülllinien. Damit lassen sich täglich 70 Tonnen Kosmetik- und Hygieneprodukte verarbeiten.

Günstige Rohstoffe aus dem Euroraum

Daneben war Mibelle bereits gut gerüstet: «Der Grossteil der Produktion ist gänzlich automatisiert», erklärte Huber. Dadurch fallen hohe Personalkosten weg, die vielen Export-Firmen seit dem Frankenschock zum Verhängnis wurden. Und dann waren da noch die Faktoren, auf die das Unternehmen keinen Einfluss hatte, die ihm aber zugute kamen: «Einersteits half uns der sinkende Ölpreis und andererseits die Aromastoffe, die wir aus dem Euroraum beziehen.»

Ein Kuriosum von Mibelle ist die Geschäftsbeziehung zu deutschen Drogerieketten und Discountern mit ihren Billigprodukten. Allen voran die Kette DM, deren Eigenmarke Balea teilweise aus Mibelle-Produkten besteht (Duschgel und Shampoo). Erkennbar nur durch den Hinweis «Hergestellt in der Schweiz» im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung. Laut «Handelszeitung» ist DM einer der grössten Kunden der M-Industrie. Es ist doch eher selten, dass ein bei Billigketten in Deutschland angebotenes Produkt aus dem Hochpreisland Schweiz stammt. Offenbar gibt es aber weit und breit keinen Produzenten, der qualitativ hochstehende Ware zu Tiefstpreisen herstellen kann.

Mehr Umsatz trotz Frankenschock

Wie Huber nun bestätigte, kann Mibelle die Billigware weiterhin zum gleichen Preis an DM verkaufen, ohne dass dies Folgen für den Standort Buchs hätte. Im Gegenteil: Das M-Industrie-Geschäftsfeld «Near Food», das hauptsächlich die Tätigkeit von Mibelle betrifft, wuchs 2015 um 2,3 Prozent.

Die Erfolgsgeschichte trägt dabei eine gewisse Ironie mit sich: Deutschschweizer Einkaufstouristen kaufen in Deutschland bei Müller, DM, Aldi und Lidl vor allem Kosmetik- und Hygiene-Artikel. Wenn also die Migros über den Einkaufstourismus jammert, darf sie nicht vergessen, dass zumindest ein kleiner Teil davon wieder zurück in die eigenen Kassen fliesst.

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