Erstmals seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar weist die Schweizerische Nationalbank (SNB) wieder einen Quartalsgewinn aus. Über das ganze bisherige Jahr gesehen, bleibt das Ergebnis aber tiefrot.

Nach den ersten neun Monaten betrug der Verlust noch 33,9 Milliarden Franken, nachdem Mitte Jahr das Minus noch bei 50,1 Milliarden Franken gelegen hatte. Das verbesserte Resultat ist auf einen Gewinn der SNB im dritten Quartal von 16,2 Milliarden Franken zurückzuführen.

Der Franken hatte nach Aufgabe der Deckelung Anfang des Jahres massive Gewinne verzeichnet, was wechselkursbedingte Verluste von 31,4 Milliarden Franken nach sich zog, wie die Notenbank am Freitag mitteilte. Teilweise wurde dies durch Erträge aus Zinsen und Dividenden ausgeglichen. Ausserdem berichtete die Zentralbank einen Bewertungsverlust auf ihren Goldbestand.

843 Millionen Gewinn

Der Franken hatte in den ersten neun Monaten des Jahres um 10 Prozent zum Euro und 2 Prozent zum Dollar aufgewertet, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen. Auf die beiden Währungen entfällt der Löwenanteil der SNB-Devisenreserven von rund einer halben Billionen Franken.

Gewinne von 843 Millionen Franken verbuchte die SNB aus den seit dem 22. Januar 2015 erhobenen Negativzinsen auf Sichteinlagen der Banken bei der Zentralbank. Um Anlagen in Franken unattraktiv zu machen, hatte die Notenbank bei der Aufhebung der Frankendeckelung im Januar den Einlagensatz auf minus 0,75 Prozent gesenkt.

Zwischenergebnisse wenig aussagekräftig

«Das Ergebnis der Nationalbank ist überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängig», heisst es in der Mitteilung der SNB. «Starke Schwankungen sind deshalb die Regel und Rückschlüsse auf das Jahresergebnis nur bedingt möglich.»

Die Ergebnisse der SNB resultieren aus dem Vergleich von Vermögenswerten zu Beginn und Ende jedes Berichts-Zeitraums, so dass die Zwischenergebnisse geringen Einfluss auf das Gesamtjahr haben. Die Aussicht auf einen Verlust im laufenden Jahr hatte die SNB allerdings im Juli zu einer Warnung veranlasst, dass die üblichen Zahlungen an die Kantone gefährdet seien. Nach Angaben des SNB-Sprechers Walter Meier vom Freitag ist es allerdings noch zu früh, um eine Aussage über die Zahlungen zu treffen.

Ein Ausfall wäre eine schlechte Nachricht, da die Schweiz bereits mit geringerem Wirtschaftswachstum und möglicherweise steigender Beschäftigungslosigkeit kämpft, nachdem sich die SNB zu einer Aufgabe der Obergrenze des Franken von 1,20 Euro entschlossen hatte.

(bloomberg/jfr)

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