BILANZ: Herr Oehler, wie geht es Ihnen? Sie müssen zum fünften Mal innert weni­ger Monate ins Spital, warum genau?

Edgar Oehler: Wegen einer Blutvergiftung, die sich mein Körper sozusagen selber zugefügt hat, ohne Wunde und auch nicht durch falsche Nahrungsaufnahme. Es hat sich eine Art Leitungssystem gebildet, das Schadstoffe gesammelt und gemischt hat. Dieses System muss entfernt werden.

Sie sehen tatsächlich angeschlagen aus. Hat das Ganze nicht auch mit Druck und Stress zu tun?

Nein, absolut nicht, die gesundheitlichen Probleme haben ja im November begonnen, da war alles andere noch kein Thema. Ende November sagte man mir dann im Spital, wenn ich nicht innert zweier Tage über den Berg sei, würde ich sterben. Ich fing an, meine Beerdigung zu ­organisieren.

Und jetzt steht die letzte Operation an?

Ja. Dann bin ich wieder gesund.

Sie werden mit der Einführung der Einheitsaktie die Mehrheit der Arbonia-Forster-Holding (AFG) abgeben müssen.

Wenn Sie immer wieder ins Spital müssen und sogar dem Tode ins Auge sehen, dann prägt das. Man setzt die Prioritäten anders. In einer entscheidenden Phase war ich tatsächlich sehr immobil. Eine Woche vor der Generalversammlung war ich physisch fix und fertig. Das war natürlich hinderlich, die ganze Finanzierung ist eigentlich gestanden.

Welche ganze Finanzierung?

Die Kapitalerhöhung – die haben wir selber angestrebt. Wir wussten ja nicht genau, was in der Krise in diesem und im nächsten Jahr noch alles ansteht.

Tatsache ist doch, dass die AFG auf ­einer Nettoverschuldung von weit über 400 Millionen Franken sass. Der Druck der Banken, Sie sollten sich zurücknehmen, muss massiv gewesen sein, sonst hätten Sie nie zugestimmt. Solcher Druck wiederum wäre kaum möglich, wenn die finanzielle Situation nicht sehr angespannt gewesen wäre.

Ich bin natürlich schon früher unter Druck gesetzt worden, ich solle die Einheitsaktie schaffen. Ich habe immer Nein gesagt. Während der Phase meiner Krankheit habe ich mir auch überlegt, was im schlimmsten Fall passieren würde. Ich habe mich allerdings schon vor zwei Jahren mit meiner Nachfolge befasst.

Sie haben sich bereit erklärt, die Macht abzugeben?

Ja, als CEO werde ich zurücktreten, das habe ich schon vor zwei Jahren angekündigt.

Bis Ende Jahr ziehen Sie sich auf das VR-Präsidium zurück?

Bis in einem Jahr, wir haben uns eine Jahresfrist gesetzt.

Wir? War Ihr Rücktritt als CEO nicht ­Bedingung der Banken?

Noch einmal: Der Verwaltungsrat und ich haben schon vor geraumer Zeit über ­meine Ablösung als CEO diskutiert und nun ein klares Ziel gesetzt: Bis in einem Jahr soll der Neue da sein.

Wer sucht den Nachfolger?

Ich entscheide, welche Firma uns dabei berät und unterstützt. Aus verständlichen Gründen, denn ich kenne das Geschäft am besten und führe die Gespräche gemeinsam mit dem Headhunter. Den Entscheid über die Nachfolge trifft der Verwaltungsrat, nicht ich allein.

Und die Banken haben dabei …

… so wenig dreinzureden wie ich bei deren Haarschnitt. Sie bestimmen null und nichts. Wir sind nicht bevormundet, sonst würden wir ausrufen. Und jeder, der etwas anderes behauptet, versteht nichts, will uns schlecht machen oder lügt.

Aber mit der Einheitsaktie ist Ihre ­Stimmenmehrheit bei der Firma weg.

Jetzt warten wir einmal, was herauskommt, es ist erst Juni. Bis Ende Jahr kann noch viel passieren.

Die Banken reden nun ein Wörtchen mit.

Absolut nicht, das letzte Bankengespräch hatten wir vor fast zwei Monaten im Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung.

Das kann man sich fast nicht vorstellen.

Ist aber so.

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