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Detailhandel 
Shoppingcenter: Die serbelnden Supertanker

17 Prozent Umsatzeinbusse zwischen 2010 und 2012: Shoppingcenter Serfontana in Morbio TI.

Die Schweizer Shoppingcenter leiden. Bald könnten sie von den Umsätzen im Online-Geschäft überholt werden.

Von Andreas Güntert
10.12.2013

Jetzt strahlen sie wieder. Die 175 Schweizer Shoppingcenter machen sich mit Glitzer und Glamour für Weihnachten fein. Zu feiern hat die Mehrheit dieser Supertanker des Detailhandels aber wenig. «44 der 56 grössen Schweizer Center verloren zwischen 2010 und 2012 an Umsatz; auch die Prognosen für 2013 sind negativ», sagt Marcel Stoffel. Der Strategie- und Konzeptberater für Shoppingcenter, Ex-Chef des Einkaufszentrums Glatt in Wallisellen ZH, rüttelt die Branche mit einer Studie auf, die Anfang 2014 erscheinen wird.

Marktsättigung, Preiszerfall im Nonfood-Bereich, Ladeneinheitsbrei, Auslandeinkäufe und Online-Konkurrenz machen vielen Centern zu schaffen. Steigerten die hiesigen Einkaufstempel in den vergangenen Jahren ihren Markt­anteil stetig, so droht ihnen 2013 erstmals ein Rückgang – trotz wachsender Verkaufsfläche. Stoffel sieht den derzeitigen Marktanteil der Shoppingcenter von 17 Prozent am insgesamt 97 Milliarden Franken schweren Detailhandel mittelfristig auf 16 Prozent sinken: ein Umsatzminus von rund einer Milliarde Franken.

Notwendige Eingriffe

Weil gleichzeitig der Online-Handel erstarkt, rückt der Tag näher, an dem der E-Commerce erstmals die Verkaufsleistung der Shoppingcenter, die sich auf 2,5 Millionen Quadratmetern ausbreiten, überflügeln wird. Gemäss HSG-Zahlen setzte der Online-Handel in der Schweiz 2012 – inklusive Flugtickets und Reisen – 10,2 Milliarden Franken um. Die St. Galler rechnen mit jährlichen Steigerungs­raten von acht Prozent. Wenn sich die Center nicht mehr markant von ihrem tiefen Stand von 16 Milliarden Umsatzfranken erholen, werden sie noch in diesem Jahrzehnt vom Online-Handel überflügelt; ­linear gerechnet wäre dies 2018 der Fall.

Viele der Center, die durchschnittlich 23 Jahre alt sind, stecken in einem Teufelskreis. Die Eigentümer wissen zwar, dass der Lebenszyklus rund zehn Jahre beträgt und dass Revitalisierung, verbunden mit baulichen Eingriffen, notwendig wäre. Wer aber aktiv wird und öffentlich Pläne auflegt, rüttelt politische Gegner auf und bringt eines der wichtigsten Güter in Gefahr: die Anzahl Parkplätze.

Stoffel glaubt, dass man nicht nur revitalisieren, sondern auch anderswo ansetzen sollte: «Center müssen sich stärker von der Konkurrenz abheben. Sei es mit neuem und differenziertem Mietermix, mit ansprechender Kommunikation oder neuen Services und Dienstleistungen.» Die meisten Center würden heute eher schlecht geführt, sagt Stoffel: «Sie verpassen es, zu einer Marke mit einem eigenständigen Profil zu werden.» 

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