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Silicon Valley 
Sein Datenschutzanspruch könnte Apple zum Verhängnis werden

Tim Cook
Tim Cook: Der Apple-Chef will in Sachen Datenschutz einen anderen Weg gehen als die Konkurrenz.Quelle: Keystone

Mit seinem Datenschutzanspruch stellt sich Apple selbst ein Bein. Zwar verkauft der Konzern in erster Linie Geräte, nicht Dienstleistungen. Doch genau das könnte ihm zum Verhängnis werden.

Bastian Heiniger
Von Bastian Heiniger
am 16.05.2018

Apple will anders sein, das gehört zum Geschäftsmodell. Während die anderen grossen Techkonzerne zu Datenkraken mutierten, hält sich der iPhone-Hersteller vornehm zurück. Und positioniert sich geradezu als Verfechter des Datenschutzes.

Konzern-Chef Tim Cook sagte am Sonntag in einer Rede: Apple werde in Sachen Datenschutz einen «anderen Weg» einschlagen. «Wir lehnen die Vorstellung ab, dass man nur dann das Beste aus der Technologie rausholen kann, wenn wir dafür euer Recht auf Privatsphäre eintauschen.» Apple wolle so wenig Daten wie möglich sammeln und sorgfältig und respektvoll sein.«Uns ist bewusst, dass die Daten euch gehören», sagte Cook zur Audienz. Apple bezeichnet den Datenschutz als ein Menschenrecht.

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Dass Cook diesen Trumpf jetzt ausspielt, ist kein Zufall. Nach dem Facebook-Skandal und kurz vor dem Inkrafttreten der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist Datenschutz in der Tech-Industrie das Thema der Stunde. Dass jedoch die EU-Verordnung die grossen Datenkraken bändige, daran glaubt kaum ein Experte. Konsumenten müssen nun halt für die Datennutzung ihre Zustimmung geben. Doch was bleibt ihnen anderes übrig, wenn sie weiterhin auf Google, Facebook, Whatsapp, Twitter, Amazon und Co. zugreifen wollen?

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Quelle: Keystone

Apple weiss wenig über Nutzer

Vor diesem Hintergrund kann sich Apple nun als Good Guy positionieren. Im Gegensatz zu anderen Techgiganten sammelt Apple tatsächlich viel weniger Daten. Und hat vergleichsweise wenig Kenntnisse über die Nutzer: Der Konzern weiss nicht, mit welchen anderen Personen man Nachrichten austauscht. Weiss nicht, wo man mit Apple Pay bezahlt. Weiss nicht, wo etwa ein Nutzer der Karten-App seine Reise startet, endet oder wo er wohnt. Daten von Face-ID oder dem Sprachassistenten Siri werden nur auf dem jeweiligen Gerät gespeichert. Und wenn Apple doch Daten sammelt, etwa um eine App zu verbessern, dann werden sie mit einer Technologie namens «Differential Privacy» verschlüsselt. Heisst: Den Daten werden zufällige Informationen hinzugefügt, damit sie nicht mit dem Gerät des Besitzers in Verbindung gebracht werden können.

Warum ist Appple so zurückhaltend? Konzerne wie Google und Facebook leben von den Daten ihrer Nutzer. Nur so können sie gezielt Werbung schalten, nur dank der immensen Datenmenge sind gewisse Dienste überhaupt möglich. Apple hingegen ist weniger darauf angewiesen. Der Konzern verkauft in erster Linie Geräte, nicht Dienstleistungen. Doch genau das könnte ihm zum Verhängnis werden. Der Markt mit Computern, Smartphones und Tablets ist gesättigt. Das grösste Wachstum erzielte Apple in den letzten beiden Jahren in der Sparte digitale Services – und will hier künftig noch schneller zulegen. Dazu gehören etwa der App Store, iTunes Store, Apple Music, Apple Pay und die bezahlten Cloud-Dienste.

Digitale Services wichtiger als Mac und iPad

Laut den kürzlich veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal ist das iPhone zwar mit einem Umsatz von 38 Milliarden US-Dollar noch immer die Cashcow. Doch mit 9,2 Milliarden Dollar ist der Bereich Services bereits die zweitgrösste Sparte – weit vor Mac-Computern (5,8 Milliarden) und iPads ( 4,1 Milliarden). Will Apple mit digitalen Dienstleistungen wachsen, dann wird Big Data unabdingbar. Vor allem, wenn Apple mit Google, Facebook und Amazon mithalten will. Jean-Claude Frick, Digital-Experte von Comparis, sagt: «Künftig werden Konsumenten die Dienste von Techkonzernen vor allem daran bemessen, wie gut sie funktionieren. In dieser Hinsicht ist Apple langfristig schlechter aufgestellt als etwa Google.» Ein Beispiel sind digitale Assistenten – in der Branche werden sie als das nächste grosse Ding gesehen.

Digitale Assistenten wie Apples Siri werden in der Branche als das nächste grosse Ding gesehen.

Frick hat die verschiedenen Sprachassistenten von Apple, Google und Amazon getestet. Sein Fazit: «Apples Siri kann viel weniger als Amazons Alexa und Googles Assistant.» Denn Amazon und Google verfügten über viel mehr Nutzerdaten und könnten diese entsprechend einsetzen. «Innerhalb von drei Jahren hat Apple den Vorsprung mit Siri verspielt. Der Konzern hat es verschlafen, seinen Dienst mit Big Data und Machine Learning voranzubringen.»

Google zieht davon

Erst vergangene Woche demonstrierte Google-Chef Sundar Pichai, wohin die Reise geht: So vereinbarte Googles Assistent kurzerhand telefonisch einen Coiffeur-Termin – dass da eine vom Computer generierte Stimme spricht, erkannte die Person am anderen Ende der Leitung nicht. Der Sprachrhythmus war natürlich, die Maschine reagierte angemessen auf Fragen und baute für Denkpausen sogar Füllwörter wie «Hmmm» ein. Dagegen wirkt Apples Siri ziemlich unbeholfen.

Für Apple wird letztlich entscheidend sein, was den Konsumenten wichtiger ist: Der Schutz der persönlichen Daten oder elaborierte digitale Services, die einem den Alltag erleichtern.