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Erholung 
Schweizer Wirtschaft trotzt Euro-Flaute

Ein Drittel der Schweizer Exporte gehen nach Deutschland, Frankreich und Italien.  Keystone

Ein Drittel der Schweizer Exporte gehen nach Deutschland, Frankreich und Italien - Länder, in denen die Wirtschaft im Frühjahr allenfalls stagnierte. Allzu grosse Sorge scheint jedoch unangebracht.

Von Mathias Ohanian
15.08.2014

Deutsche Politiker und Ökonomen beschrieben die eigene Wirtschaft in der Vergangenheit des Öfteren als Zugpferd für Europa. Mithilfe der Nachfrage der grössten Wirtschaft im Währungsraum sollten die Krisenländer Griechenland, Spanien oder Portugal wieder auf die Beine kommen.

Spätestens mit den heute veröffentlichten Zahlen lässt sich dieses Bild jedoch nicht mehr Aufrecht erhalten. Im Gegenteil: Während Deutschlands Bruttoinlandprodukt (BIP) im Frühjahrsquartal um 0,2 Prozent schrumpfte, stabilisiert sich die Erholung auf der iberischen Halbinsel: Spaniens Wirtschaft kann auf zwei starke Quartale 2014 zurückblicken, Portugals BIP wuchs im Frühling um 0,6 Prozent.

Ein Drittel der Schweizer Exporte gehen nach Deutschland, Frankreich und Italien

Selbst in Griechenland zeigt der Trend nach oben. Aus den offiziellen Zahlen lässt sich dies zwar nicht ablesen – Athen veröffentlicht inzwischen keine saisonbereinigten Zahlen mehr. Doch Fachleute kommen in ihren Schätzungen auf einen hohen Wert fürs zweite Quartal: Laut dem Zuger Anleiheinvestor Bantleon dürfte Griechenlands Wirtschaft gegenüber Jahresbeginn um rund 0,7 Prozent gewachsen sein. Das gab es seit Jahren nicht.

Problematisch indes ist, dass die beiden Schwergewichte Frankreich und Italien nicht vom Fleck kommen. Italien rutschte nun sogar wieder in die Rezession. Die Malaise dürfte sich in den Schweizer Zahlen fürs zweite Quartal spiegeln: Denn die exportorientierte eidgenössische Wirtschaft verkauft rund ein Drittel ihrer Ausfuhren nach Deutschland, Frankreich und Italien – in Länder also, in denen die Wirtschaft im Frühjahr allenfalls stagnierte.

Schweizer Erholung droht kein Unterbruch

Allzu grosse Sorge scheint jedoch unangebracht. Dass die Erholung in der Euro-Zone fragil und mit Rückschlägen verbunden ist, überrascht hierzulande keinen Unternehmer mehr. Noch immer veranschlagen Fachleute für die Wirtschaft des Währungsraums in diesem Jahr ein Plus von rund einem Prozent.

Die Schweizer Erholung ist robust. Dank der niedrigen Arbeitslosigkeit bleibt der Binnenkonsum stabil. Sofern die Krise in der Ukraine nicht eskaliert, drohen keine grösseren Probleme. Dafür sprechen auch die jüngsten Frühindikatoren aus den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt: Sowohl in den USA als auch in China steht die Wirtschaft weitaus besser da als noch zu Jahresbeginn.

Hinzu kommt: Fachleute sind sich einig darin, dass Deutschlands Minus ein Ausrutscher bleibt und die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder wächst. Wenngleich schwächer als zuletzt prognostiziert: Immer mehr Auguren rechnen fürs Gesamtjahr nur noch mit einem Plus von 1,5 Prozent – statt rund zwei Prozent wie bislang.

«Kraft der Schweizer Wirtschaft ist ihre Flexibilität»

Die grosse Stärke der Schweizer Wirtschaft sei ihre Flexibilität, wie Ökonom Jan-Egbert Sturm von der Zürcher Konjunkturforschungsstelle Kof in der aktuellen Ausgabe der «Handelszeitung» betont. «Sie bewahrt uns davor, uns zu lange auf bestimmte Bereiche festnageln zu lassen.» So sollte auch der starke Franken der Exportwirtschaft keine grossen Probleme mehr verursachen.

Entsprechend kann auch eine vorübergehende Sommerflaute in der Euro-Zone der Schweizer Wirtschaft nur wenig anhaben.

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