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Nestlé-Minderheitsbeteiligung L’Oréal: Schönheit hat keinen Preis

Der Kosmetikriese steht seit langem auf dem Einkaufszettel von Nestlé. Wenn da nur nicht Madame Bettencourt wäre.

Von red
22.02.2005

Mit L’Oréal betreibt Nestlé nicht nur die Joint Ventures Innéov und Galderma, sondern hält zudem 26,4 Prozent am Pariser Unternehmen, und dies bereits seit 1974. Der Kauf von L’Oréal diente nicht dem Kerngeschäft, sondern war Teil der Diversifikationsstrategie, die Nestlé damals verfolgte.

Gelohnt hat sich die Diversifikation auf alle Fälle, denn die Franzosen haben sich seither mit Marken wie L’Oréal, Garnier, Maybelline und Lancôme zum grössten Kosmetikkonzern der Welt gemausert: 14,5 Milliarden Franken setzte L’Oréal letztes Jahr um. Nestlés Beteiligung ist inzwischen 16 Milliarden Franken wert.

Gern würde Nestlé an L’Oréal die Mehrheit übernehmen. Doch das verhindert Liliane Bettencourt, Tochter des 1957 gestorbenen Unternehmensgründers Eugène Schueller. Die 82-Jährige hält 27,5 Prozent am Konzern. Mit den drei Prozent Nestlé-Aktien, die sie im Tausch für ihre Anteile bekommen hat, ist Bettencourt zudem die grösste Einzelaktionärin von Nestlé. Und mit einem Vermögen von ungefähr 21 Milliarden Franken die reichste Frau Europas.

Aufmerksam wacht Liliane Bettencourt über das Lebenswerk ihres Vaters. Ungezählte Stunden sassen Brabeck und Maucher auf Madame Bettencourts Canapé im Pariser Vorort Neuilly und versuchten, sie zu einem Verkauf zu überreden – vergebens. Letztes Jahr einigte man sich darauf, dass beide Seiten ihren Anteil an L’Oréal nicht erhöhen werden, solange Madame Bettencort lebt, mindestens aber bis Ende 2006.

Danach freilich könnte alles ganz schnell gehen. Dafür dürfte Jean-Pierre Meyers sorgen, der seit 1991 bei Nestlé im Verwaltungsrat sitzt. Er ist nicht nur Vizepräsident bei L’Oreal und bei der Bettencourt-Schueller-Stiftung, sondern auch der Ehemann von Françoise Bettencourt Meyers. Die wiederum ist Madame Bettencourts Tochter – und Alleinerbin. An einer Weiterführung des Unternehmens hat sie kein Interesse.

Übernimmt der Nahrungsmittelmulti die Verantwortung für L’Oréal, dürften sich die Unternehmensstrukturen in Vevey markant ändern. Wahrscheinlich, so wissen höchste Unternehmenskreise, ist eine Doppelstruktur: L’Oréal und Nestlé werden unter einem Holdingdach vereint und von je einem COO geführt. Das wäre der ideale Zeitpunkt für Brabeck, seine operative Verantwortung abzugeben und sich aufs Verwaltungsratspräsidium zurückzuziehen. MK

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