Für Saudi-Arabien steht bei den Klimaverhandlungen in Paris viel auf dem Spiel. Als einer der grössten Erdölproduzenten der Welt versucht das Königreich deshalb laut Beobachtern, dass ein möglichst schwaches Klima-Abkommen herauskommt.

Saudi-Arabien bildet derzeit mit den USA und Russland das Spitzentrio der Erdölförderer weltweit. Ein Klima-Abkommen mit einem Wechsel von fossiler auf erneuerbare Energie als Langzeitziel ist deshalb nicht im Interesse dieses Landes.

Saudi-Arabien auf der Verliererstrasse

Während langer Zeit sei Saudi-Arabien bei den Verhandlungen nicht in der ersten Reihe gestanden. Jetzt aber blockiere das Land in nahezu allen Bereichen, kommentiert Pascal Canfin von der auf Entwicklung und Klima spezialisierten Forschungsorganisation World Resources Institute.

Saudi-Arabien versuche, den Vertrag möglichst schwach zu machen, damit die Folgen für ihre Wirtschaft gering bleiben, ergänzt Harjeet Singh von der Nichtregierungsorganisation (NGO) Action Aid. Das Königreich habe alles zu verlieren und nicht viel zu gewinnen.

Die saudiarabische Volkswirtschaft hängt stark ab vom Erdöl und Erdgas. Zudem verfügt das Land nach Venezuela über die zweitgrössten Erdölvorkommen.

Vorbereiten auf eine Zukunft ohne Öl und Gas

Wenn das Ziel einer maximalen Erderwärmung um zwei Grad erreicht werden will, muss aber das meiste der noch vorhandenen Vorkommen an fossilen Rohstoffen im Boden bleiben. Kohle und Öl als Energieträger sollten abgelöst werden von erneuerbarer Energie oder Atomenergie.

Riad sucht einen gangbaren Mittelweg, um nicht schon bald auf der Verliererseite zu stehen. So zeigt sich Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi an der Klimakonferenz offen für Solar- und Windenergie sowie dem Einlagern von CO2. Er ruft aber auch zu einem politischen Vorgehen auf, das bei der Senkung von Treibhausgasen keine Energiequelle benachteilige.

Saudi-Arabien wisse, dass es für das Erdöl einen Endpunkt geben wird. Die Wirtschaft werde auch schon diversifiziert. Sie möchten jedoch das Tempo hin zu einer Welt ohne fossile Energie verlangsamen, sagte Célia Gautier vom französischen NGO-Zusammenschluss Réseau action climat. Auch Venezuela, das die Hälfte seiner Einnahmen dem Erdöl verdanke, sei auf diesem Kurs.

Auch beim Finanziellen zeigt sich Saudi-Arabien stur

Nicht nur bei den Energieträgern blockiert Saudi-Arabien. Das Land will auch Empfänger von technischer und finanzieller Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel bleiben und nicht auf die Geberseite wechseln. Wirtschaftlich wäre Saudi-Arabien aber auf der Seite jener Länder, die an der Klimafinanzierung mitmachen müssten, sagte Pascal Canfin vom World Resources Institute.

Bei den Verhandlungen in Paris hat kein Land ein Recht auf Veto. Es wird aber eine möglichst breite Zustimmung angestrebt. Und sollte Saudi-Arabien bis zum Schluss der Verhandlungen blockieren, würde es wohl zu Telefongesprächen zwischen der französischen und der saudiarabischen Regierung kommen, meint Canfin, der bis 2014 im französischen Kabinett Entwicklungsminister gewesen war.

(sda/jfr)

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