Die Safra-Familie ist für ihren diskreten Auftritt bekannt. Doch für einmal zeigten die neuen Sarasin-Besitzer Präsenz: Joseph Safra und sein Sohn Jacob Safra waren in der vergangenen Woche in Basel, Zürich und Genf, um sich vorzustellen und Gespräche mit Senior-Kundenberatern zu führen.

Auch das Management spürt den neuen Besitzer. Ende Juli, praktisch ­zeitgleich mit der Besetzung des Verwaltungsrats durch eine Mehrheit von Safra-Abgesandten, gab das Management unter Joachim Strähle tief greifende Änderungen bekannt. Der «strukturelle Ertragsdruck» erfordere Zurückhaltung. «Sofortmassnahmen» auf der Kostenseite seien eingeleitet worden. «Ebenso agieren wir bei Neuanstellungen zurückhaltend.»

Das Massnahmenpaket ist die Bankrotterklärung des lange von CEO Strähle vertretenen Expansionskurses. Bisher galt als Ziel, die verwalteten Vermögen bis 2015 auf 150 Milliarden zu steigern. Nun werden «die Mittelfristziele überprüft». Ein Vertrauensbeweis für Strähle sieht anders aus. In seiner Wachstumseuphorie hatte er die Profitabilität vernachlässigt. So wirtschaftete die Banque Safra Schweiz unter CEO Marcelo Szerman 2011 mit einem Kosten-Ertrags-Verhältnis von 46 Prozent deutlich besser als ­Sarasin mit 80 Prozent. Szerman, neuer Sarasin-VR, wird seine Erfahrung in Sachen Rentabilität einzubringen wissen.

In der Branche ist unklar, wie der neue Kurs zu werten ist. Auf dem Stellenmarkt agiere die Bank urplötzlich zurückhaltend, heisst es in Bankerkreisen. Das operative Management habe sich mit Neueinstellungen beim neuen Verwaltungsrat nicht durchsetzen können. Bisher habe das Absegnen von Verträgen durch den Verwaltungsrat als reine Formalität gegolten, erzählen Insider.

Sarasin dementiert, dass es einen Personalstopp gebe. Das Kundenberaterteam werde weiter ausgebaut. Es werde aber vermehrt auf die Qualität geschaut. Strähle fügte in einem Radiointerview an, viele der neuen Relationship Manager hätten «leider immer noch Schwarzgeld». Früher, in seiner Zeit im Private Banking der Credit Suisse, war er eher dafür bekannt, sich über einengende Compliance-Auflagen zu beschweren, berichten Vertraute. Doch das waren andere Zeiten. 

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