Die Safra Gruppe übernimmt die Aktienmehrheit an der Basler Bank Sarasin. Die Safra Gruppe und die niederländische Rabobank hätten eine Übernahmevereinbarung getroffen, teilte die Basler Bank am Freitagabend mit.

Der Kapitalanteil von Safra werde 46,07 Prozent betragen und der Stimmrechtsanteil 68,63 Prozent. Dies entspricht einem Kaufpreis von 1,043 Milliarden Franken, wie Sarasin-Sprecher Benedikt Gratzl der Nachrichtenagentur sda sagte. Der Aktienkauf erfolgt in bar: 7.20 Franken pro Namensaktie A und 36.00 Franken pro Namensaktie B.

Den Abschluss der Transaktion erwarten die Basler im Frühling. Danach soll den Sarasin-Minderheitsaktionären ein Pflichtangebot vorgelegt werden.

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Bank Sarasin & Cie. AG begrüssen die Übernahme durch Safra, wie es weiter hiess. Die Transaktion müsse noch durch die zuständigen Behörden in der Schweiz und im Ausland genehmigt werden.

Mit der Safra Gruppe erhalte die Bank Sarasin einen neuen, kapitalkräftigen Mehrheitsaktionär, der die starke Position von Sarasin als unabhängige Privatbank sowie Strategie und Geschäftsmodell wirkungsvoll unterstützen und stärken werde, heisst es in der gemeinsamen Mitteilung von Sarasin, Safra und Rabobank vom Freitagabend weiter.

Verdopplung des Kundenvermögens

Per Juni 2011 wies die Safra Gruppe, der ein internationales Netz von Privatbanken darunter auch in Genf angehört, nach eigenen Angaben gesamthaft ein Eigenkapital von rund 12,2 Milliarden Dollar sowie verwaltete Kundenvermögen von 109 Milliarden Dollar aus. Mit 102 Milliarden Franken ist Sarasin praktisch gleich gross.

Zu der in Besitz der gleichnamigen Familie gehörenden Safra Gruppe gehören Banken in der Schweiz, Monaco, Luxemburg, Gibraltar und den USA. Die Banco Safra gehört eigenen Angaben zufolge gemessen an den Vermögenswerten zu den zehn grössten privaten Finanzunternehmen Brasiliens.

Bär und Raiffeisen haben das Nachsehen

Der Zuschlag für Safra ist für die meisten Beobachter eine Überraschung. Als Favorit galt lange die Privatbank Julius Bär, Aussenseiterchancen wurden auch der ebenfalls Raiffeisenbank eingeräumt.

Gegen Julius Bär hatte aber das Sarasin-Management um Joachim Strähle opponiert, weil dies den Verlust der Unabhängigkeit und vieler Stellen bedeutet hätte. Safra will dagegen am Personal und am Management sowie an der bestehenden Strategie von Sarasin festhalten.

Nachdem die Verhandlungen an die Öffentlichkeit gelangten, geriet Rabobank aber auch unter einen gewissen Zeitdruck. Je länger unklar war, wie es mit Sarasin weiter geht, desto mehr begannen Kunden, sich nach anderen Vermögensverwaltern umzusehen.

«Wir begrüssen den gefällten Entscheid und freuen uns, dass mit dem Entscheid nun Klarheit über unsere Zukunft geschaffen wurde», erklärte denn auch Strähle.

Weitere Bankenkonzentration erwartet

Investmentbanker gehen davon aus, dass sich weitere Schweizer Vermögensverwalter zusammenschliessen werden. Die Durchlöcherung des Bankgeheimnisses und eine schärfere Regulierung beschneiden die Rentabilität der Branche.

Um Kosten zu sparen, hatte Credit Suisse in der Vorwoche die Integration von Clariden Leu, der ältesten Bankmarke der Schweiz, angekündigt. Credit Suisse und die UBS sind vor der Genfer Pictet die mit Abstand bedeutendsten Vermögensverwalter des Landes. Danach folgt nun die Safra Gruppe mit Sarasin sowie Bär.

(rcv/vst/sda)

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