1. Home
  2. Unternehmen
  3. Rückversicherer: Besorgter Blick nach Westen

 
Rückversicherer: Besorgter Blick nach Westen

Tornados, wie dieser in West Springfield, USA, am 2. Juni 2011, hinterlassen immense Schäden. (Bild: Keystone)

Wenn in den USA ab Juni die Hurrikan-Saison beginnt, blicken die grossen Rückversicherer wieder gen Westen. Dieses Jahr besorgter als sonst, denn sie haben schon immense Schadenbelastungen angehäuft.

Veröffentlicht 05.06.2011

Die Hurrikan-Saison, die normalerweise bis November dauert, bringt jährlich grosse Schäden, die den Rückversicherern zulasten fallen. Es könnten auch heuer wieder Kosten entstehen, die die Versicherer nach der Serie verheerender Naturkatastrophen zu Jahresbeginn kaum mehr verkraften können.

Schliesslich haben die Erdbeben in Japan und Neuseeland, die Überschwemmungen in Australien sowie viele Tornados in den USA vor allem die grossen Rückversicherer schon stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Swiss Re hat beispielsweise im ersten Quartal 2011 einen Verlust von 665 Millionen Franken hinnehmen müssen - nach einem Gewinn von rund 158 Millionen in der Vorjahresperiode.

Alleine die Kosten der Beben in Japan und Neuseeland schätzt die Swiss Re auf 2,3 Milliarden Franken. Bringt die Hurrikan-Saison neue Milliarden-Lasten, geht es bei den Rückversicherern sogar an die Kapitalpuffer. Die Branche hofft, zum Ausgleich die Preise flächendeckend anheben zu können.

Preiserhöhungen vorerst kaum möglich

Experten sind allerdings skeptisch, dass dies gelingen wird. Angesichts des starken Wettbewerbs und der noch immer exzellenten Kapitalausstattung vieler Häuser seien flächendeckende Preiserhöhungen nur bei weiteren Mega-Schäden in diesem Jahr drin.

Es bräuchte noch einmal 30 Milliarden Dollar an Belastungen, um die Polster der Rückversicherer aufzuzehren und Preiserhöhungen auf breiter Front durchzukriegen, sagt Robert Derose von der auf Versicherungen spezialisierten Rating-Agentur A.M. Best.

Zu Jahresbeginn hatten Analysten damit gerechnet, dass Katastrophenlasten von bis zu 50 Milliarden Dollar den jahrelangen Trend zu leicht fallenden Prämien der Rückversicherungen stoppen könnten. Diese Marke ist mittlerweile erreicht.

Noch reichen die Reserven

In den von Naturkatastrophen besonders betroffenen Regionen wie Japan, Australien und Neuseeland haben führende Rückversicherer wie der Branchenprimus Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück ihren Aktionären schon versprochen, hohe Preisaufschläge durchsetzen zu können. Kunden der Rückversicherer sind die normalen Versicherer, die wiederum ihren Endkunden höhere Raten in Rechnung stellen dürften.

Bei der Neuverhandlung der Rückversicherungspreise in den USA zum Beispiel rechnen Experten im Schaden- und Unfallsegment mit Steigerungen von fünf bis zehn Prozent. In anderen Versicherungsbereichen oder Regionen, die zuletzt weniger von Naturgewalten heimgesucht wurden, sind solche Aufschläge aber nicht in Sicht.

Nach Berechnungen der Rating-Spezialisten von Fitch brachten Grossschäden allein von Januar bis März den 23 führenden Anbietern Lasten von zusammen 15,7 Milliarden Dollar und einen Verlust von 3,5 Milliarden Dollar. Besonders stark betroffen waren die Münchener Rück und die Swiss Re.

Tornados werden entscheiden

Das Eigenkapital in der Branche reduzierte sich Fitch zufolge im ersten Quartal um etwa zwei Prozent. Dennoch sei die Kapitalausstattung der Firmen noch immer gut. Daher sei es zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass es Preiserhöhungen in der Breite geben werde.

Eine heftige Hurrikan-Saison in den USA könne dies aber ändern. Und so entscheiden die Wirbelstürme, die immer wieder in Texas und Florida auf Land treffen, darüber, ob 2011 für die Branche nur ein schlechtes oder ein katastrophales Jahr wird - und ob langfristig die Profitabilität über höhere Preise verbessert werden kann.

(cms/rcv/sda)

Anzeige