Es war die bisher aktuellste Retourkutsche: Nachdem Novartis-Präsident Daniel Vasella mit seinem Konkurrenzverbot für 72 Millionen Franken in die Kritik geraten war, biss Humer zu. «So etwas wäre mir nie in den Sinn gekommen», sagte der Präsident des Pharmarivalen Roche in der «Basler Zeitung». «Als ich das gelesen habe, konnte ich es nicht glauben.» Die späte Abrechnung bündelt Humers über ein Jahrzehnt angestauten Ärger.

Die Feindschaft zwischen den Managern ist legendär – entzündet am Einstieg von Novartis beim Basler Rivalen. Weder Humer noch die Besitzerfamilie ahnten, dass Vasella 2001 einen 20-Prozent-Anteil von Roche kaufen und ihn später auf 33,3 Prozent aufstocken würde – zu einer Zeit, als Roche, geschwächt durch auslaufende Patente, in der Krise steckte.

Für Humer wurde es gar persönlich. Vor genau zehn Jahren liess ­Vasella als neuer Grossaktionär nämlich seinen Juristen Rolf Watter an der Roche-Generalversammlung vorrechnen, dass Humer angesichts schlechter Ergebnisse zu viel verdiene. Wie muss sich der einst Gescholtene freuen, da Vasella nun zum Abgang bei Novartis wegen seines Lohns am Pranger steht.

«Die Rivalität der beiden Männer geht über das rein Geschäftliche hinaus. Das ist eine persönliche Fehde», sagt ein enger Wegbegleiter Humers. Denn intern sei der Einstieg von Novartis als Langfrist­investor durchaus begrüsst worden – auch wenn das heimliche Vorgehen Vasellas viele befremdet habe.

Humer piesackt den Kontrahenten seither, wo er kann. Erst lehnte er Vasellas Fusionspläne öffentlich brüsk ab. Als dieser gegen Humers Wiederwahl stimmen wollte, kommentierte er: «Meine Frau und ich haben uns köstlich amüsiert.» Als Berater des Bürgermeisters von Shanghai und des Abts von Einsiedeln trafen die beiden stetig aufeinander. Humer sagte über solche Treffen kühl: «Mit Herrn Vasella habe ich ein Verhältnis, wie ich es mit vielen unserer Konkurrenten pflege.» Auch hinter den Klostermauern komme man sich nicht näher, «es besteht auch keine Veranlassung dazu». Gerade trat Humer nach: Er brauche nach dem Ausscheiden bei Roche keinen Beratervertrag – während Vasella bei Novartis just einen verhandelt.

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