Man stelle sich vor, Jogi Löw, Trainer des deutschen Fussballnationalteams, hätte einen Beratervertrag mit der Boulevardzeitung «Bild». Das ist in Deutschland undenkbar.

In der Schweiz ist es Realität. «Ringier nimmt Ottmar Hitzfeld unter Vertrag», stand im August 2012 in einer Medienmitteilung des Ringier-Verlags. Der aktuelle Trainer der Schweizer Nationalmannschaft habe mit dem Medienhaus «einen mehrjährigen Zusammenarbeitsvertrag abgeschlossen», lasen Fussball­interessierte verdutzt. Die Freundschaft zwischen Ringier-Chef Marc Walder und Hitzfeld fand damit quasi eine vertrag­liche Fortsetzung.

Die «NZZ» schrieb zwar von einem «untragbaren Doppelmandat». Doch Ringier betonte, die journalistische Unabhängigkeit sei von Anfang an zentrale Voraussetzung für die Kooperation gewesen. Meist kam Hitzfeld gut weg – und dies vor allem oft. Eine Auswertung der Schweizerischen Mediendatenbank zeigt: Hitzfeld ist seit Vertragsabschluss in den Ringier-Printerzeugnissen bis Anfang Juni insgesamt 35-mal in Interviews oder ähnlichen Gefässen aufgetreten – Exklu­sivartikel nicht mitgerechnet. In der gesamten übrigen Presse tauchte er 32-mal auf.

Wie Alt-Kanzler Gerhard Schröder, der in «politischen und medienpolitischen Belangen als Berater» fungiert, wie es bei Ringier heisst, übernimmt Hitzfeld den sportlichen Part. So sah man den Nati-Coach in den letzten Wochen im «Blick» mit Walder in Ghana zur Lan­cierung einer Online-Sportplattform («Ghana feiert Hitzfeld»), bei einem Glas Rotwein auf dem Ringier-Pressehaus im Doppelinterview mit Sepp Blatter («Ottmar wäre einer für die Fifa») und wie er zuletzt im Trainingscamp der Nati in Weggis LU den vom «Blick» lancierten achten Klamauk-Bundesrat mit den Worten begrüsste: «Ich wünsche Ihnen einen guten Start als Bundesrat.» Der «Blick» habe korrekt angefragt, teilt der Fussballverband (SFV) mit. Man habe die Geschichte weder alimentiert noch mit einem Extra-Kapitel ergänzen wollen.

Für SFV-Präsident Peter Gilliéron sind Hitzfelds Auftritte problemlos. ­Allerdings wird Hitzfeld-Nachfolger ­Vladimir Petkovic laut dem Fussballverband keinen Vertrag mit Ringier mehr erhalten.

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