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Reform dringend nötig

Von Benjamin Manz (Geschäftsführer moneyland.ch) (für moneyland), am 2017-05-10
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moneyland.ch hat das System der obligatorischen Krankenversicherung analysiert und berechnet. Fazit: Die Franchisen-Struktur ist fehlerhaft und muss grundsätzlich überarbeitet werden.

Jedes Jahr steigen die Krankenkassenprämien in der Grundversicherung markant. Gegenüber 2016 stiegen die aktuellen Prämien um 5.3% im gewichteten Durchschnitt, wie die Analyse von moneyland.ch ergeben hat. In den vergangenen Jahren hatten die Prämienzahler ähnlich hohe Prämienanstiege zu beklagen.

Seit Jahren wird deshalb über eine Überarbeitung der schweizerischen Krankenversicherung debattiert. Der neuste Vorschlag der Kommissionen aus dem Bundeshaus: In Zukunft sollen die Versicherten die Franchise nicht mehr jedes Jahr, sondern nur noch alle drei Jahre anpassen dürfen.

Mit dieser Einschränkung der Wahlfreiheit möchten die Gesundheitspolitiker ein «Franchisen-Hopping» verhindern. Damit sollen Kosten eingespart werden. Eine stringente Modellrechnung fehlt jedoch. Es ist zweifelhaft, dass durch ein «Einfrieren der Franchisen» überhaupt substantielle Kosteneinsparungen erzielt werden können.

Krankenversicherte sind überfordert

Klar ist jedoch, dass das Schweizer Krankenversicherungssystem mit dieser neuen Regelung noch komplizierter und kundenunfreundlicher würde. Bereits jetzt sind die Versicherten mit der Wahl der richtigen Franchise überfordert.

So haben immer noch rund ein Drittel der Erwachsenen eine mittlere Franchise gewählt, also eine 500er-, 1000er-, 1500er- oder 2000er-Franchise. Es ist eine irrationale Wahl: Die mittleren Franchisen lohnen sich nie. Eine mathematisch einfach erklärbare Tatsache, die aber selbst viele Versicherungsberater und Gesundheitspolitiker nicht kennen oder nicht verstehen.

Wahl der optimalen Krankenkassen-Franchise

Rational wäre je nach Höhe der Gesundheitskosten jeweils immer nur die Wahl der tiefsten (300er-Grundfranchise) oder der höchsten Franchise (in der Regel 2500er-Franchise). Die Grundfranchise lohnt sich in der Regel erst ab Gesundheitskosten in der Höhe von 1800 bis 2000 Franken, darunter ist die höchste Franchise die rationale Wahl. 

Je nach Profil und Krankenkasse kann dieser Grenzbetrag jedoch variieren. Im unabhängigen Krankenkassenvergleich sich die optimale Franchise für alle Prämien- und Kostenvarianten automatisch anzeigen lassen.

Mittlere Franchisen als Kostenfallen

Manche Versicherten wissen zwar, dass im Nachhinein betrachtet immer nur die tiefste oder höchste Franchise optimal ist. Viele gehen aber davon aus, dass mit mittleren Franchisen immerhin das Kostenrisiko sinnvoll minimiert werden kann. Die Versicherten wissen im Voraus ja nicht mit Sicherheit, welche Gesundheitskosten im nächsten Jahr auf sie zukommen werden.

Berechnungen von moneyland.ch haben nun aber gezeigt, dass mit mittleren Franchisen in der Praxis nicht einmal das Kostenrisiko minimiert werden kann. Mittlere Franchisen sind demnach nichts anderes als Kostenfallen, mit denen die Versicherten immer zu viel zahlen. Die Krankenkassen hingegen generieren durch die Wahl der mittleren Franchisen zusätzliche Prämieneinnahmen.

Die Beschränkung auf zwei Franchisen – also die Abschaffung aller mittleren Franchisen – wäre aus der Sicht der Versicherten also eine vernünftige Entscheidung. Die Problematik der hohen Krankenkassenprämien wäre damit zwar auch nicht gelöst. Aber die Prämienstruktur wäre einfacher, verständlicher und damit deutlich kundenfreundlicher.

Weitere Informationen: Unabhängiger Krankenkassenvergleich