Herr Blume, die Zeit der Elektroautos bricht an. Wie geht Porsche mit der neuen Welt um?
Wir haben unsere Strategie für die nächsten zehn Jahre definiert. Die Überschrift lautet: Wir wollen unsere Sportwagen-Tradition in die Zukunft transformieren. Das heisst, egal, wie modern die Technik unserer künftigen Autos sein wird, es wird ein Porsche sein.

Das heisst konkret?
Auch Porsche setzt auf Elektromobilität. Daran führt kein Weg vorbei. Digitalisierung und Konnektivität werden ebenfalls eine grosse Rolle spielen. Aber am Ende ist es immer der Fahrspass, der einen Porsche ausmachen wird. Ich gehe davon aus, das wir noch mindestens die nächsten zehn Jahre ein Nebeneinander von Verbrennungsmotoren, Plug-in-Hybriden und Elektrofahrzeugen sehen werden, nicht nur in der Industrie, auch bei Porsche. Der Kunde wird bei uns ganz puristische Sportwagen bekommen, aber auch Technologieträger mit reinem E-Antrieb und vielen Digitalisierungselementen.

Ihr erstes reines E-Auto «Mission E» soll Ende des Jahrzehnts auf den Markt fahren. Ist das nicht zu spät?
Nein. Erst dann ist die Zeit reif für Elektromobile - zumindest für solche, die den Namen Porsche verdienen. Wir werden mehr als 500 Kilometer Reichweite schaffen, die Batterie wird in 15 Minuten zu 80 Prozent geladen werden können. Ein wesentlicher Faktor wird die Lade-Infrastruktur sein. Man muss sich in allen wesentlichen Regionen der Welt vernünftig bewegen können. Wenn das gegeben ist, wird die Elektromobilität an Attraktivität gewinnen.

Porsche steht für Handschaltung und hatte als eines von wenigen Autos noch Lenkräder ohne Bedienknöpfe. Wird diese Tradition sterben?
Handschalter werden wir auch in Zukunft anbieten. Das pure Gefühl, Autofahren zu spüren, das wissen viele unserer Kunden zu schätzen. Zugleich bieten wir aber auch Doppelkupplungsgetriebe an. Und wenn wir über Lenkräder reden: Wir übertragen viele Dinge aus dem Motorsport auf die Strasse. Wenn man sich ein Lenkrad in einem modernen Rennwagen anschaut, dann hat man eher den Eindruck von einer Schaltzentrale als von einem Instrument, das die Fahrtrichtung bestimmt.

Experten vermuten, dass Porsche den Diesel aufgibt und voll auf den E- Motor setzen wird. Kommt es so?
Das ist Zukunftsmusik. Wir halten den Dieselmotor nach wie vor für eine hervorragende Technologie. Und in vielen Märkten wird man ihn brauchen, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, Stichwort CO2-Ausstoss. Zum heutigen Zeitpunkt ist der Diesel eine absolut valide Technologie. Wenn Sie unseren Panamera mit Achtzylinder-Diesel fahren, werden Sie feststellen: jede Menge Fahrspass und Performance bei in dieser Klasse hervorragenden Verbrauchswerten.

Bevor Sie CEO wurden, waren Sie Produktionschef bei Porsche. Als Sie diesen Job antraten, sollen Sie zunächst im Werk mitgearbeitet haben.
Das stimmt. Ich habe eine Woche in Zuffenhausen und eine Woche in Leipzig am Band gearbeitet, um die Autos, Menschen und Prozesse kennen zu lernen. Erst dann habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt. Man muss Basis und Produkte verstehen, um eine Firma zu steuern.

Ihr Vorvorgänger Wendelin Wiedeking führte Lean Production nach japanischem Vorbild ein, zuvor galt Porsche als rückständig. Wie ist heute der Stand?
Das Porsche-Produktionssystem, wie wir es nennen, ist das Rückgrat unserer Produktion. Wir hinterfragen uns täglich selbst und haben feste Programme, wie wir Arbeitsplatz für Arbeitsplatz optimieren - und zwar in Bezug auf Ergonomie, auf Laufwege oder Qualitätsprozesse.

Sie promovierten 2001 in Shanghai in Fahrzeugtechnik. Warum dort?
Das ist eine ganz interessante Geschichte. Ich habe die Arbeit damals in Deutschland begonnen, berufsbegleitend. Einer meiner Zweitprüfer, ein Chinese, bekam einen Ruf als Professor für Fahrzeugtechnik nach Shanghai - und fragte mich, ob ich die Arbeit dort fortführen wolle, weil das sehr gut zu seinem Forschungsgebiet passte. Die deutschen Prüfer haben zugestimmt und die Arbeit bis zum Ende begleitet.

Porsche hat die Absatzzahl von 200'000 Fahrzeugen pro Jahr schon 2015 geschafft, ursprünglich war das erst für 2018 prognostiziert. Wie sehen jetzt die Ziele aus?
Wie gesagt: Volumen spielt bei uns eine untergeordnete Rolle. Wir haben drei wesentliche Ziele: hochzufriedene Kunden, eine gute Rendite und attraktive Arbeitsplätze. Was dann an Stückzahlen herauskommt, ergibt sich von selbst. Keine Sorge - wir bleiben exklusiv.

 

Anzeige
Anzeige