Im Machtkampf bei Volkswagen haben Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und Vorstandschef Martin Winterkorn einen Frieden auf Zeit geschlossen. Demnach wird das Präsidium des Aufsichtsrats dem Kontrollgremium im nächsten Februar vorschlagen, Winterkorns Ende 2016 auslaufenden Vertrag zu verlängern, hiess es am Freitag in einer knappen Mitteilung. Ob Winterkorn danach in den Aufsichtsrat wechseln soll, blieb offen.

In der nur sieben Zeilen langen Erklärung sprach das Gremium, dem Chefkontrolleur Ferdinand Piech angehört, Winterkorn sein volles Vertrauen aus und stärkte ihm den Rücken. Der 67-Jährige sei «der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen». Das Präsidium lege grossen Wert darauf, dass Winterkorn als Konzernchef «weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher» agiere und hierbei die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums habe.

Das Vertrauen entzogen

Firmenpatriarch Piech hatte dem erfolgreichen Konzernchef vor einer Woche überraschend das Vertrauen entzogen und den Zwölf-Markenkonzern damit in eine tiefe Führungskrise gestürzt. Daraufhin war am Donnerstag das sechsköpfige Präsidium des Aufsichtsrats an Piechs Sitz in Salzburg zusammengekommen, um eine Lösung zu suchen. Das Ergebnis des Krisentreffens gab der Konzern erst am Freitag bekannt.

Der überraschende Bruch Piechs mit seinem einstigen Zögling Winterkorn war auf Ablehnung im Aufsichtsrat gestossen. Der einflussreiche Betriebsratschef Bernd Osterloh stellte sich ebenso wie das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär hinter den angesehenen Manager. Osterloh hatte als Reaktion auf Piechs Abrücken von Winterkorn gesagt, wenn es nach den Arbeitnehmern gehe, solle dessen Vertrag über 2016 hinaus verlängert werden.

Kampf der alten Männer

Piech hatte sich vergangene Woche vom «Spiegel» mit den Worten zitieren lassen, er sei «auf Distanz zu Winterkorn». Die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat hatten sich spontan hinter Winterkorn gestellt. Auch das an VW beteiligte Land Niedersachsen und die mit Piech verwandte Porsche-Familie äusserten sich ablehnend zu dessen Volte. Der dritte VW-Grossaktionär nach dem Familienclan Porsche-Piech und dem Land, der Staatsfonds von Katar, sieht laut «Handelsblatt» Winterkorns Chancen auf einen Verbleib im Amt gegen den Widerstand des Chefkontrolleurs skeptisch. Piech hatte schon Winterkorns Vorgänger Bernd Pischetsrieder und den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking aus dem Amt gedrängt.

Die Diskussion über die künftige Spitze von Volkswagen schwelt schon länger wegen des fortgeschrittenen Alters der beiden Hauptakteure. Piech wurde am Freitag 78 Jahre alt und ist noch bis 2017 gewählt. Winterkorn hatte zunächst mit einer Verlängerung seiner Amtszeit um ein, zwei Jahre über 2016 hinaus geliebäugelt, um Piech danach an der Spitze des Aufsichtsrats abzulösen. Dies gilt nun als unwahrscheinlich.

(reuters/ccr)

 

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