Es werden kurzweilige Ferien diesen Sommer, wenn Banker Thomas Matter und Investor Philippe Gaydoul gemeinsame Tage am Meer verbringen. Die beiden Geschäftspartner und Freunde bewirtschaften zusammen Investments, halten Kreuzbeteiligungen an ihren Hauptfirmen – Gaydoul besitzt 9,5 Prozent an Matters Neuer Helvetischer Bank, Matter sitzt im Verwaltungsrat der Gaydoul Group und ist mit 10 Prozent an Gaydouls Schuhfirma Navyboot beteiligt.

In jüngster Zeit ist diese zehnjährige Freundschaft aber in Schieflage geraten. «Es ist nicht einfach, Freundschaft und Business miteinander zu vermischen», meinte Gaydoul kürzlich in der «NZZ am Sonntag». Und: «Ich möchte das künftig auch nicht mehr tun.» Mit Blick auf sein Investment Hanhart, eine Uhrenfirma, sagte er: «Wahrscheinlich habe ich auch dafür zu viel bezahlt.» Besitzer der Uhrenfirma Hanhart war – Thomas Matter.

Intern heisst es, Matter habe sich gewundert nach der öffentlichen Kritik Gaydouls, dieser wiederum sei unzufrieden, weil ihn Matter in wenig rentable Investments gelockt habe. Im Gespräch freilich sind beide bemüht, den Ball flach zu halten. Nein, ein Zerwürfnis gebe es nicht, meint Matter. Ihre Freundschaft sei ungetrübt und einwandfrei, sagt Gaydoul.

Wahr ist: Gaydoul tut sich schwer mit einigen Firmenbeteiligungen, die er «Pflänzchen» nennt: Navyboot, Jet Set, Fogal. Es gibt zwei weitere Baustellen, die Geld und Zeit verschlingen – und die ihn offenbar derart nerven, dass er seinen Ärger in der Zeitung ausbreitet. Es sind die Verlustquellen: der Eishockeyclub Kloten Flyers und die Uhrenfirma Hanhart. Bei beiden wird so agiert, dass es Gaydoul, der den Discounter Denner jahrelang mit ruhiger Hand entwickelte und 2007 für 980 Millionen Franken an den Migros-Konzern verkaufte, die Nackenhaare sträuben müsste – hüst und hott als Geschäftsmodell.

Die Flyers: teure Rettung

Bei den Kloten Flyers wurde Matter im Frühling 2012 angefragt, ob er bei der ­finanziellen Rettung des Hockeyclubs mitmache. Matter sprach mit Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler und mit Philippe Gaydoul. Spuhler, der mit den ZSC Lions verbandelt ist, sagte ab. Gaydoul war Feuer und Flamme – und bereit, 80 Prozent des serbelnden Sportclubs zu übernehmen. Im Sommer 2012 stiegen die Freunde ein und retteten den Club, doch die Combo spielte nur kurz. Nach bloss vier Monaten verkaufte Matter sein Paket an Gaydoul und stieg aus. Gaydoul, heute Alleinbesitzer und VR-Präsident der Flyers, sagt, der Ausstieg von Matter sei von Anfang an «klar definiert» gewesen. In Kloten wird eine andere Geschichte erzählt: Es gab Meinungsverschiedenheiten. Vor der Eskalation stieg Matter aus.

Matter und Gaydoul pochten bei ihrem Einstieg ins Hockeygeschäft auf «betriebswirtschaftliche Vernunft» und kappten das Budget von 15 auf 12,5 Millionen Franken. Rappenspalten war angesagt, bis in die Besenkammer. Der Vertrag mit der Reinigungsfirma am Flyers-Geschäftssitz – über monatlich 500 Franken – wurde gekündigt; fortan sollte das Personal mit dem Staubsauger durch die Stadiongänge flitzen. Gaydoul sprach Klartext: «Wenn einer glaubt, da kämen jetzt zwei Geldonkel, die sich einen Club leisten, und es sei egal, ob das Loch drei oder fünf Millionen betrage, dann täuscht er sich.»

Gaydoul täuschte sich. Teure Spieler wurden engagiert, die Ausländerzahl auf sechs verdreifacht, Führungspersonal eingewechselt, der Trainer Felix Hollenstein, den man zuvor geschasst hatte, zurückgeholt. Die Abkehr von der Low-Budget-Strategie war der Grund für Matters Ausstieg, erzählt man sich in Kloten.

Doch auch Gaydouls Millionen halfen wenig. Das Team landete in der Abstiegsrunde, die Zuschauerzahlen brachen ein – das Defizit wuchs. Der Verlust der Saison 2012/13 soll gegen drei Millionen betragen haben. Im Nachgang äusserte er sich über seinen ehemaligen Mitaktionär so: «Ich würde behaupten, dass ich in diesem Geschäft schon etwas länger dabei bin und mehr davon verstehe.»

Der zweite Unruheherd ist die Uhrenfirma Hanhart. Diese gehörte bis 2010 mehrheitlich Thomas Matter, Minderheitsaktionär ist Dany Bahar, ehemaliger Lotus-Sportwagen-Chef. Auch hier wollte Gaydoul mittun und bot an, eine vom Management propagierte Expansionsstrategie zu finanzieren. ­Matter aber war nicht willens, weiteres Kapital in die chronisch defizitäre Uhrenmarke zu stecken. Mit einer Kapitalerhöhung von 1,6 auf 5 Millionen rückte Denner-Erbe Gaydoul im Herbst 2010 zum Mehrheitsaktionär der Uhrenfirma auf.

Hanhart tickt zu langsam

Heute hält die Gaydoul Group 77 Prozent an Hanhart in Diessenhofen TG, Matter ist mit 13 Prozent dabei, Bahar mit 10 Prozent. Auch in diesem Investment ist einiges los. Das Marketingbudget wurde um die Hälfte auf 750 000 Franken eingedampft; die aggressive Vorwärtsstrategie ist abgeblasen. Angepeilt waren 20 Millionen Umsatzfranken (2015), heute steht man bei 5 Millionen. Geschäftsführer, Stellvertreter, Marketingchef, Produktionschef, Verkaufschef gingen von Bord. Faktisch ist der Firmensitz in Diessenhofen verwaist.

Gaydoul berief Anfang April einen neuen Hanhart-CEO: Janos Edöcs, Senior Partner der Beratungsfirma Consalve in Bern. Edöcs hat klare Vorstellungen. «Wir haben uns entschieden, die Einrichtungen in der Schweiz zu schliessen und auf unsere Wurzeln in Deutschland zu setzen», verkündete er an der Uhrenmesse in Basel. Zudem sollen die Chronometer nicht mehr als «Swiss made», sondern als «Made in Germany» vermarktet werden, und zwar neu unterhalb 3000 Franken.

Gaydoul selber meint, Entscheide zum Standort seien noch nicht definitiv gefällt. «Aber wenn man auf ‹Made in Germany› setzt, ist der Sitz in Diessenhofen zu überdenken.» Derzeit wird der Hanhart-Sitz im Thurgau heruntergefahren und Aktivitäten zu Consalve nach Bern respektive zur Schwesterfirma Adolf Hanhart GmbH in Gütenbach in Süddeutschland verschoben.

Im Schwarzwald werden die bekannten Hanhart-Stoppuhren produziert, jährlich 22 000 Stück. Gaydoul ist Besitzer der rentablen Uhrenfirma in Gütenbach; an der Wilhelm Hanhart GmbH, die das Management der Produktionsfirma Adolf Hanhart bestimmt, hält er 37,5 Prozent.

Ein komplexes Konstrukt. Möglicherweise wird jetzt die Schweizer Uhrenfirma Hanhart in die deutsche Adolf Hanhart GmbH eingebracht, mit dem Ziel, Synergien auszuschöpfen. Schliesslich will Investor Gaydoul, dass seine «Pflänzchen» bis Ende 2014 rentabel sind. Das dürfte auch seinen Mitinvestor und Kollegen Matter freuen.

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