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Nachfolge 
Patron Alfred Schindler: Eine Macht ohne Zukunft

Immer Reicher: Alfred Schindler ist durch das Rückkauf­programm noch vermögender geworden.Keystone

Die Macht des Patrons Alfred Schindler wächst: Als VR-Präsident fährt er seine Stimmkraft beim Liftbauer Schindler weiter hoch. Doch die grosse Frage bleibt: Wer soll nach ihm das Zepter führen?

Von Erik Nolmans
am 20.11.2015

Alfred Schindler, Verwaltungsratspräsident und Grossaktionär des Aufzugherstellers Schindler, wird Tag für Tag ein kleines bisschen mächtiger. Denn im Rahmen des diesen Dezember auslaufenden Aktienrückkaufprogramms erwirbt die Schindler Holding derzeit täglich mehrere tausend eigene Aktien, wie die Firma ausweist. Das ganze Paket soll – Genehmigung an der General­versammlung vorausgesetzt – im kommenden Sommer vernichtet wer­den. Im kleiner werdenden Korb aller Aktien nimmt die relative Stärke von Schindlers Anteil also zu. Ausserdem wird der Liftbauer damit automatisch reicher, ist der Wert seines Vermögens durch den Kursauftrieb doch tüchtig gestiegen.

Aber je mächtiger Alfred Schindler wird, desto dringlicher werden Nachfolgefragen. Der 66-Jährige hat zwei Adoptivkinder, Caroline und Paul. Besonders zur 37-jährigen Tochter, die in Baar eine Modedesign-Firma betreibt, soll das Verhältnis eng sein. Vater und Tochter haben auch gemeinsam Einsitz in der Dachgesellschaft Adin AG, in der die Familie Beteiligungen hält. Doch weder Tochter noch Sohn zeigen Ambitionen, die Rolle des Vaters zu übernehmen. Es sind zwar Fami­lien­mitglieder bei Schindler aktiv, diese stammen aber – wie Carole Vischer, die als Verwaltungsrätin amtet – aus dem Bonnard-Zweig.

Nur schwer los­lassen

Wäre es vor diesem Hintergrund naheliegend, schrittweise den Einfluss abzubauen und sich langsam überflüssig zu machen, baut Schindler seine Macht weiter aus. «Herr Schindler gibt als Privatperson ­keine Auskunft zu seinen Privatplänen», schreibt das Unternehmen dazu auf Anfrage.

Schindler könne, wie viele gros­se Unternehmer, nur schwer los­lassen, berichten Vertraute aus dem Verwaltungsrat. Ihm sei das Problem bewusst, hat er jüngst im kleinen Kreise wissen lassen – um dann doch offenzulassen, wie er die Frage angehen will.

Schindler-Zweig hält die grössere Tranche

Per Ende 2014 verfügten die Familien Schindler und Bon­nard zusammen über insgesamt 69,9 Prozent der Stimmrechte. Im Vorjahr waren es 67,3 Prozent. Mit der Vernichtung der zugekauften Aktien dürfte der Anteil um 0,5 bis 1 Prozent steigen, wie ein Firmen­insider vorrechnet. Wie hoch der Anteil der Familienzweige ist, ist ein gut gehütetes Geheimnis, doch Kenner der Familie gehen davon aus, dass der Schindler-Zweig die grössere Tranche hält – und diese auch im Pool selber ausgebaut werden soll.

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