Am Anfang stand Grössenwahn. Die österreichischen Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf verkündeten am 6.  September 2006 den Kauf der Industriefirma Saurer aus dem thurgauischen Arbon. ­Zuvor hatten sie sich bereits den Technologiekonzern OC Oerlikon einverleibt. ­Pecik und Stumpf überhäuften sich nach der Saurer-Akquisition mit ­Eigenlob: «Der Kauf war exzellent» ­(Pecik), «Die ­Geschäftsfelder passen hervorragend zueinander» (Stumpf). Drei Jahre später stand OC Oerlikon vor dem Kollaps.

Insgesamt hatte OC Oerlikon zwei Milliarden Franken an Fremdkapital aufgenommen, um den Traum von Pecik und Stumpf umzusetzen – den Aufbau eines Industriekonglomerats im Stil der US-Ikone General Electric. Erster Schritt war der Kauf von Saurer. Doch das Fantasiegebilde platzte früh. Ein Schuldenberg so hoch wie das Matterhorn, keine Synergien zwischen Käufer (OC Oerlikon) und Gekauftem (Saurer). Es kam noch schlimmer: Saurer bestand im Kern aus zwei ­zyklischen Bereichen: Autozulieferung und Textilmaschinen. Da brauchte es nur einen Konjunktureinbruch, und der Traum von der Swiss General Electric platzte mit lautem Knall. Sträflich ignoriert wurde ­eine Regel solider Buchhaltung: OC ­Oerlikon war bestenfalls in der Lage, Nettoschulden über 800 Millionen Franken zu schultern. Die Firma war jedoch mit mehr als dem Dreifachen belastet.

In den letzten Monaten rangen Aktionäre, Verwaltungsräte, Banker, Anwälte und Hedge-Fund-Manager um die ­Zukunft der Firma. Es ging um 16  500 ­Arbeitsplätze, um Firmennamen wie OC Oerlikon, Balzers, Leybold, Saurer, Schlafhorst, Graziano, es ging um Milliarden­investments – und um die Reputation von Viktor Vekselberg. «Mehrmals stand die Firma vor dem Aus», sagt ein involvierter Anwalt. Ein anderer: «Es war Matthäi am Letzten.» Im Herbst 2009 wurde ein ­Liquidationsplan aufgesetzt und ein ­Konkursverwalter bestimmt. Für alle Fälle. Von diesen dramatischen Schritten drang kaum etwas an die ­Öffentlichkeit.

Buchstäblich in den letzten Minuten – kurz vor Ablauf der Deadline am 31.  März 2010 um 9 Uhr – einigte man sich. Um 11.30 Uhr wurden in Zürich die letzten Verträge unterschrieben. BILANZ führte vertrauliche Gespräche über die dramatische Rettung, zitiert sehen will sich niemand. Pecik und Stumpf beantworteten keine Fragen.

2008

22. April, Zürich. Viktor Vekselberg wird neuer Besitzer von OC Oerlikon. Monate zuvor hat sich der Russe Sulzer einverleibt. Vladimir Kuznetsov, Vekselbergs rechte Hand, wird VR-Präsident von OC Oerlikon. Bisher hatten die Financiers Pecik und Stumpf das Sagen. Im September 2007 übernahmen sie – mit dem Segen ihres anfänglichen Juniorpartners Vekselberg – Saurer.

Der Kauf wird auf Pump finanziert, der Preis beträgt 1,9 Milliarden Franken. OC Oerlikon hat nun Schulden von 2,5 Milliarden. Vorfinanziert wird die Expansion durch die US-Bank Citigroup (Citi). Um sich abzusichern, holt Citi weitere Banken ins Boot. Die Amerikaner, Kreditgeber der ersten Stunde, fungieren als Koordinatoren des Kreditkonsortiums («Agent of Facility»). Sie sind damit erster Verhandlungspartner und Sprecher der übrigen 24 Gläubigerbanken. Citi hält Schulden von über 230 Millionen. Oerlikon-CEO Uwe Krüger sagt: «OC Oerlikon ist solide finanziert.»

November, Pfäffikon SZ. Die Wirtschaftskrise klopft auch am Hauptsitz von OC Oerlikon an. Der Bestellungseingang bricht ein. Ende Jahr beträgt der Verlust 422 Millionen. Citi berät OC Oerlikon bei der finanziellen Restrukturierung und kassiert dafür 3,5 Millionen.

2009

28. Januar, Pfäffikon. Trotz Millionenverlusten, Umsatz- und Aktienkurseinbruch gibt sich CEO Krüger weiter zuversichtlich: «Der derzeitige Kursrückgang hat nur sehr beschränkt mit den Fakten zu tun.» Er glaubt an eine rasche Erholung und setzt auf die Solarsparte. Im Verwaltungsrat gibt es erste kritische Stimmen.

Juni, Pfäffikon. Erste Restrukturierungsrunde: Der Konsortialkredit wird neu verhandelt. Die Banken verbessern ihre Konditionen und erhalten in den nächsten sechs Monaten 50 Millionen mehr an Zinsen. Allein Citi kassiert zusätzlich 18 Millionen. Verhandlungspartner von OC ­Oerlikon ist das Coordination Committee (CoCom), das Citi leitet. Im CoCom sitzen neben Citi auch ING, Commerzbank, Deutsche Bank und Royal Bank of Scotland. Sie vertreten ihre Interessen und ­jene der restlichen 20 Gläubigerbanken, darunter UBS und Société Générale.

25. August, Pfäffikon. Im VR machen Hans Ziegler und Carl Stadelhofer Opposition gegen CEO Krüger. Seine Businesspläne seien oft bereits am nächsten Tag überholt. Krüger wird in die Wüste geschickt. Er erhält eine Abgangsentschädigung von einem Jahreslohn. 2009 bezieht er insgesamt 6,5 Millionen Franken.

Ziegler übernimmt die Führung. Saurer weist per Mitte Jahr einen Verlust von 600 Millionen Franken aus und wäre zahlungsunfähig. Ziegler verlangt von jeder Oerlikon-Division revidierte Budgets. Das Solargeschäft, zuvor hochgejubelt, entpuppt sich als krisenanfällig. Die Chefin der Solarsparte wird entlassen.

Schnell ist klar: Um die Schulden und die Bilanz in den Griff zu bekommen, genügen tiefere Zinsen und längere Laufzeiten nicht. Die Gruppe steht finanziell am Abgrund, eine fundamentale Restrukturierung – operativ wie finanziell – muss her. Ziegler informiert die Banken.

September, Pfäffikon. Die Umsätze brechen um 40 Prozent ein. Die finanzielle Lage spitzt sich weiter zu. Da Insolvenz droht, erstellen die Anwälte einen Liquidationsplan. Ein Konkursverwalter wird bestimmt. Zieht eine der 25 Gläubigerbanken bei der Sanierung nicht mit und kommt es bis Ende März 2010 nicht zu ­einer Finanzsanierung, muss die Bilanz deponiert werden. Ziegler sucht nach möglichen Käufern von Firmenteilen, selbst Balzers, das Kernstück, steht zum Verkauf. Es ist ein aussichtsloser Plan. Entweder sind die gebotenen Preise zu tief oder die Abschreiber in der Bilanz zu gross. 2500 Arbeitsplätze werden abgebaut. Vekselberg drängt auf eine Schuldensanierung per Ende Jahr.

25. November, Pfäffikon. Ziegler präsentiert den Banken seinen Rettungsplan. Sie müssen Schulden abschreiben, die Aktionäre einen Kapitalschnitt hinnehmen. Tage später wird der Plan durch eine Indiskretion publik. Verunsicherung macht sich breit: Der Aktienkurs bricht um 30 Prozent ein. Die Firma, vor zwei Jahren an der Börse mit acht Milliarden bewertet, ist nun noch 500 Millionen wert.

5. Dezember, London. Überraschung für alle: Syndikatsführer Citi informiert, man habe eben Schuldpapiere über 103 Millionen an den amerikanischen Hedge Fund TPG Capital (ehemals Texas Pacific Group) verkauft – mit einem Abschlag von 30 Prozent. Die Banker sind konsterniert. «Das falsche Zeichen zum falschen Zeitpunkt», meint einer. «Der Ausstieg des Konsortialführers ist absolut ungewöhnlich», urteilt der Kreditchef einer nicht involvierten Bank. Gehandelt werden die notleidenden Kredite über London.

Es kommt zum Konflikt: Citi verlangt von OC Oerlikon, dass der neue Schuldner, TPG, als «Lender of Record» eingetragen wird. Damit müsste TPG stets über die Verhandlungen informiert werden und erhielte ein Vetorecht. Der VR lehnt ab. Citi hält ultimativ an der Forderung fest und gewährt Präsident Kuznetsov und seinen Kollegen eine Frist von drei Stunden. Im Falle einer Ablehnung droht Citi mit einer «Notice of Default», einer Ad-hoc-Meldung an die Börse, wonach OC Oerlikon ihre finanziellen Verpflichtungen nicht einhält. Dadurch würde die Insolvenz initiiert. Kuznetsov tobt. Nach einer Telefonkonferenz gibt er nach. Die Rede ist von Erpressung. Nun ist ein Deal nur noch mit dem Plazet von TPG möglich. Das TPG-Team wird von Alan Waxman, einem 35-jährigen Kalifornier, geleitet, der früher Investment Banker bei Goldman Sachs war. Er ist bei TPG zuständig für notleidende Kredite. Der Verlust von OC Oerlikon beträgt Ende Jahr 592 Millionen.

18. Dezember, Bern. Eine neue Front tut sich auf: Das Finanzdepartement brummt Vekselberg, Stumpf und Pecik eine Busse von je 40 Millionen Franken auf, weil diese bei der Übernahme von OC Oerlikon im Jahr 2006 als Gruppe börsenrechtliche Meldepflichten verletzt hätten. Vekselberg zieht das Verdikt weiter. Der Russe hat im Verfahren jede Auskunft über seine Vermögenswerte verweigert. Das Finanzdepartement verweist auf die Reichstenliste der BILANZ, wo das Vermögen des Russen auf 8,5 Milliarden eingeschätzt ist.

2010

11. Januar, Pfäffikon. Die Banken präsentieren einen Gegenvorschlag zu Zieglers Ideen. Neben einem partiellen Abschreiber von zehn Prozent sollen Schulden gegen Aktien getauscht werden («Debt-Equity Swap»). Alt-Aktionär Vekselberg müsste neues Kapital einschiessen, aber die Banken würden zum grössten Aktionär. Der VR lehnt ab. Auch Vekselberg. Er will seine Macht unbedingt wahren. Es geht auch um seine Reputation als Investor – und um seinen Stolz. Er sagt zu, bei einer Kapitalerhöhung neue Finanzmittel bereitzustellen. Die Frage ist nur, wie viel.

11. bis 13. Februar, Frankfurt am Main. An einer Marathonsitzung im Frankfurt Airport Center wird drei Tage lang rund um die Uhr verhandelt. Banker, Berater und Verwaltungsräte streiten über Zins­sätze, Tauschkonditionen, Laufzeiten, ­Abschreiber, neues Kapital. Die Stimmung ist angespannt. Jeder redet mit, zieht sich in Nebenzimmer zurück, rechnet nach. Ein lautes Chaos. «Man schlug sich gegenseitig die Köpfe ein», erinnert sich einer.

Citi versichert am Donnerstag, man halte weiter 123 Millionen an Schulden; am Freitagabend werden auch diese an ­einen Hedge Fund verhökert. Nun ist der Konsortialführer sämtliche Kreditrisiken los. «Ein katastrophales Signal an die anderen», urteilt ein involvierter Banker. Weshalb Citi die notleidenden Kredite verkauft und so OC Oerlikon in den Rücken fällt, ist unklar. Vermutlich pocht die Zentrale in New York auf rasche Risikominimierung. Ergo werden notleidende Kredite ohne Rücksicht auf Verluste verscherbelt.

Nun bekommen auch andere Banker kalte Füsse: Während sie offiziell beim vorgeschlagenen Schuldenverzicht von 10 Prozent mitziehen, verkaufen sie heimlich ihre Schulden mit 20 Prozent Discount. Käufer sind auf notleitende Kredite spezialisierte Hedge Funds. Via TPG sind sie über jeden Verhandlungsschritt informiert.

Die Verhandlungen werden stündlich komplizierter. Ein Beteiligter: «Immer wieder tauchen neue Partner, neue Vorschläge, neue Optiken auf.» Keiner traut dem andern. Man sitzt am Verhandlungstisch, sucht aber heimlich den Exit.

25. Februar, London. Fünf Hedge Funds, welche die Schulden von Citi und anderen Banken zusammenkaufen, treffen sich zum Geheimgespräch in London; man will eine gemeinsame Position erarbeiten. Am Tisch sitzen TPG-Partner Waxman sowie Experten von Perry Capital, Strategic Value Partners und Silver Point Capital aus New York sowie von Triton Capital Partners aus London. Sie wittern das grosse Geschäft. Denn Vekselberg steht unter Zeitdruck.

4. März, Pfäffikon. OC Oerlikon und Renova präsentieren ein neues Sanierungskonzept, das eine Entschuldung von 800 Millionen vorsieht. Die Banken müssten einen Abschreiber auf ihre Schulden von zehn Prozent hinnehmen (total 200 Millionen), und das Aktienkapital soll um 600 Millionen erhöht werden. Die Hälfte davon, 300 Millionen, würde Vekselberg einschiessen. Der Vorschlag geht zur ­Begutachtung an die Banken und an TPG. Damit ein Deal zustande kommt, müssen alle zustimmen, selbst jene, die ihre Schulden längst verkauft haben.

7. März, Zürich. Es sickert durch, dass Krüger, der geschasste CEO, für den Hedge Fund TPG tätig ist. Ausgerechnet. Der Blutdruck des ehemaligen Arbeitgebers steigt. Krüger sei nicht direkt in den Fall OC Oerlikon involviert, sondern stehe im Bereich Private Equity als Berater zur Verfügung, heisst es. Anwälte werden in Stellung gebracht.

9. März, Zürich. Eine weitere Überraschung: TPG und die andern vier Hedge Funds treten erstmals koordiniert auf und teilen Kuznetsov mit, dass man 500 Millionen der Schulden hält. Das Blatt hat sich gewendet. Nun sitzen nicht mehr die Banken in der ersten Reihe, sondern die ­aggressiven Hedge Funds.

12. März, Kloten. Showdown im Hotel Radisson am Flughafen: Der Verhandlungsführer der Hedge Funds, Waxman, wischt sämtliche Pläne von CoCom, OC Oerlikon und Renova vom Tisch. Eine Entschuldung von 800 Millionen sei ungenügend, es müssten 1,5 Milliarden her. ­Zudem pocht er auf einen Zins von elf Prozent sowie eine millionenhohe Kostenübernahme. Und: Die mit Abschlag gekauften Schulden der Hedge Funds sollten eins zu eins in Aktien umgewandelt werden. Damit verlöre der Russe die Macht. Nur: Eigentlich haben die Hedge Funds gar kein Interesse an einer Übernahme, nicht einmal an einem VR-Sitz. Nun tun sie aber so, als ob sie sich OC Oerlikon unter den Nagel reissen wollten. Ein Beteiligter: «Es wurde erpresst, geflunkert, getobt.»

15. März, Pfäffikon. Die fünf Hedge Funds informieren, sie hielten nun bereits 1,5 Milliarden der Kredite. Und damit die Mehrheit. Der Zweikampf geht in die nächste Runde: hier der junge Kalifornier Waxman, der Renova zur Kasse bittet, um seine Schulden abzusichern, dort Vekselberg, der OC Oerlikon nicht abgeben will, aber auch nicht den reichen Onkel spielen mag oder kann. Nun liegen zwei Sanierungskonzepte auf dem Tisch, jenes von Renova und jenes der Hedge Funds.

Erste Hürde ist der VR von OC Oerlikon. Die zwei stimmberechtigtenVerwaltungsräte, Hans Ziegler und Kurt Hausheer, stimmen dem Vorschlag der Hedge Funds zu. Sie haben ein Interesse daran, die Schuldenlast möglichst nachhaltig zu reduzieren und viel neues Kapital zu beschaffen. Die drei anderen Verwaltungsräte – Vladimir Kuznetsov, Carl Stadelhofer und Urs Meyer – sind im Ausstand, weil sie der Seite von Renova/Vekselberg zugerechnet werden. Schriftlich teilt der Oerlikon-Finanzchef den Banken und den Hedge Funds mit, dass man den Vorschlag der Hedge Funds unterstütze, «ansonsten droht der Bankrott».

16. März, Zürich. Der Renova-VR tagt am Hauptsitz beim Paradeplatz. Er lehnt den Vorschlag der Hedge Funds ab – und stellt sich damit gegen Ziegler. Die Forderung der Hedge Funds, ihre Kredite im Verhältnis eins zu eins in Aktien zu tauschen, wird als Frechheit empfunden. Wieder keine Lösung. Hektik macht sich unter den Kommerzbankern breit, denn sie benötigen mindestens zehn Arbeitstage, um das Okay des internen Kreditkomitees, der Revisoren und der Hausjuristen zu erhalten. Um die Deadline vom 31.  März einzuhalten, bleiben also nur noch ein paar Stunden zum Verhandeln.

17./18. März, Pfäffikon. Die Delega­tionen von TPG, OC Oerlikon, Renova und dem CoCom treffen sich zum Finale. CEO Ziegler hält sich mit dem Multivitaminpräparat Supradyn bei Laune. TPG-Vertreter Waxman, wieder aus Los Angeles eingeflogen, klagt über Rückenschmerzen und tigert um den Verhandlungstisch herum.Um 23 Uhr schlägt Waxman eine Pizzapause vor; sie wird abgelehnt.

Plötzlich bringt die deutsche WestLB neue Ideen an den Verhandlungstisch. Man diskutiert weiter, nähert sich endlich einer Einigung. Nun folgt das lange ­Warten auf die Einwilligungen der 20 nicht anwesenden Banken. Sie treffen im Morgengrauen ein, zuletzt jene einer Staatsbank aus Deutschland. Donnerstag um fünf Uhr in der Früh steht der Plan, Grundsatzpapiere werden unterzeichnet. Das 19-seitige Abkommen steht unter dem Codewort «Rural». Mit dem Vertrag wird OC Oerlikon um Schulden von einer Milliarde Franken entlastet. Vekselberg hat anfänglich 600 beziehungsweise 800 Millionen angestrebt, TPG 1,5 Milliarden.

31. März, Pfäffikon. Kreditkomitees und Revisionsgesellschaften geben grünes Licht. Die Verträge werden unterschrieben. Die Presse wird auf den nächsten Morgen an den Hauptsitz bestellt. Es treten Präsident Kuznetsov und CEO Ziegler auf.

1. April, Zürich. Um 8.57 Uhr, drei Minuten vor der Deadline, trifft das letzte ­definitive Okay einer Bank aus Deutschland ein. Die allerletzten Papiere werden um 11.30 Uhr unterschrieben. Seit einer Stunde wird die Presse informiert. Ziegler redet von einem «Azorenhoch über Oerlikon». Der Abbau von weiteren 1100 Arbeitsplätzen wird angekündigt.

Epilog. OC Oerlikon, die über 100-jäh-rige Firma, ist gerettet. Vekselberg hält künftig rund 40 Prozent, Banken und Hedge Funds 20 Prozent. Doch richtig glücklich mit dem Deal ist keiner der Unterhändler. Vekselberg muss in die überzahlte OC Oerlikon weitere 400 Millionen investieren. Und einen Teil der Macht abgeben: Der VR wird künftig mehrheitlich mit unabhängigen Leuten bestückt. Gleichzeitig hat der Russe aber den Beweis angetreten, dass er als langfristig orientierter ­Investor ernst zu nehmen ist.

Diverse Banken, die ihre Schulden zum Discountpreis verscherbelten («Fire Sale»), müssen Dutzende von Millionen Franken abschreiben. Andere wie UBS (sie hält 130 Millionen) oder die Deutsche Bank (200 Millionen) bleiben Gläubiger und hoffen auf Rückzahlung der Schulden.

Sie und die Hedge Funds kassieren Schuldzinsen von sechs Prozent und hoffen bis Ende der Kreditlaufzeit 2014 auf ein Aufblühen der Firma. Wenn sich Oerlikon operativ erholt, werden Schulden und Aktien massiv an Wert zulegen. Dann fahren die Hedge Funds eine Rendite von 30 Prozent oder 500 Millionen ein. Als Zugeständnis an Waxman muss OC Oerlikon einen Chief Restructuring Officer in die Geschäftsleitung bestellen.

Georg Stumpf, der einst von der Swiss General Electric träumte, ist längst zurück in Wien. Sein früherer Kompagnon Ronny Pecik profitiert von der Sanierung: Er hält weitere zwölf Prozent am Unternehmen.

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