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Verwaltungsrat: Neue Leitwölfe gesucht

Im UBS-Verwaltungsrat treten mit Peter Voser und Sergio Marchionne dominante Figuren ab. Nun muss das Gremium ein neues Gleichgewicht finden.

Veröffentlicht 29.01.2010

Die vergangenen zwei Jahre waren hektisch für das Aufsichts­gremium der grössten Schweizer Bank. Nicht nur mussten mehrere existenzbedrohende Krisen verarbeitet werden, auch das Gremium selber sah sich mit einer Reihe von einschneidenden personellen Wechseln konfrontiert. Das erste Revirement fand im Frühling 2008 statt, als Präsident Marcel Ospel und mit ihm der umstrittene Präsidialausschuss weichen musste. Nachfolger Peter Kurer setzte die Aufräumarbeiten fort und holte im Oktober 2008 gleich vier neue Vertreter ins Gremium. Jetzt treten auch jene Verwaltungsräte ab, die in der Krisenzeit die starke Hand der Bank verkörperten: Sergio Marchionne, Chef von Fiat, und Peter Voser, Chef von Royal Dutch Shell.

Unter dem neuen Präsidenten Kaspar Villiger soll nun die Nachkrisenzeit eingeläutet werden. Für die abtretenden Marchionne und Voser hat Villiger wieder einen Topmanager eines europäischen Konzerns holen können: Luft­hansa-Chef Wolfgang Mayrhuber. Er ist an der kommenden Generalversammlung vom April zur Zuwahl vorgeschlagen.

Bei der Berufung des Österreichers konnte Villiger die Kontakte seiner langen Politikerlaufbahn nutzen: Er kennt Mayrhuber aus der Zeit der Swissair-Krise.
Bald soll das Gremium zudem um ein weiteres Mitglied ergänzt werden. Die Kontakte seien bereits geknüpft. Es soll ein Mann mit Bankerfahrung sein.
Personell neu disponiert, muss das Gremium auch seine neue Hackordnung finden. Zu erwarten ist, dass der Verwaltungsrat, der zuletzt auch durch öffentlich ausgetragene interne Streitigkeiten Schlagzeilen machte, vermehrt zur Ruhe gelangt. Dies vor allem deswegen, weil ausgesprochene Querköpfe wie Marchionne im neuen Konstrukt fehlen.

Der Villiger-Verwaltungsrat wird vermehrt ein Experten­gremium sein: Es gibt Banker, ­Risikospezialisten und Leute mit Human-Resources-Erfahrung. Was aber fehlt, sind starke Einzelfiguren, die sich auch für eine Nachfolge des Präsidenten aufdrängen würden.

Eine Aufgabe wie seine brauche drei Jahre Zeit, sagt Villiger. Es ist wenig wahrscheinlich, dass der bald 69-Jährige länger als diese Periode bleiben will. Nach der Krisenbewältigung wird für den Verwaltungsrat laut Villiger fortan auch die Frage eines möglichen Nachfolgers zu «einem ganz zentralen Element».

Beim Konkurrenten CS ist die Nachfolgeplanung langfristig angelegt: Für den ebenfalls 69-jährigen CS-Präsidenten Hans-Ulrich Doerig wurde schon eineinhalb Jahre vor dessen Abgang 2011 mit dem heutigen Vize Urs Rohner ein neuer Präsident auserkoren.

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