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Druck 
Mutter Raiffeisen verliert mit Notenstein die Geduld

Privatbank Notenstein: Die verwalteten Vermögen gehen zurück. Keystone

Zwar übt sich CEO Patrik Gisel in Durchhalteparolen, doch tatsächlich verliert Raiffeisen langsam die Geduld mit der Privatbank-Tochter Notenstein. Jetzt soll McKinsey helfen, die Kosten zu drücken.

Von Holger Alich
20.09.2016

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel (53) übt sich in Durchhalteparolen: «Wir halten an der Privatbank fest», erklärte er mit Blick auf die Halbjahreszahlen der Privatbank-Tochter ­Notenstein La Roche. Intern erhöht er aber den Druck. «Gisel will bald Anzeichen für eine Wende zum Besseren sehen», heisst es in Finanzkreisen. Daher durchleuchten seit ein paar Wochen Berater von McKinsey die von Adrian Künzi (44) geführte Notenstein.

Die Experten analysieren die Prozesse der Bank, bis Ende des Jahres sollen Ergebnisse vorliegen. Laut Quellen dürfte dabei vermutlich auch ein Stellenabbau auf der Vorschlagsliste stehen. Denn die Wertpapier-Abwicklung und die Informatik sind bereits zentralisiert – hier ist also nicht mehr viel zu holen. Auch das Zweigstellennetz könnte Kürzungen erfahren.

«Strukturen und Prozesse verbessern»

Notenstein bestätigt das Beratermandat an McKinsey; es gehe bei der Analyse des Geschäftsmodells darum, «Strukturen und Prozesse zu verbessern», um sich fit für die Zukunft zu machen und dabei auch die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, hiess es. Das Projekt sei im Zusammenhang mit der Migration auf die neue Bankensoftware von Avaloq zu sehen.

Einige Quellen sprechen bereits von der «letzten Chance» für ­Notenstein. Denn nach einem gelungenen Start der Bank im Winter 2012 ging es kaum noch voran. Die verwalteten Vermögen gingen zuletzt auf knapp 21 Milliarden Franken zurück, auch der Gewinn sank. Binnen fünf Jahren soll ­Notenstein nun die verwalteten Vermögen auf über 40 Milliarden Franken mehr als verdoppeln. Ohne Zukäufe wird das nicht gehen.

DZ Privatbank AG im Visier?

In diesem Zusammenhang machten jüngst Meldungen die Runde, dass Notenstein die Fühler nach der Schweizer Tochter der DZ Privatbank AG ausstrecke. Die Schweizer Privatbank des deutschen Genossenschaftssektors verwaltete Ende 2015 gut 7,5 Milliarden Franken.

Aus informierten Kreisen werden aber Zweifel an solch einem Deal laut. Angesichts der laufenden Optimierungs- und IT-Projekte fehle Notenstein derzeit die Management-Kapazität, eine Integration zu stemmen. Zudem sei die DZ Privatbank Schweiz kein sonderlich attraktives Ziel. Notenstein selbst erklärte nur, man führe «ergebnisoffene Gespräche» über Kooperationsmöglichkeiten.

 

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