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Asset Management  
Mit künstlicher Intelligenz zu programmierten Gewinnen

Guillaume Bourquenoud (l.) und Valentin Moullet versuchen die Risiken mit künstlicher Intelligenz zu verringern.
Intelligenz: Guillaume Bourquenoud (l.) und Valentin Moullet versuchen die Risiken bei der Geldanlage mit künstlicher Intelligenz zu verringern. Quelle: Keren Bisaz

Künstliche Intelligenz kann die ­Geldanlage revolutionieren. Zwei Jungunternehmer wollen vorne dabei sein. Unter den Rivalen: ihre Professoren.

Erich Gerbl
Von Erich Gerbl
07.06.2019

Künstliche Intelligenz (KI) ist nun auch in der Vermögensverwaltung der grosse Hoffnungsträger. Selbst lernende Programme sollen mit weniger Risiko höhere Renditen erzielen. Zwei junge Westschweizer versuchen in diesem neuen Feld kräftig mit­zumischen.

Noch während des ­Studiums haben der 25-jährige Guillaume Bourque­noud und der 26-jährige Valentin Moullet dazu ein Unternehmen namens GQF ­gegründet. «Unsere ­Algorithmen ­sagen uns, wann wir uns absichern sollen», erklärt ­Bourquenoud. Im vergangenen Dezem­ber, als die Kurse an den Aktienmärkten abstürzten, konnten die GQF-Programme offenbar einen grossen Teil der Verluste verhindern.

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Starke Konkurrenten

21 Millionen Franken werden derzeit vom Algorithmus verwaltet – der grösste Teil über ein an der Börse gehandeltes Zertifikat. Ist das Studium beendet, geben die beiden mit ihrer Firma Gas. Treibstoff holt man sich gegen Jahresende über eine erste Finanzierungsrunde über 250 000 bis 500 000 Franken. Verwaltet GQF über 50 Millionen Franken, ist ein eigener Fonds geplant.

Alleine sind die Studenten in diesem innovativen Bereich des Asset Managements nicht. Starke Konkurrenten haben sie in ihren eigenen Professoren. Erich Walter Farkas ist Direktor des Master-Programms Quantitative Finance an der Uni und der ETH Zürich – wo Bourquenoud im Juli seinen Master macht. Gemeinsam mit Sandro Schmid hat Farkas 2014 AAAccell gegründet und ein KI-System zur Geldverwaltung auf den Markt gebracht.

Professor Erich Walter Farkas (r.) und Dozent Sandro Schmid
Der Ansatz der von ihrem Professor Erich Walter Farkas (r.) und Dozent Sandro Schmid gegründeten AAAccell verfolgt dasselbe Ziel wie GQF.
Quelle: Jasmin Frei

Der Ansatz ­basiert auf Forschungen von Zürcher Professoren. Inzwischen arbeiten elf Professoren bei AAAccell. Wie das Programm der Studenten versucht jenes der Professoren mit Hilfe selbst lernender Maschinen die Risiken ­systematisch zu ­verringern.

Welt ein Stück verbessern

Als Konkurrenten verstehen ­wollen sich die Studenten dennoch nicht. Auf den zweiten Blick habe man erhebliche Unterschiede zwischen den Produkten bemerkt. Ein Unterscheidungsmerkmal ist der Idealismus. Den Freiburgern geht es nicht zuletzt darum, die Welt ein Stück weit zu verbessern. ­

«Reiche werden immer reicher, Arme ­immer ärmer», sagt Bourquenoud. Dieser Dynamik will man durch einen ­besonders günstigen Zugang zur künstlichen Intelligenz entgegenwirken.

Die Professoren haben es unter die 15 Finalisten des Jungunternehmerpreises Swiss Economic Award gebracht. Die Freiburger wollen 2020 dabei sein.