1. Home
  2. Unternehmen
  3. Mit Google-Know-how Diabetikern helfen

Technologie 
Mit Google-Know-how Diabetikern helfen

Novartis will Linsen entwickeln, die Zuckerkranken helfen sollen.  Keystone

Novartis hat sich die Rechte an der Google-Technologie «Smart Lens» gesichert und sieht darin erhebliches Marktpotenzial. Und auch andere Technologiekonzerne haben die Wachstumsaussichten erkannt.

Veröffentlicht 15.07.2014

Am Handgelenk vibriert die Smartwatch und der Diabetiker weiß, es ist Zeit für die nächste Insulindosis. Möglich werden soll das dank intelligenter Kontaktlinsen des Pharmakonzerns Novartis, die Google-Know-how nutzen. Die Schweizer haben sich dazu die Rechte an der «Smart Lens»-Technologie des US-Internetkonzerns gesichert, wie sie am Dienstag mitteilten. Bis das Bündnis von Biologie und Hightech erste Produkte liefert, dürften allerdings noch Jahre vergehen. Novartis-Chef Joseph Jimenez hofft, in rund fünf Jahren eine intelligente Kontaktlinse auf den Markt zu bringen.

«Das wird nicht von einen Tag auf den anderen passieren», sagte Jimenez der Nachrichtenagentur Reuters. «Es sind nicht Monate, wir reden vermutlich über Jahre.» Einsetzen lassen sich intelligente Linsen sowohl in der Diagnostik als auch zur Therapie. So will Novartis Linsen entwickeln, die Zuckerkranken helfen ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren - indem sie die Tränenflüssigkeit untersuchen und das Resultat drahtlos an Handys oder Hightech-Uhren übertragen. Die Technologie soll aber auch bei Altersweitsichtigkeit helfen, die natürliche Fokussierung des Auges wiederherzustellen.

Das Marktpotenzial ist erheblich. Weltweit leiden rund 382 Millionen Menschen an Diabetes. «Es gibt eine riesige Population, die von einer kontinuierlichen Überwachung des Blutzuckerspiegels profitieren würde», sagte der Novartis-Chef. «Heute ist das eine sehr unangenehmer Vorgang - ein Stich in den Finger.» Von Presbyopie, dem altersbedingten Verlust der Nahanpassungsfähigkeit des Auges, sind mehr als 1,7 Milliarden Menschen betroffen - 2020 werden es nahezu zwei Milliarden sein, schätzen Experten.

Andere Technologiekonzerne haben diese Wachstumsaussichten ebenfalls erkannt. Neben Google arbeiten auch Apple oder Samsung an medizintechnischen Applikationen zur Überwachung von Vitalfunktionen, die in sogenannten «Wearables» - Kleinstcomputern, die als Accessoire getragen werden - zum Einsatz kommen sollen. Aber auch in der Gesundheitsbranche dürften die althergebrachten Pfade häufiger verlassen werden. «Ich denke, wir werden immer mehr Bereiche mit medizinischen Bedarf sehen, in denen Unternehmen wie Novartis einen unüblichen Ansatz wählen um das anzugehen», sagte Jimenez.

Einzelheiten der Kooperation mit Google gab Novartis nicht bekannt. Der Basler Konzern will sich Googles Erfahrung mit nichtinvasiven Sensoren, Mikrochips und anderen miniaturisierten Elektronikteilen zunutze machen. Novartis Augenheilkunde-Sparte Alcon soll die Expertise im Bereich Kontakt- und intraokulare Linsen sowie in der klinischen Entwicklung beisteuern.

Anzeige