Die erste Jahresbilanz des neuen Credit-Suisse-Chefs Tidjane Thiam fällt tiefrot aus. Aufräumarbeiten in der Bilanz brockten der zweitgrösste Schweizer Bank im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,94 Milliarden Franken ein. Alleine eine Wertberichtigung vorwiegend in Zusammenhang mit einer überteuerten Investmentbanking-Übernahme im Boomjahr 2000 schlug mit 3,8 Milliarden Franken zu Buche, wie Credit Suisse am Donnerstag mitteilte. Aber auch Kosten für den Umbau der Bank und weitere Rückstellungen belasten das Ergebnis. Zudem schwächelte das Tagesgeschäft, weil viele Kunden angesichts der Finanzmarktturbulenzen die Lust auf Börsengeschäfte verloren haben.

Damit drohen schon wenige Monate, nachdem Thiam einen ehrgeizigen Marschplan vorgelegt hatte, die neuen Vorgaben ausser Reichweite zu rücken. «Die Zielerreichung per 2018 scheint unrealistischer denn je», erklärte ZKB-Analyst Andreas Brun. Die Investoren flüchteten in Scharen, die Aktie verlor zwölf Prozent und sackte auf den tiefsten Stand seit 1992 ab.

Zufrieden mit Asien

Ohne die Sondereffekte hätte die Credit Suisse 2015 einen bereinigten Vorsteuergewinn von 4,2 Milliarden Franken erzielt. Im Vorjahr belief sich dieser Wert noch auf 6,3 Milliarden Franken. Die Geschäftsregion Asien, das Private Banking in der internationalen Vermögensverwaltung und das Schweizer Geschäft haben gemäss CS operativ gute Ergebnisse erzielt.

Der Vorsteuergewinn im Handelsgeschäft der Investmentbank dagegen reduzierte sich von 2,7 Milliarden Franken 2014 auf 1,1 Milliarden Franken, was laut CS vor allem auf die Turbulenzen an den Börsen und Verlusten im Anleihengeschäft zurückzuführen ist. Auch im Beratungsgeschäft der Investmentbank reduzierten sich der Gewinn.

«Umfeld hat sich deutlich verschlechtert»

Selbst ohne die zahlreichen Sonderfaktoren fiel der Abschluss deutlich unter den Analystenerwartungen aus. «Das Umfeld hat sich im vierten Quartal 2015 deutlich verschlechtert, und es ist nicht abschätzbar, wann sich einige der aktuellen negativen Trends, welche die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft beeinflussen, abschwächen werden», erklärte Thiam. Die Bank hält mit einer Beschleunigung des Sparprogramms dagegen. «Wir haben Massnahmen ermittelt und umgesetzt, die eine dauerhafte Senkung unserer Fixkostenbasis ermöglichen und zu Kosteneinsparungen von 500 Millionen Franken führen.» Bis Ende Januar habe die Credit Suisse die Kosten um 1,2 Milliarden Franken gedrückt und damit bereits ein Drittel des bis Ende 2018 angepeilten Ziels von 3,5 Milliarden Franken erreicht. Dabei sollen 4000 Stellen von Mitarbeitenden, Auftragnehmern und Beratern wegfallen.

Eine schnelle Besserung des Umfelds erwartet Credit Suisse nicht. Auch im Januar 2016 seien die Marktbedingungen schwierig gewesen und im restlichen Verlauf des Quartals dürften die Märkte angesichts der anhaltenden makroökonomischen Probleme volatil bleiben, warnte Thiam. Trotzdem sieht der Ivorer keinen Grund, seine neuen Vorgaben zu kassieren. «In den nächsten 35 Monaten werden wir unsere Strategie weiter diszipliniert umsetzen, um unsere angestrebten Ziele bis Dezember 2018 zu erreichen.»

Der ehemalige Versicherungsmanager will den Vorsteuergewinn auf neun bis zehn Milliarden Franken mehr als verdoppeln. Dabei setzt er vor allem auf wachsende Einnahmen aus dem Vermögensverwaltungsgeschäfts. Davon ist allerdings noch nicht viel zu spüren. Im vierten Quartal sackten die Erträge des Gesamtkonzerns im Vergleich zum Vorquartal um 30 Prozent ab.

Auch bei anderen Grossbanken belastet der Konzernumbau

Im vergangenen Jahr verhagelten neben der Abschreibung weitere Altlasten wie Kosten für Rechtsstreitigkeiten und die Umstrukturierung das Ergebnis. Auch bei der Deutschen Bank und der britische Barclays verschlingt der Konzernumbau zur Zeit Milliarden. Einen Vorsprung auf die Konkurrenz hat die größte Schweizer Bank UBS, die schon 2012 damit begonnen hatte, die Bank umzukrempeln.

(reuters/sda/ccr)

Welche Erwartungen Tidjane Thiam für 2016 hat, zu Bonus-Zahlungen an das Top-Management und was dran ist an den Spekulationen um einen Verkauf der Investment Bank an Wells Fargo - dies erläutert der Credit-Suisse-Chef im Video-Interview.

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