Zwei Jahrzehnte prägte die Beratungsfirma McKinsey die Credit Suisse. Schon 1982 nahm die Bank die Dienste der Firma erstmals in Anspruch. Danach breitete sich McKinsey in der CS immer mehr aus. Eine enorme Anzahl strategischer Projekte wurde in die Hände der Berater gegeben. Schliesslich zogen gar zwei ehemalige McKinsey-Leute in die Chefetage ein: Lukas Mühlemann wurde CEO und später Präsident, Thomas Wellauer Chef von CS Financial Services. Beide mussten die Bank nach den Milliardenverlusten 2002 verlassen. Der neue Chef, Oswald Grübel, warf das Ruder herum. Die Ausrichtung der Bank, zum grossen Teil auf den Planspielen von McKinsey beruhend, wurde geändert. «McKinsey» galt fortan in weiten Teilen der Grossbank als Reizwort.

Dies hat sich nun geändert. Brady Dougan, nach dem Abgang von John Mack neuer Chef des Investment-Bankings, ist daran, seinen Bereich neu aufzustellen. Berührungsängste kennt der von der Vergangenheit wenig belastete Amerikaner dabei nicht: Er hat die Berater für eine fünfmonatige Analyse zurück ins Haus geholt.

Die Pressestelle der Bank bestätigt das Engagement von McKinsey, will aber zu den Einzelheiten keine Stellung nehmen. Der Auftrag soll laut CS-Insidern ans US-Büro von McKinsey ergangen sein. Gewählt worden sei McKinsey nach einem üblichen Beauty-Contest, bei dem sich Beratungsfirmen präsentierten.

Die unabhängig agierenden Töchter der Bank, allen voran CSFB, hatten nicht nur für Imageprobleme, sondern immer wieder auch für hohe Verluste gesorgt. So hat Dougan, seit letztem Sommer an der Spitze der CSFB, vom Verwaltungsrat den Auftrag erhalten, das Investment-Banking enger mit dem Rest der Bank zu verweben und ertragreicher zu machen. Dies, ohne durch den Rückzug aus weniger lukrativen Geschäftssegmenten die Marktposition zu gefährden. Ein schwieriger Job.

Die nun zusammen mit McKinsey erarbeitete Strategie ist in der angelsächsischen Presse aber auf wenig Begeisterung gestossen. Wenig Neues, so der Vorwurf. Brady Dougan wolle jene Geschäftsfelder vermehrt bearbeiten, die schon Mack als wichtig identifiziert habe. Nur dass Dougan die Umsetzung zeitlich weiter hinausschiebe. Statt 2006 wie bei Mack soll der angepeilte Gewinn nun bis 2007 verdoppelt werden. «Es ist der Plan des vorherigen CEO, nur mit ein paar neuen Worten», urteilte das Branchenmagazin «Euromoney».

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