Grosse Sportler schliessen grosse Sponsoren-Deals ab. Nicht einen oder zwei – häufig haben sie gleich mehrere finanzielle Unterstützer. Man nehme etwa Roger Federer. Die Liste seiner Sponsoren findet fast kein Ende: Credit Suisse, Gillette, Lindt, Sunrise, Nike, Mercedes-Benz...um nur einige zu nennen. Floyd Mayweather ist anders.

Noch nie hatte es ein Unternehmen auf die Shorts des ungeschlagenen Box-Champions geschafft. Bis vergangenen Sonntag. Während des Boxkampfs der Superlative zwischen Mayweather und Manny Pacquiao zierte der Schriftzug des Schweizer Luxusuhren-Herstellers Hublot den Gürtel des bestverdienenden Sportlers der Welt.

«Sport bedeutet Emotionen»

Dahinter steht das Treiben von Jean-Claude Biver, Chef der Uhrensparte von LVMH, zu dem neben Tag Heuer und Zenith auch Hublot gehört.

Für den gebürtigen Luxemburger hat der Sport als Werbeplattform einen besonderen Reiz: «Sport bedeutet träumen, Emotionen, Willen, Mut, Disziplin. Im Sport lernt man eine Niederlage in Erfolg umzudrehen. Das sind Werte, die auch für den Träger einer Hublot gelten», sagte Biver gegenüber Bilanz.

Nicht der erste Vorstoss in die Welt des Sports

Für Hublot ist es nicht der erste Vorstoss in die Welt des Sports: So war die luxuriöse Uhrenmarke bereits bei den Fussball-Weltmeisterschaften 2010 und 2014 offizieller «Zeitmesser», die Kooperation soll mindestens bis 2022 gehen.

Daneben finanzierte der Konzern unter anderem die vergangene Kricket- Weltmeisterschaft und hat mit Top-Klubs wie Juventus Turin, Bayern München und Paris St. Germain Sponsoring-Verträge ausgehandelt. Ob Fussball, Kricket, Golfen, Polo oder Baseball – überall zieren Hublot-Uhren die Handgelenke. In der Reihe der Markenbotschafter liest man Namen wie Pelé, Usain Bolt, Kobe Bryant, Dwyane Wade oder Jose Mourinho.

Bivers Marketingstrategie

Bivers Marketingstrategie ist dabei so einfach wie simpel: «Eine Marke muss sich mit seinen Kunden identifizieren, das heisst: Überall dort wo der Kunde ist, müssen auch wir sein – sei es beim Polo, Golfen, Fussball oder eben beim Boxen», so der Uhrenchef. «Nur so glaubt der Kunde, dass die Marke zu seinem Lifestyle gehört.»

Mit einem Schriftzug auf Mayweathers Hose gelang Hublot ein weiterer Coup. Doch der neue Botschafter der Uhrenmarke ist Mayweather nicht, wie Biver versichert. Die Werbefläche auf der Boxershorts wurde Hublot drei Tage vor dem Kampf vom Boxverband WBC angeboten. Biver spricht von einer Art Dankeschön, da die Uhrenmarke vor drei Jahren über 1 Million Dollar an eine WBC-Stiftung für bedürftige Boxer gespendet hat.

Was Hublot der Schriftzug letztendlich gekostet hat, will Biver nicht sagen. Angesichts der Vergangenheit und des fragwürdigen Image des Boxers war die Aktion des Uhrenpatrons jedoch nicht frei von Risiko.

«Es kann zu Kritik kommen»

Mayweathers turbulentes Leben ist geprägt von Gewalttaten, Knast-Aufenthalten und persönlichen Inszenierungen. Mehrfach wurde er wegen Körperverletzung und häuslicher Gewalt verurteilt. Ob im Hotelbett oder vor einer Luxuswagen-Flotte, überall lässt sich der Boxer mit haufenweisen Dollarscheinen ablichten. Er gilt als unsympathisch, liebt das Spiel, sich selbst und vielleicht noch mehr das ganz grosse Geld. Deshalb trägt er den Spitznamen «Money».

Auch Biver war sich dessen bewusst: «Klar ist, dass man in solchen Fällen in Kritik geraten kann, weil man Werbung und Marke mit dem Sportler verwechseln kann. Zum Glück ging in diesem Fall die Kritik an den Boxer und nicht an Hublot.» Der gebürtige Luxemburger nennt die Aktion denn auch einen «sehr grossen Erfolg.»

Viel Prominenz am Ring

Nicht zuletzt deshalb, weil am Ring die Top-Grössen aus Sport und Unterhaltung vertreten waren: Steffi Graf, Andre Agassi und Michael Jordan waren ebenso vor Ort wie Clint Eastwood, Sting, Justin Biber oder Chris Brown – so viel A-Prominenz findet man sonst nur auf Veranstaltungen wie der Oscar-Verleihung. «Wenn man die Zuschauer in Las Vegas gesehen hat, dann haben wir dort genau unsere Kundschaft gehabt», so Biver.

Ein Wermutstropfen bleibt für Biver dennoch. In der Uhrensammlung des Boxers, die er auf Instragram freizügig der Welt präsentiert hat, lässt sich von 24 Uhren nur eine Hublot finden. Mayweathers Vorliebe gilt vor allem Rolex und Audemars.

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