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Maschinenindustrie: «Höhenflug bis Ende Jahr»

Noch hat die Finanzkrise keine Auswirkungen auf die Maschinen­industrie. Branchenpräsident Johann Schneider-Ammann fasst dennoch Massnahmen für den Abschwung ins Auge.

Von Hansjörg Ryser
02.04.2008

Die Schweizer Maschinenindustrie befindet sich zurzeit in einer blendenden Verfassung. Dies be­­stätigt auch Johann Schneider-Ammann, Präsident des Verbandes Swissmem. «Die Situation war bei uns in den letzten 25 Jahren noch nie so gut wie heute», sagt Schneider-Ammann, der auch Chef der Baumaschinengruppe Ammann in Langenthal und Präsident des Maschinenherstellers Mikron ist. Das zeigt sich auch an den Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Mit einer Kapazitätsbelegung von über 90 Prozent ist die Branche nahezu voll ausgelastet. Dabei konnte die Zahl der Arbeitsplätze um 4,2 Prozent erhöht werden, was fast 14  000 neuen Vollzeitstellen entspricht. Über die vergangenen drei Jahre wurden über 30  000 zusätzliche Stellen geschaffen.

Noch haben sich die konjunkturelle Abkühlung in den USA und der Dollar­zerfall nur geringfügig ausgewirkt. Wichtigster Exportmarkt bleibt ohnehin der Euroraum mit einem Anteil von zwei Dritteln. Den grössten Beitrag zum Exportwachstum von rund 12 Prozent im vergangenen Jahr lieferten osteuropäische Märkte wie Polen, Tschechien, Ungarn und Russland. Die Ausfuhren in die USA hingegen schwächten sich weiter ab und erreichten 8,8 Prozent, gegenüber 10,1 Prozent im Jahr 2004. Trotz dem starken Wachstum in China hat sich der Anteil des ­Exports nach Asien bei rund 15 Prozent lediglich stabil gehalten. Allerdings gibt Schneider-Ammann zu bedenken, dass der Zerfall des Dollars die von ihm geführten Unternehmen in Fernost durchaus empfindlich treffe. Sollte die Talfahrt des Greenback anhalten, müssten deshalb Umstrukturierungen und Verlagerungen vorgenommen werden. Sonst könne die Konkurrenzfähigkeit nicht sichergestellt werden. Andererseits sei der Dollarzerfall nicht ausreichend, um den Anstieg der Rohstoffpreise zu kompensieren. «Die Preise sind auch so hoch genug», so Schneider-Ammann.

Noch sieht er für das laufende Jahr keine Wolken am Horizont. «Trotz der Krise an den Finanzmärkten und im Immobilienmarkt in den USA gehen wir in der Maschinenindustrie davon aus, dass der konjunkturelle Höhenflug zumindest bis Ende Jahr andauert», sagt der Berner FDP-Nationalrat zuversichtlich. Die weiterhin vollen Bestellbücher der Branche untermauern dies. Bei den 290 Swissmem-Mitgliedern stiegen die Exportaufträge im vierten Quartal 2007 gegenüber dem Vorjahr erneut um fast 15 Prozent.

Allerdings wird diese erfreuliche Lage nicht von ewiger Dauer sein. «Die Risiken für die weitere Konjunkturentwicklung sind nicht zu übersehen», schreibt der Industrieverband in seinem kürzlich veröffentlichten Lagebericht. Und auch die Grossbank UBS mahnt zur Vorsicht. Auch wenn die direkte Exportabhängigkeit von den USA gering sei, würden die Auswirkungen im Zweitrundeneffekt über andere Regionen, insbesondere Europa und Asien, spürbar werden, stellen die UBS-Ökonomen in Aussicht. Insbesondere könnte die Maschinenindustrie durch schärfere Kreditkonditionen und höhere Zinsen gebremst werden. Für Swissmem-Präsident Schneider-Ammann besteht durchaus eine gewisse Sorge, «dass die Krise in der Finanzbranche auf uns überwälzt wird». Er stellt sich deshalb bereits jetzt auf schlechtere Zeiten ein und fasst strukturelle Anpassungen ins Auge, um auf einen konjunkturellen Abschwung vorbereitet zu sein.

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