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Das Vorbild: Martin Ebner - Spiritus Rector

Mit seiner BZ Bank legte der Banker den Grundstein für das Finanzfieber der neunziger Jahre.

Veröffentlicht 08.10.2010

Er kam aus dem Nichts und wurde eine der bestimmenden Figuren der Schweizer Wirtschaft: Martin Ebner, ehemals Analyst bei der Bank Vontobel, brachte Grossbanken ins Wanken und forcierte mit seinen aggressiven Investments und Firmenattacken Fusionen und Übernahmen.

1985 gründete er knapp 40-jährig seine BZ Bank. Er schuf zwei Beteiligungsvehikel und traf damit die Anlagethemen der Zeit: Seine Pharma Vision bündelte Pharmaaktien, seine BZ Vision setzte auf Banken. Geschickt spannte er sein Geschäft in ein Netz von Grosskunden wie Pensionskassen und Versicherungen.

Seine Beteiligungssgesellschaften erwirtschafteten hohe Renditen. Zudem wurde er durch das so gesammelte Geld zu einem bedeutenden Aktionär verschiedener Schweizer Grossfirmen, ­etwa der Schweizerischen Bankgesellschaft oder der Winterthur- Versicherung.

Als aktiver Investor versuchte Martin Ebner Einfluss auf die Geschäftsleitung zu nehmen. Legendär wurde die Generalversammlung der Schweizerischen Bankgesellschaft von 1996, als ­Ebner die Wahl von Konzernchef Robert Studer zum Präsidenten verhindern wollte. Ebner unterlag mit seiner Attacke allerdings. Ein Jahr später rettete sich die von Ebner bedrängte Winterthur-Versicherung in die Arme der Grossbank Credit Suisse.

Die Gründerfiguren Martin ­Bisang und Ernst Müller-Möhl entstammen Ebners Stall. Beide nahmen Schlüsselrollen in dessen Bank ein. Müller-Möhl wirkte 1991 vorübergehend gar als ­Direktionsvorsitzender. Nach einem Kompetenzgerangel mit Ebner kehrte er 1992 der BZ Bank jedoch den Rücken.

Bisang war die Nummer drei in der internen Hierarchie, wichtig als Broker im Kontakt mit den Grosskunden. Weil Bisang aus Basel stammt, befand Ebner bei dessen Eintritt 1988, er solle sich um den Pharmabereich kümmern. In der finanztechnischen Analyse von Firmen wie Roche, Ciba-Geigy oder Sandoz konnte er seine Research-Fähigkeiten einbringen.

1992 folgte er Müller-Möhl. 1993 gründeten sie zusammen mit weiteren Partnern die Bank am Bellevue. Dabei übernahmen sie weitgehend das Erfolgsrezept Ebners. Nicht nur positionierten sie ihre Bank ebenso innerhalb eines Netzes von institutionellen Grosskunden; die Beteiligungs­vehikel der Bank wie BB Industrie oder BB Biotech waren zudem ähnliche Sammelbecken für Firmenanteile wie Ebners Beteiligungsgesellschaften.

Martin Ebners Niedergang begann 2000, als das Jahrzehnt der Aktie endete. Seine Visionen verloren an Wert, angesichts ausgeschöpfter Kreditlinien musste er Positionen abbauen. 2002 ver-kaufte er die Visionen an die Zürcher Kantonalbank.

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